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Solingen: Düsseldorf wildert auch in Solingen

Solingen : Düsseldorf wildert auch in Solingen

Karl-Udo Jüntgen fiel gestern aus allen Wolken. Von der Imagekampagne der Landeshauptstadt und des Rheinischen Einzelhandels- und Dienstleistungsverbandes (REHDV), die von Oktober bis Dezember in 14 Städten NRWs mit 2000 Plakaten die Shoppingmetropole Düsseldorf bewirbt, erfuhr das Solinger REHDV-Vorstandsmitglied über Umwege: "Wir hatten erst vor kurzem Vorstandssitzung, aber das ist nicht thematisiert worden", ist er empört: "Diese Initiative darf nicht zu unseren Lasten gehen." Er droht an, dass man in Solingen, Remscheid und Wuppertal eventuell sogar werde "Konsequenzen ziehen" müssen.

Außer in Solingen sollen die Plakate – jeweils zehn Tage pro Monat an zentralen Orten – auch in Remscheid, Wuppertal, Duisburg, Mönchengladbach, Krefeld, Neuss, Velbert, Hilden, Erkrath, Mettmann Essen, Oberhausen und Mülheim an der Ruhr aufgehängt werden.

Solingens Oberbürgermeister Franz Haug wird deutlich, was den unverblümten Düsseldorfer Versuch angeht, Kaufkraft aus dem Umland abzuziehen und in die Landeshauptstadt zu lotsen. Der CDU-Politiker hält die neue Werbeoffensive für schlichtweg "unanständig". Solingen stünden pro Jahr lediglich 50 000 Euro für Broschüren und Werbemittel zur Verfügung – während allein die neue Kampagne der reichen Landeshauptstadt insgesamt 200 000 Euro wert ist, 100 000 Euro fließen dabei netto. "Da können wir als arme Stadt nur noch wie das Kaninchen auf die Schlange gucken", sagt Haug im Gespräch mit unserer Zeitung.

Bei mehreren Einzelhandelsverbänden, die von die Kampagne betroffen sein werden, gärt es. Tenor: Man werde vor vollendete Tatsachen gestellt, die Aktion sei schlecht oder gar nicht kommuniziert worden, Düsseldorf werde auf Kosten des Umlandes gestützt.

Erst 2008 war die Fusion zum Rheinisch Einzelhandels- und Dienstleistungsverband mit drei Hauptgeschäftstellen (Düsseldorf, Mönchengladbach und Wuppertal) sowie drei Geschäftsstellen (Solingen, Velbert und Neuss) abgeschlossen. Und da kommt es wie Hohn daher, dass der Slogan des REHDV ausgerechnet "Gemeinsamkeit, die stark macht" heißt. Und weil das nun derzeit gar nicht der Fall ist, hat Jüntgen gestern bei REHDV-Geschäftsführer Peter Achten protestiert: "Ich habe ihm gesagt, dass ich in Solingen kein einziges Plakat hängen sehen will. Wir sind doch ein Verband, da darf sich dieser doch nicht stark machen für eine Stadt."

Und warum dieser Aktionismus? Die Zahl der Besucher aus dem Umland, die in Düsseldorf Geld ausgeben, sinkt. Genaue Zahlen gibt es aber noch nicht. Damit es nicht zu dramatischen Einbrüchen kommt, soll nun gegengesteuert werden.

(RP)