Ehrenamtler engagieren sich als Lesepaten

Solingen: Ehrenamtler engagieren sich als Lesepaten

Über die Solinger Freiwilligen Agentur wurden Rolf Schütter und Bernadette Williams für Schulprojekte vermittelt.

Rolf Schütter packt dienstags nicht nur das Buch aus, das er mit den vier Kindern liest. Frisches Obst und etwas zu trinken gehören für ihn zur Atmosphäre dazu, wenn er mit den Schülern der Jahrgangsstufe sechs und sieben die aktuelle Lektüre in Angriff nimmt. In die Welt der "Warrior Cats" geht es derzeit in der gemeinsamen Stunde in einem leeren Raum der Sekundarschule. Eine Fantasy-Geschichte über verschiedene Katzen-Clans, die allen Beteiligten viel Spaß macht.

Der 71-jährige ist auf den Rollstuhl angewiesen - und damit auf den Fahrdienst des Roten Kreuzes oder des CBF (Club Behinderter und ihrer Freunde). "Das macht mich natürlich unflexibler, als ich es ohne Rolli wäre", sagt Schütter, der als alter Pfadfinder gerne mit Kindern und Jugendlichen zusammen ist. Als Pensionär wollte er eine Aufgabe haben. "Nur zu Hause rumsitzen, könnte ich nicht", sagt er lächelnd. So entstand die Idee, Lesepate bei "Mentor" zu werden.

"Wir arbeiten viel mit ,Mentor' zusammen wenn es darum geht, jemanden zu finden, der Spaß daran hat, Kindern Freude am Lesen zu vermitteln", sagt Hans-Reiner Häußler von "SoFrei". Rolf Schütte sei der erste Mensch mit einer Behinderung gewesen, den er über die Agentur vermittelt habe. "Das lässt sich alles organisieren."

Anke Abel, stellvertretende Schulleiterin der Sekundarschule, freut sich über das Lese-Projekt, das Rolf Schütter anbietet. "Jenseits von Leistungsdruck bauen die Kinder hier spürbar ihre Lese-Kompetenz weiter auf und gewinnen so peu à peu ein echtes Verhältnis zum Lesen." Dass "Warrior Cats" zudem noch ein Buch sei, das über einen Spender jedem Schüler zur Verfügung gestellt werden könne, mache das Ganze natürlich noch runder. "So können die Schüler zu Hause weiterlesen, wenn sie möchten."

Rolf Schütter ist an zwei Wochentagen in der Sekundarschule. "Mittwochs lese ich mit zwei Schülern, die eine individuelle Betreuung brauchen. In einer größeren Gruppe sind sie etwas verloren." An zwei weiteren Tagen bringt ihn ein Fahrdienst in die Erika-Rothstein-Schule nach Höhscheid.

  • Wülfrath : Dem Freiwilligen-Forum fehlen junge Leute

Auf Freunde am Tun setzt auch Bernadette Williams. "Miss B" - so der liebevolle Spitzname der US-Amerikanerin bei Schülern und Lehrern - hat an der Alexander-Coppel-Gesamtschule ihren Platz gefunden: Sie spricht als "Native Speaker" ihre Muttersprache Englisch mit Kindern und Jugendlichen und ergänzt so auf bemerkenswerte Weise den eigentlichen Unterricht.

Sie unterrichte nicht, betont die lebhafte Frau, die seit 2012 von der Freiwilligen Agentur an Schulleiter Andreas Tempel vermittelt wurde. "Das Ganze hat Projekt-Charakter und ist deshalb so ein Segen für unsere Schüler, weil sie hier beim lockeren Drauflosreden keine Angst vor Fehlern haben müssen", sagt er. Eine Zeit völlig jenseits von Bewertungsdruck also - die messbar Spuren bei den Fortschritten der Schüler in der Fremdsprache hinterlässt.

Sie sitze zunächst nur im Englisch-Unterricht dabei, höre zu und beobachte die Kinder, erläutert Bernadette Williams ihre Vorgehensweise. Auf diese Weise bekomme sie ein Gefühl dafür, wer noch ein bisschen zusätzliches Sprachtraining gut gebrauchen könne. Mittlerweile würde sie auch von Lehrern oder Schülern angemailt und in Unterrichtsprojekte anderer Fächer einbezogen, erzählt sie. So habe sie letztens von ihrer Jugend aus den 70er Jahren erzählt: "Das war für die Schüler offenbar sehr spannend, einer Zeitzeugin zuzuhören. Und völlig beiläufig haben sie Englisch gelernt."

Auch andersherum klappe das mit dem Lernen: "Ich verbessere durch die Schüler im Gegenzug mein Deutsch. Auch das passiert so ganz nebenbei."

(RP)
Mehr von RP ONLINE