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Solingen: Diebe brechen Opferstock auf

Solingen : Diebe brechen Opferstock auf

In St. Michael muss das Projekt Offene Kirche aufgrund von Diebstahl und Vandalismus bis auf weiteres ruhen; und die Fatima-Kapelle der katholischen Gemeinde ist nur noch während der Gottesdienstzeiten geöffnet.

Eigentlich sollen Kirchen für Offenheit stehen und jederzeit alle Menschen aufnehmen, die dort einkehren möchten. In St. Michael war dies lange eine Selbstverständlichkeit. Die Fatima-Kapelle der katholischen Kirchengemeinde hatte unter der Woche täglich sogar bis in die Abendstunden geöffnet.

 St. Michael am Schlagbaum: Aufgrund von Diebstahl und Vandalismus stehen die Kirchentüren nicht mehr so uneingeschränkt offen.
St. Michael am Schlagbaum: Aufgrund von Diebstahl und Vandalismus stehen die Kirchentüren nicht mehr so uneingeschränkt offen. Foto: MAK

"Es ist traurig, dass uns die Umstände zwingen, das Projekt Offene Kirche bis auf weiteres aufzugeben", bedauert Bernhard Dobelke, leitender Pfarrer im Pfarrverband Mitte-Nord (MiNor). Der heutige Stadtdechant wurde 2003 zum leitenden Pfarrer in St. Michael und St. Engelbert ernannt und kennt die Kirche genau. "Es gab immer wieder Fälle von Vandalismus und Diebstahlversuche in der Kapelle", schildert er. Deshalb hätte sich der Pfarrverband entschieden, diese nur noch während der Gottesdienstzeiten zu öffnen. Die Entscheidung sei nicht leicht gefallen, jedoch unumgänglich gewesen.

Zum Jahresende fand die Offene Kirche ihr vorläufiges Ende. Im vergangenen Sommer gab es die ersten Diebstahlsversuche in St. Michael: Der oder die Täter hatten versucht, den Opferstock neben den Kerzen für die Besucher des Gotteshauses aufzubrechen.

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"Dort werden Spenden eingeworfen, wenn eine Kerze angezündet wird", erklärt Dobelke. Das Geld dient zur Finanzierung der Lichter. Überschüsse kommen der Gemeindearbeit zugute. Da sich die Menschen oft großzügig zeigten, kämen manchmal nicht unwesentliche Beträge zusammen. "Um das Geld geht es jedoch nicht in erster Linie, sondern wir sind entsetzt über die Kaltschnäuzigkeit, mit der Spendengelder entwendet werden sollten."

Immer wieder gab es nach dem ersten Vorfall in der Kapelle weitere Versuche, den Opferstock aufzubrechen. Zeitweise griff die Gemeinde sogar auf einen stabileren Opferstock zurück, um Aufbruchversuche zu unterbinden. "Erwischt haben wir leider nie jemanden", bedauert Pfarrer Bernhard Dobelke.

Er vermutet, dass die Straftaten gehäuft auftraten, seitdem er Anfang November aus dem Pfarrhaus in St. Michael nach St. Clemens umzog. "Der unbelebte Eindruck, den das Pfarrhaus macht, könnte Täter ermutigen." Nun werde verstärkt auf Sicherheit und Kontrollen geachtet.

Vandalismus ist ein weiteres trauriges Kapitel, das die Solinger Gemeinde zum Umdenken zwang. Einige Male wurde Wachs der Opferkerzen in der Kapelle absichtlich verschüttet. "Dabei gehen wir allerdings von übermütigen jugendlichen Tätern aus, die keine kriminelle Motivation haben", sagt Dobelke. Die Gemeinde reagierte bestürzt auf die Vorfälle und ist traurig, dass die Kirche nun nicht mehr unbeaufsichtigt besucht werden kann. "Wir möchten auf ein Konzept setzen, wie es beispielsweise in St. Clemens existiert." Dort findet die Offene Kirche nur noch unter Beaufsichtigung durch ehrenamtliche Helfer statt.

Leider kein Einzelfall

St. Michael an der Schlagbaumer Straße ist leider kein Einzelfall. Vor wenigen Jahren wurde beispielsweise in St. Suitbertus Weeg die Kirche verwüstet. Zwei Kniebänke wurden abgefackelt, ebenso wie ein kleinerer Tisch mit Pfarrnachrichten im Eingangsbereich. Auf dem Altar wurden Kerzen umgeschmissen, ein Tuch angesteckt und das Mikrofon zerstört. Unbegreiflich, wer so etwas anrichten könne, äußerte sich die Gemeinde damals entsetzt.

Auf Friedhöfen ist Vandalismus ebenfalls mitunter ein Problem. Auch Pflanzendiebstähle kommen vor. Und sogar auf Friedhöfen werden von Metalldieben Vasen und Kerzenständer gestohlen. "Einige schrecken selbst vor der Totenruhe nicht zurück", ist die Polizei empört. Die Täter dürften nur schwer zu ermitteln sein.

(pbm)