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Diskussion um 365-Tage-Busticket für Solingen

ÖPNV in Solingen : CDU und Grüne machen Dampf beim Jahresticket

Für 365 Euro 365 Tage Bus fahren: Im VRR existieren entsprechende Ideen. Solingen müsste aber mindestens fünf Millionen mehr ausgeben.

Die meisten Experten sind sich einig. Sollen in Zukunft mehr Menschen das eigene Auto stehenlassen und dafür auf Busse und Bahnen umsteigen, muss der ÖPNV deutlich attraktiver, vor allem aber preisgünstiger werden. Weswegen es nun bei den Fraktionen von CDU und Grünen in der Verbandsversammlung des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) ernste Überlegungen gibt, auch in Solingen ein 365-Tage-Busticket für jedermann einzuführen.

Das haben die beiden Solinger VRR-Vertreter der Parteien, Bernd Krebs und Dietmar Gaida, am Dienstag auf Anfrage bestätigt. „Ein solches Ticket würde 365 Euro kosten und wäre dann das gesamte Jahr gültig“, sagte CDU-Mann Krebs, der wie sein grüner Kollege Gaida zuletzt in Wien die Vorzüge einer dergestalten Jahreskarte unter die Lupe genommen hatte. „Die Wiener Innenstadt ist großteils autofrei“, berichtete Bernd Krebs von seinen Eindrücken aus der österreichischen Bundeshauptstadt, wo das 365-Euro-Jahresabo im Jahr 2012 eingeführt wurde und mittleweile von über 800.000 ÖPNV-Kunden genutzt wird.

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Umsonst ist diese „Revolution“ in Sachen Mobilität indes nicht zu haben. Ganz im Gegenteil: So schießt die Stadt Wien ihrem eigenen Verkehrsunternehmen pro Jahr die astronomisch anmutende Summe von insgesamt einer halben Milliarde Euro zu. Und auch in Solingen würden die Mehrkosten – zusätzlich zum augenblicklich noch gültigen Defizitdeckel in Höhe von neun Millionen Euro – mehr als happig ausfallen.

So kalkuliert der VRR bei einem nur im Stadtgebiet geltenden 365-Tage-Abo mit jährlichen Mindereinnahmen von 5,2 Millionen Euro für die Klingenstadt, die bei einer Ausweitung der Jahreskarte auf das gesamte VRR-Gebiet sogar auf rund acht Millionen Euro steigen würden.

Summen, die in Solingen niemand hat – zumal erst im vergangenen Monat bekannt wurde, dass der besagte Defizitdeckel bei den Verkehrsbetrieben der Stadtwerke Solingen (SWS) in den kommenden zwei Jahren noch einmal um fast eine Million Euro pro Jahr gerissen werden dürfte. Darum sehen die Verkehrspolitiker vor Ort bei der Attraktivierung des ÖPNV hauptsächlich den Bund und das Land in der Pflicht.

Wenn es den Verantwortlichen mit der Verkehrswende ernst sei, müssten deutlich mehr Gelder in die Förderung des Nahverkehrs fließen, sagte Grünen-Politiker Dietmar Gaida am Dienstag. „Es reicht nicht, nur den Bahn-Fernverkehr auszubauen. Wir brauchen überdies ganz dringend große Investitionen im ÖPNV“, betonte Gaida, der von den Bundes- und Landtagsabgeordneten aus der Region entsprechende Anstrengungen verlangte. Einzig auf diese Weise, so Gaida, sei das Ziel erreichbar, bis 2030 spürbar mehr Menschen zum Umstieg auf Busse und Bahnen zu veranlassen.

Tatsächlich sanken die Fahrgastzahlen in den SWS-Bussen im vergangenen Jahr um zwei Prozent. Umso nötiger sei es deshalb, jetzt neue Wege beim ÖPNV einzuschlagen, unterstrich CDU-Planungspolitiker Krebs. Gleichzeitig zeigten sich sowohl der Christdemokrat, als auch Dietmar Gaida optimistisch, dass ein 365-Tage-Ticket für 365 Euro wirkt. Was aber wiederum weitere Investitionen nach sich zöge, etwa für zusätzliche Busse.