Downhill mit dem Mountainbike: Testfahrt auf dem Solinger Klingentrail

Downhill in Solingen : Der Klingentrail macht Lust auf viele Abfahrten

Das ist die Mountainbike-Strecke Klingentrail in Solingen

Auf der öffentlichen Mountainbike-Anlage in Solingen beginnt am 12. Mai die neue Saison. Die Strecke im Bärenloch bietet auf 1536 Metern Herausforderungen, die mit Einweisung und etwas Training auch für einen Anfänger zu schaffen sind.

Der Blick den Berg hinab flößt Respekt ein. Für meine Verhältnisse geht es (zu) steil bergab, auf einem Untergrund, der mit seinem Schotter zudem keine Standfestigkeit garantiert. Ich bremse ab,  bleibe stehen und beobachte auf halber Strecke des Klingentrails von oben, wie Sascha Klaas und Kira Schön mit Leichtigkeit den kurvenreichen und steilen Abschnitt für ein erstes Foto bewältigen.

Mitja Girkin, Vereinskollege der beiden Mountainbiker von Velo Solingen, nickt zustimmend und hat den weisen Ratschlag parat, doch ganz oben auf der Anlage im Bärenloch zu beginnen, um ein Gefühl für die Sportart zu bekommen, die nur wenig mit dem eigentlichen Radfahren gemeinsam hat. Vielleicht hat Girkin auch Angst um den Zustand seines Rads, das er mir für die Testfahrt auf dem so genannten „Flowkey“ zur Verfügung gestellt hat. Die Hauptlinie des Klingentrails ist 950 Meter lang und schlängelt sich über 82 Höhenmeter von ganz oben nach ganz unten den Berg hinab – inklusive zahlreicher Hügel und Kurven.

Zum jetzigen Zeitpunkt möchte ich noch nicht darüber nachdenken, wie es ist, sich auf die Strecke zu begeben. Als leidenschaftlicher Radfahrer toure ich zwar viel durch die Region, aber ausschließlich auf Asphalt oder zumindest gut befestigten Waldwegen, die ins Radwege-Netz integriert sind. Erst einmal geht es darum, sich an ein völlig neues Fahrgefühl zu gewöhnen. Und daran, dass der Sattel nur benutzt wird, wenn es bergauf geht. Anfangs irritiert die extreme Federung. Mehr noch aber das Händeln der Bremsen. Jeweils nur der Zeigefinger liegt auf den Hebeln, der Rest der Hand umklammert den Lenker – was irgendwie Sinn macht, um das Mountainbike im Gelände kontrollieren zu können.

Nach ein paar kleinen Runden auf dem Platz im Startbereich weit oberhalb des angrenzenden Wertstoffhofs und der Kompostierungsanlage Bärenloch bin ich vorbereitet für die „Bergische Aufwärmrunde“. Der Übungsparcours ist gedacht für ein schnelles Aufwärmen vor der Abfahrt – oder eben für Anfänger und die Kleinsten, die mal ein großer Mountainbiker werden wollen.

Bis einschließlich Samstag, 11. Mai, ist der Klingentrail noch gesperrt. Aktuell wird die öffentliche Sportanlage der Stadt Solingen und von Velo Solingen noch von Mitgliedern des Radsportvereins für die zweite Saison hergerichtet. Im Februar wurde damit begonnen, die Schäden des Winters zu beseitigen. „Wir waren positiv überrascht, wie gut sich die Strecke gehalten hat“, sagt Mitja Girkin. Trotzdem mussten rund drei Lkw-Ladungen Erde angeliefert und verbaut werden, um die gesetzten Hügel und Kurvenbereich wieder zu befestigen.

Im ersten Jahr nach der Eröffnung schätzte Velo Solingen als Betreiber des Klingentrails als Spitzenwert mehr als 100 Mountainbiker täglich, die sich den Herausforderungen der Anlage stellten. „Einige bauen einen Besuch in ihre Touren durch die Region ein. Andere kommen aus dem Ruhrgebiet oder den Niederlanden extra für die Strecke nach Solingen, um mehrere Stunden hier zu verbringen“, weiß Kira Schön vom Klingentrail-Team zu berichten. In diesem Sommer soll an einem Wochenende gezählt werden, wie oft der „Flowkey“ gefahren wird.

Neben der blau gekennzeichneten Hauptlinie, die die Profis in knapp 90 Sekunden abfahren, sowie dem Übungsparcours gibt es zwei weitere Abschnitte, die der Streckenbauer Timm Obermann entwickelt hat. Auf der rot markierten „S-Line“ können Fortgeschrittene an abwechslungsreichen Hindernissen Sprünge mittlerer Größe einbauen. Der schwarze Bereich „Skyhigh“ richtet sich ausschließlich an die Profis, die wissen, was sie können.

Auch ich weiß, was ich kann und wage mich nach fünf Runden auf dem Übungsparcours an den Start, um dann das Rad stets mit leicht gehaltener Bremse durch den „Flowkey“ zu steuern. Kira Schön fährt immer wenige Meter vorweg und vermittelt mir so einen Eindruck davon, wie ich welchen Hügel oder welche Kurve angehen soll. „Wir haben bei der Linienführung sehr auf Sicherheit geachtet“, sagt die Mountainbikerin. Tatsächlich fühle ich mich als geübter Radfahrer nicht überfordert, sondern kann mein Gefährt mit voller Konzentration einfach rollen lassen – sogar durch den anfangs so steil erscheinenden Abschnitt.

Wie für jede andere Mountainbike-Strecke gilt auch auf dem Klingentrail die Devise: Erst anschauen. „In den Nutzungsbedingungen wird ausdrücklich darauf hingewiesen, die Strecke erst langsam abzufahren, um jederzeit anhalten zu können“, sagt Mitja Girkin. Zum Sicherheitsaspekt gehört zudem die Helm­pflicht. „Wer hier ohne Helm unterwegs ist, wird sofort von jedem angesprochen, der gerade auf der Strecke unterwegs ist.“ Die Profis tragen ohnehin Fullface-Modelle, Rückenprotektoren, Handschuhe und Schoner an Ellenbogen und Knien, wenn sie ihre spektakulären Sprünge trainieren. Der Strecke verwiesen werden Radfahrer, die nicht mit einem Mountainbike unterwegs oder überfordert sind.

Nach mehreren Zwischenstopps ist für mich nach 950 Metern die erste Testfahrt (ohne Sturz) vorbei – und die Lust auf viele weitere Down­hills geweckt. Wenn da nur nicht der zum Teil steile Anstieg über einen Feldweg zurück zum Startpunkt wäre . . . 

Impressionen vom Klingentrail als
Video im Internet unter
www.rp-online.de/solingen