Solingen: Dreizackwerk feiert 200. Geburtstag

Solingen: Dreizackwerk feiert 200. Geburtstag

Im Lindgesfeld entsteht derzeit mit Werk 3 eine weitere Produktionsstätte des Schneidwarenunternehmens, das in diesem Jahr seit 200 Jahren besteht. Auf der Messe Ambiente in Frankfurt starten die Jubiläumsfeierlichkeiten.

Solingen zählte um 1814 gerade einmal 3200 Einwohner, in der näheren Umgebung lebten rund 16 000 Menschen, und gut ein Viertel davon arbeitete als Klingenschmiede, -härter, -schleifer oder Klingenfeger sowie als Messer- und Scherenmacher. Auch der Schleifermeister Johann Wilhelm Wüsthof, der schon vor 1814 in der Steuerrolle der Gemeinde Höhscheid auftauchte, zählte dazu.

Doch der erste urkundliche Nachweis des heutigen Weltunternehmens Wüsthof Dreizackwerk findet sich im Jahr 1814, als Johann Abraham Wüsthof im Wüsthof's Kotten im Weinsbergtal eine Scherenfabrik betrieb. Mithin wird dieses Jahr als Gründungsjahr in der Chronik des Unternehmens beschrieben. "Wir sind damit eines der ältesten Familienunternehmen, das auch während der gesamten Zeit in Familienführung liegt", sagen Geschäftsführer Harald Wüsthof und seine Cousine Viola Wüsthof. Beide sind die siebte Generation im Dreizackwerk, das den runden Geburtstag nun besonders feiern will. "Wir zelebrieren das Jubiläum das ganze Jahr", kündigt Viola Wüsthof an.

Auftakt ist am kommenden Samstag im Rahmen der Konsumgütermesse Ambiente in Frankfurt. Am Messestand in Halle drei wird mit den Kunden gefeiert, für das Catering sorgt hier die deutsche Nationalmannschaft der Köche, übrigens nicht die einzige Nationalmannschaft von Kochprofis, die mit Wüsthof-Messern ihr Handwerk verrichten. "Es gibt noch acht weitere Teams, die mit unseren Messern arbeiten, darunter die aus Japan, Singapur oder den Niederlanden", sagt Harald Wüsthof.

Mitte März in Chicago, darüber hinaus auf weiteren Auslandsmessen sowie im Herbst mit den Mitarbeitern wird der 200. Geburtstag des Familienunternehmens gefeiert, das seine Waren zu rund 80 Prozent im Ausland verkauft. Wichtigstes Abnehmerland sind nach wie vor die USA, rund jedes zweite in Solingen gefertigte Messer, das im Ausland verkauft wird, findet Käufer in Nordamerika. Wesentlichen Anteil an diesem Wachstum und der internationalen Ausrichtung — 1987 wurde in den USA eine Tochtergesellschaft gegründet — hatte mit Wolfgang Wüsthof die sechste Generation im Familienunternehmen. Er machte aus dem alten Dreizackwerk ein Weltunternehmen, das heute in Solingen 340 Mitarbeiter beschäftigt, in den USA und in Kanada rund 70 Mitarbeiter.

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Auch das Firmenzeichen hat sich im Laufe der Jahre verändert. Waren es anfangs zwei gekreuzte Pfeile, so ist es heute ein weißer Dreizack, von einem Kreis umrandet, auf rotem Hintergrund. 1895 hatte die Familie Wüsthof das Warenzeichen bereits beim Kaiserlichen Patentamt in Berlin eintragen lassen. Das Dreizack-Logo steht weltweit für Design und Exklusivität geschmiedeter Messer made in Solingen. Aber auch die siebte Generation ist nicht müde, das Geschäft weiter auszubauen. Im Lindgesfeld wird gerade Werk 3 gebaut. "Das Dach ist drauf, die Fenster eingebaut", sagt Harald Wüsthof, "in diesem Monat beginnt der Innenausbau." Bereits im April will das Unternehmen den Neubau in Betrieb nehmen, unter anderem werden dort dann gestanzte Messer gefertigt. Investiert wurden für das Neubauprojekt rund drei Millionen Euro. "Und es ist im Lindgesfeld weitere Ausbaureserve vorhanden", sagt Harald Wüsthof.

Zunächst wird aber der Blick zur Messe Ambiente nach Frankfurt gerichtet — Auftakt der Jubiläumsfeierlichkeiten. Präsentiert wird den Kunden aus dem In- und Ausland dort ein Jubiläums-Messerset — ein Koch- und ein Gemüsemesser aus Carbonstahl mit Palisander-Holzgriffen und mit Messingnieten. "Eine schicke Verpackung und eine Pflegeanleitung ist ebenfalls Bestandteil dieses Sets", meint Viola Wüsthof und ergänzt: "Wir wollen damit eine Brücke schlagen zwischen Tradition und Moderne."

Primär als Marketing- denn als Produkt-Jahr will die Unternehmensleitung den 200. Geburtstag begehen. Dazu gehört nicht nur ein neues Ladenbaukonzept, eine neue Website, ein neuer Katalog und unter anderem ein neuer Image-Film des Unternehmens — alles Dinge, die vor 200 Jahren überhaupt keine Rolle spielten, ohne die heute ein alteingesessenes Familienunternehmen aber nicht mehr auskommt, um weiter am Markt zu bestehen.

(RP)
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