Solingen : Diebesgut Kunst

Am Wochenende wurde in ein Fachwerkhaus an der Neuenkamper Straße eingebrochen. Doch nicht auf Schmuck, Wertsachen oder Bargeld hatten es die Diebe abgesehen, sondern auf Bilder des Malers Erwin Bowien (1899 – 1972).

„Wer stiehlt denn so etwas?“ Sichtlich ratlos versucht Ulrike Friedrich einen Grund zu finden, warum die Einbrecher sich gerade das zum Zeitpunkt des Einbruchs leerstehende, recht unscheinbare Fachwerkhaus in Höhscheid für ihren nächtlichen Besuch ausgesucht haben. Zumal es der oder die Einbrecher, so erklärt es Friedrich, nicht auf Bargeld oder Schmuck, sondern einzig und alleine auf Bilder von Erwin Bowien, also auf Kunstwerke, abgesehen hatten.

„Fünf Bilder, darunter auch große Werke, sind gestohlen worden. Einige kleinere Bilder lagen auf einem Tisch aufeinander gestapelt, allerdings hat der Einbrecher diese dann doch nicht mitgenommen“, erklärt das langjährige Vorstandsmitglied des Freundeskreises Erwin Bowien. Den Gesamtwert der fünf Bilder beziffert die Solingerin auf rund 50 000 Euro. Nach erster Übersicht, so Friedrichs, sei außer den Kunstwerken nichts gestohlen worden. Auch sei im Haus nichts verwüstet gewesen. „Nur ein Besteckkasten stand nicht an seinem ursprünglichen Platz. Zwar war er sichtlich durchwühlt, aber ob daraus etwas fehlt, kann ich derzeit noch nicht sagen.“ Die Besitzerin befindet sich derzeit nicht in Solingen.

Friedrich ist überzeugt, dass es der Einbrecher gezielt auf die wertvollen Bilder Erwin Bowiens abgesehen hatte. Die Diebe mussten also gewusst haben, dass es Bilder Bowiens in diesem Haus gab. Was den Täterkreis, so Friedrich, einschränke.

Von der nicht einsehbaren hinteren Seite waren die Einbrecher an das Haus herangekommen, hatten den Gartenzaun aufgeschnitten und ein Fenster des Fachwerkhauses aufgehebelt. Entdeckt wurde der Einbruch durch einen Handwerker, der am Samstagmorgen die Fensterläden des Hauses streichen wollte.

„Die gestohlenen Bilder waren teilweise recht privater Natur.“ Zu verkaufen, so Friedrich, seien diese Bilder Bowiens eigentlich nicht. „Die sind ja recht bekannt und auch im Werkverzeichnis aufgeführt. Von allen gibt es also Abbildungen“, erklärt die ehemalige Schriftführerin des Freundeskreises Bowiens. Ulrike Friedrich sind die gestohlenen Werke bestens vertraut – hat sie doch in langjähriger Arbeit das 1999 zum 100. Geburtstag des Malers veröffentlichte Werkverzeichnis erstellt.

Auch Bettina Heinen-Ayech, Solinger Schülerin und Vorsitzende des Freundeskreises wurde an ihrem zweiten Wohnsitz in Algerien von Friedrich über den Diebstahl informiert. „Bettina ist entsetzt, kann sich nicht erklären, warum jemand die Bilder gestohlen hat.“ Übrigens endete am vergangenen Samstag in der Galerie „liberal“ in der Turmpassage eine große Ausstellung mit Werken Bowiens. Ausgerichtet vom Freundeskreis, der sich seit vielen Jahren die Pflege des Werkes des 1972 verstorbenen Künstlers zur Aufgabe gemacht hat. Bowien hatte lange Jahre in Solingen gelebt und gearbeitet.

(RP)