Drohende Schließung der Solinger Eissporthalle für viele überraschend

Zukunft der Solinger Eissporthalle: „Keine Halle – kein Eissport“

Die Eissport treibenden Vereine sind überrascht von den Plänen der Lebenshilfe. Der EC Bergisch Land kritisiert die Hinhalte- taktik der Stadt Solingen.

Die Pläne der Lebenshilfe, die Eissporthalle in der Solinger Innenstadt in etwa drei Jahren abzureißen, um dort neue Werkstätten für Behinderte zu bauen, stoßen bei den Eissport treibenden Vereinen nicht unbedingt auf Gegenliebe. Nach der Berichterstattung in der Solinger Morgenpost am Mittwoch ist insbesondere die Vorsitzende des Eishockey-Clubs EC Bergisch Land, Frauke Rautenberg, total überrascht. Sie hatte noch tags zuvor Kontakt mit der Stadtverwaltung, um nachzuhören, wie es um die Realisierung eines eigenen Eishallenprojekts stehe.

Zur Vorgeschichte: In ihrer Funktion als Vizepräsidentin des Eishockey-Landesverbandes hatte Rautenberg im November 2017 auf einer Messe an einem Workshop teilgenommen, der sich mit dem Sterben kleiner Eishallen beschäftigte. Sie ging danach auf einen Projektbauer zu, der Eissporthallen baut und betreibt. „Wir haben das Projekt im März vergangenen Jahres der Stadtverwaltung vorgestellt – alle waren begeistert“, sagte Frauke Rautenberg.

Die Stadt Solingen sollte laut der Vorsitzenden des EC Bergisch Land drei Grundstücke benennen, auf der eine solche Halle zu einem günstigen Preis realisiert werden könnte. „Der Investor hätte zu 100 Prozent die Finanzierung übernommen und gleichzeitig die Halle betrieben“, sagte Rautenberg.

Alle Beteiligten wussten, dass die Solinger Eissporthalle nicht im besten Zustand ist. Nach dem Treffen zögerte die Stadt indes. Angeboten wurden als Grundstücke die Fläche der Eissporthalle selbst, Fürkeltrath und das Omega-Gelände. „Der Geschäftsführer der Lebenshilfe hat uns aber mitgeteilt, dass die Lebenshilfe kein Interesse habe, das Grundstück zu verkaufen. Die Stadt hat sich offenbar überhaupt nicht mit denen ausgetauscht“, erklärte Frauke Rautenberg.

Sie ist über die Hinhaltetaktik der Stadt mehr als verärgert. „Es wurde auf Zeit gespielt, uns fehlen jetzt zehn Monate“, sagte die Vorsitzende des EC Bergisch Land. In zehn Monaten hätte man bei gutem Verlauf eine Baugenehmigung bekommen können. Die Eissporthalle, so Rautenberg, sei eine der wenigen Begegnungsstätten für Jugendliche und Familien in Solingen. Von daher war es Anliegen des Vereins, eine neue Begegnungsstätte für den Eisport zu realisieren. „Wir werden jetzt schauen, wie es weitergeht“, sagte Rautenberg. „Vielleicht stößt unser Projekt ja in Nachbarstätten auf Interesse“.

Die ganze Vorgehensweise der Stadt findet Rautenberg sehr bedauerlich. Aber auch Stefan Mittelsten Scheid vom Solinger Turnerbund ist traurig, als er von den Plänen der Lebenshilfe und der drohenden Schließung der Eissporthalle erfuhr: Für ihn ist klar: „Keine Eishalle – kein Eissport. Das wäre das Ende unserer Eissport-Aktivitäten“, erklärte Mittelsten Scheid in einer ersten Reaktion.

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Der Vorsitzende des Sportausschusses, Ernst Lauterjung (SPD), rät zunächst „die Verträge genau anzuschauen, unter welchen Bedingungen damals die Eissporthalle von der Stadt an die Lebenshilfe verkauft worden ist“. Lauterjung und die SPD-Fraktionsvorsitzende Iris Preuß-Buchholz sehen für Solingen und die Vereine allerdings „einen großen Verlust“, sollte die Lebenshilfe ihre Pläne umsetzen.

Die Lebenshilfe plant, einen zweistelligen Millionenbetrag auf dem Gelände der Eissporthalle zu investieren, um dort zeitgemäße und auf die Zukunft ausgerichtete Werkstätten zu bauen. Das Areal an der Freiheitstraße könnte für Wohnbebauung genutzt werden. Grund für alle Pläne: Nicht nur die Eissporthalle ist technisch veraltet. Auch die Werkstatt für Behinderte an der Freiheitstraße genügt nicht mehr den heutigen Ansprüchen.

Für den sportpolitischen Sprecher der CDU, Frank Schütz, ist die Eissporthalle ein Alleinstellungsmerkmal im Bergischen Land. Zumal die nächsten Eissporthallen in Düsseldorf zu finden sind. „Viele Eissport begeisterte Menschen kommen wegen der Eissporthalle nach Solingen.“ Der CDU-Politiker findet die Lebenshilfe-Pläne „ein starkes Stück“. „Wir haben die Lebenshilfe seit Jahren unterstützt“, sagte Schütz mit Blick auf die von der Stadt gezahlten Zuschüsse. Es seien von der Lebenshilfe viele Versprechungen gemacht worden, beispielsweise den Bistro-Bereich zu erweitern. Eingehalten worden sei nichts.

Die Frage des Rückkaufs der Eissporthalle stellt sich für die Stadt nicht. Gleichwohl betonte sie am Mittwoch in einer Stellungnahme ihr hohes Interesse daran, langfristig ein Eissportangebot für die Bürger vorzuhalten. Man sei seit Monaten mit der Lebenshilfe im Gespräch. Die Ankündigung, den Betrieb der Eissporthalle zu einem konkreten Termin einzustellen, sei mit diesen Gesprächen nicht verbunden gewesen. Die Lebenshilfe habe hier jedoch betont, dass die Technik in der Eissporthalle völlig veraltet sei und der Betrieb Verluste einfahre.

Überdies bestätigte die städtische Pressestelle Gespräche mit einem Investor und Betreiber von Eissporteinrichtungen. „Diese Sondierungsgespräche haben bisher noch nicht zu konkreten Standortentscheidungen geführt“, heißt es. Noch im Laufe dieses Monats sollen die Gespräche fortgesetzt werden.

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