Solingen: Ehre, wem sie gebührt

Solingen : Ehre, wem sie gebührt

Die Stadt Solingen vergibt nicht nur den Ehrenring, um den es derzeit Ärger im Rathaus gibt, sondern auch andere Würdigungen – vom Ehrenbürger bis zum Blumenstrauß für Altersjubilare. Nicht alle Ehrenträger sind auch breit akzeptiert.

Die Stadt Solingen vergibt nicht nur den Ehrenring, um den es derzeit Ärger im Rathaus gibt, sondern auch andere Würdigungen — vom Ehrenbürger bis zum Blumenstrauß für Altersjubilare. Nicht alle Ehrenträger sind auch breit akzeptiert.

Erika Rothstein (SPD), ja. Bernd Wilz (CDU), vielleicht. Das politische Geschacher um den Ehrenring der Stadt (wir berichteten) nervt manchen Bürger. "Bei der Ehrung spielt doch offenbar nur politischer Proporz eine Rolle", sagt Morgenpost-Leserin Karin Lücken gestern beim Heißen Draht der Redaktion. "Eigentlich soll doch der Ehrenring nur an Personen vergeben werden, die etwas Besonderes geleistet haben, geht es aber um den Proporz, wird der Ring abgewertet. Beim nächsten Mal sind dann vielleicht die Grünen mal dran."

So wie Karin Lücken denken viele. Wem gibt die Stadt die Ehre und warum? Beim Ehrenring ist das Verfahren klar geregelt. Die Parteien bringen Vorschläge in den Rat ein, eine Zweidrittel-Mehrheit braucht es im Stadtparlament für einen positiven Beschluss. 65 Ehrenringträger gibt es seit seiner Einführung 1964. Zuletzt hatte sich Solingens früherer OB Franz Haug das 27,8 Gramm schwere Schmuckstück aus 750er Gold überstreifen lassen.

Wesentlich übersichtlicher ist die Liste bei den Ehrenbürgern. An den Unternehmer Gustav Coppel (1830-1914) oder den früheren Bürgermeister August Dicke (1859- 1929) erinnern sich heute wohl nur noch Parkbesucher (Gustav-Coppel-Park) oder Pennäler (August-Dicke-Gymnasium). Der einzige Ehrenbürger nach dem Krieg ist der gebürtige Solinger, Walter Scheel. 1976 erhielt der damalige Bundespräsident die Würdigung.

Sport und Umwelt

Neben dem Ehrenpreis der Stadt, der "Schärfsten Klinge", die erst kürzlich der Bürgerrechtler und frühere Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Joachim Gauk, entgegennahm, vergibt die Stadt Ehrungen, die nur ihren Bewohnern selbst vorbehalten sind, so etwa den früheren Umweltpreis, der seit 2000 Agenda-Preis heißt und die jährliche Ehrung Solinger Sportler durch Stadt und Sportbund ausschreiben. Über den öffentlich ausgeschriebenen Agenda-Preis, der auch an Institutionen vergeben werden kann, entscheidet ein vom Stadtrat bestelltes zwölfköpfiges "Agenda-Team". Im Fall der Sportler-Ehrung erledigt das der Sportausschuss des Rates, erklärt Stadtsprecher Lutz Peters. Um Alters-Ehrungen muss sich niemand kümmern. Wie das Alter kommen sie von selbst. Das Einwohnermeldeamt gibt die Daten an die Stadt weiter. Zum 90. und 95. Geburtstag und danach jedes Jahr kommt der zuständige Bezirksvorsteher mit einem Blumenstrauß, ab 100 fährt der Oberbürgermeister höchstpersönlich vor oder eine seiner Stellvertreterinnen. Zum Blumengebinde gibt es dann noch 50 Euro. Anders ist es bei Ehejubiläen. "Die werden nur auf Antrag berücksichtigt", sagt Peters. "Zwei bis drei Wochen vorher sollten sie im Rathaus eingegangen sein." Gold (50 Jahre), Diamant (60 Jahre), Eisern (65 Jahre) werden sie durch einen Stadtvertreter gewürdigt — ab 60 Jahren kommt der OB.

250 000 "Kreuze" verliehen

Streitobjekt Verdienstorden, auch Bundesverdienstkreuz genannt — breites Kopfschütteln gibt es immer dann, wenn der Eindruck entsteht, ein örtlicher Verbandsfunktionär erhält die Würdigung nur, weil er unfallfrei seine lange Dienstzeit abgesessen und politische Fürsprecher hat. Ungeteilte Anerkennung hingegen fand etwa die Ordensverleihung für die Solingerin Brigitte Funk, die die örtliche Tafel mitgegründet hat. Bis heute dürften rund 250 000 Verdienstkreuze verliehen worden sein.

Der Verdienstorden, der in zehn Stufen (Verdienstmedaille bis Sonderstufe des Großkreuzes) vergeben wird, ist Angelegenheit des Bundespräsidenten. Die Kommune ist nur insofern zuständig, als dass sie Vorschläge von Bürgern an die NRW-Staatskanzlei weiterreicht, die das Rathaus dann um Stellungnahme bittet und entscheidet, ob der Vorschlag an den Bundespräsidenten weitergeleitet wird. Der OB übergibt die Auszeichnung in den unteren Stufen.

(RP)