Dürpelfest in Solingen: Ohligser feiern ein „Stück Heimat“

Dürpelfest in Solingen : Ohligser feiern ein „Stück Heimat“

Zehntausende Menschen strömten am Wochenende bei sonnigem Wetter zum „45. Dürpelfest“. Sie genossen Live-Musik, Gaumenfreuden und rasante Karussellfahrten. Zwei langjährige Standbetreiber nahmen Abschied.

Freitag, Feierabend. Das Kribbeln steigt mit jedem Schritt in Richtung Düsseldorfer Straße. Von der Bühne am unteren Ende des Festgeländes dringt schon die rauchige Stimme von Hermann Daun ans Ohr des Besuchers. Auf der Kirmes am Markt wiederum mischen sich vergnügte Schreie in wummernde Bässe: Die Waggons des „Voodoo Jumper“ wirbeln an der typisch exotischen Kulissenwand vorbei. Es duftet nach gebrannten Mandeln. Das Dürpelfest hat gerufen – für drei Tage wird die Ohligser Innenstadt zu Partymeile.

Schon zum Auftakt stürzen sich die Besucher in Feierlaune ins Getümmel. „Das Dürpelfest ist für mich ein Stück Heimat“, schwärmt Miriam Falkenbach, während sie am Bierstand des Bräuhaus auf ihre Freundinnen trifft. An den rund 50 Buden auf der Düsseldorfer Straße und den Nebenstraßen warten Genüsse aller Art auf die Feiernden. Da rinnen kühle Getränke – von Wein über Bier bis zu spritzigen Cocktails – in die Kehlen. Lange Schlangen bilden sich, um auf Pommes, Crepes, Reibekuchen, Champignons, Grillwurst oder Churros zu ergattern. Und vor allem an den Einmündungen in die Nebenstraßen ist in den Abendstunden kaum ein Durchkommen – die 45. Auflage des großen Straßenfestes zieht die Massen an. Zumal in diesem Jahr auch das Wetter mitspielt: Bis auf ein paar Regentröpfchen am Freitagnachmittag bleibt es bei angenehmen Temperaturen trocken, immer wieder lässt sich die Sonne blicken.

„Es war ein lustiger und entspannter Abend“, blickt Sylvia Schott tags drauf zurück. „Ich fange immer oben am Bremsheyplatz an und arbeite mich dann nach unten durch“, verrät sie, während sie ihren Dienst am Getränkestand der veranstaltenden Ohligser Werbe- und Interessengemeinschaft (OWG) versieht. „Bis 15 Uhr helfe ich mit, dann dürple ich selbst weiter“, verrät Schott, die das Fest von Anfang an miterlebte – und vielfach auch an Buden mitarbeitete.

Auf eine lange persönliche Dürpelgeschichte blickt auch Conny Strodtkötter zurück: „Ich war schon als 16-Jährige hier, als die Mods gespielt haben“, erinnert sie sich. 38 Jahre lang empfing sie mit Schwester Heike Berger hungrige Gäste am Stand vor der eigenen Metzgerei. Currywurst, Haxen und Leberkäse erfreuen sich auch diesmal wieder großer Beliebtheit – allerdings zum letzten Mal: Denn die Betreiber der Metzgerei nehmen Abschied vom Dürpelfest. „Die Arbeit ist nicht mehr zu stemmen“, erklärt Conny Strodtkötter. Die vier Kinder der beiden Metzgermeisterinnen helfen stets mit, so auch diesmal. Sie sind aber allesamt beruflich anders orientiert und haben teilweise selbst Nachwuchs. Die Band Alacoustic spielt zum feierlichen Abschluss einer Ära. „Und ich habe schon einige Schultern zum Anlehnen reserviert“, gesteht Conny Strodtkötter, freut sich aber auch auf das andere Dürpelgefühl in der Zukunft. „Ich bin so lange nicht mehr rumgezogen“, erzählt sie.

Gegenüber – und zusätzlich erstmals auch an der Grünstaße – bewirten Uwe Horlacher und das Team vom Debusmann Weinkontor die Gäste. „Vor allem Rosé ging am Freitagabend sehr gut“, erzählt Mitinhaber Gordon Horlacher-Debusmann. Gut angenommen würden auch die Mehrwegbecher, die sich optisch von „echten“ Weingläsern nicht unterscheiden. Zusätzlich zum Glasverbot haben sich die Veranstalter auch den bewussten Umgang mit Bechern und Verpackungen auf die Fahnen geschrieben. „Mensch, Mein Weg – Mehrweg“ ist überall auf Plakaten zu lesen.

Dem ausgelassenen Feiern tut das keinen Abbruch – egal, ob am Bierstand oder vor den fünf Bühnen, an denen die Gäste zu Rock- und Popmusik aller Schattierungen, Reggae oder Funk tanzen. „Es macht immer wieder Spaß“, freut sich Miriam Falkenbach und schiebt hinterher: „Schade ist nur, dass das Wochenende so schnell wieder vorbei ist.“

Hier geht es zur Bilderstrecke: Impressionen vom Dürpelfest 2019