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Solingen: Die Wupper – geheimnisvoll wie der Amazonas

Solingen : Die Wupper – geheimnisvoll wie der Amazonas

"Der Film über die Wupper ist von allen meinen Projekten das Größte, gewissermaßen der Höhepunkt!" Das sagt ein Mann, der einst zum Wrack der legendären Titanic im Nordatlantik hinab tauchte und zu dessen "alten Bekannten" mit dem Weißen Hai auch der größte Räuber der Weltmeere zählt. Nach insgesamt 600 Dokumentarfilmen widmete sich der Solinger Unterwasserfilmer Sigurd Tesche zwischen 2007 und 2009 seinem Heimatfluss und nannte das Ergebnis dieser ganz besonderen Expedition "Die Wupper – Amazonas im Bergischen Land".

Das Buch zum Film signierte er jetzt in der Buchhandlung Thalia in der Innenstadt. Während der aufwändigen Dreharbeiten rund um die Wupper begegneten er und sein Team Waschbären, Schwarzstörchen sowie einem Fischadler, der sich allerdings auf der Durchreise befand. Im Abschnitt zwischen Burg und dem Haus Strohn tummelten sich Bachforellen und Äschen, weniger angetan war er hingegen von einer zunehmenden Population amerikanischer Flusskrebse: "Sie vermehren sich schnell und haben die Krebspest eingeschleppt", weiß Tesche, der einst am Schaberg aufwuchs, heute mit seiner Frau in Witzhelden lebt und dieses Jahr seinen 70. Geburtstag feiert.

Auch habe er im Winter an der Wupper "gigantische Bilder" machen können und auf ihrem Boden sogar Grundeis entdeckt. Eine Rarität, die ihm bislang nur beim Filmen von Lachsen in Kanada vor die Kamera kam. Letztere gebe es sogar wieder in der Wupper, die im Laufe der Jahre nach seinen Worten eine Art "Wiedergeburt" erfahren habe. So würden Lachse auf der Suche nach geeigneten Laichplätzen die Qualität eines Flussbetts "erriechen", bevor sie dort ihre Eier ablegten.

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Gründe für die Genesung der "Bergischen Lebensader" liegen laut Sigurd Tesche in ihrem Charakter als Bergfluss, der streckenweise enorm reißend sei. "Als träges Gewässer wäre sie längst verschlammt", weiß Tesche, der sich beim Filmen an besonders reißenden Flussabschnitten mit Seilen und Gewichten gegen gefährliches Abdriften sichern musste. Die besondere Herausforderung des Projekts Wupper lag in ihrer "Verstecktheit", da er sich jeden Drehtag aufs Neue vom Leben im Fluss und an seinen Ufern überraschen lassen musste. Im Gegensatz zu Tauchexpeditionen an bestimmten Stellen vor Südafrika, an denen man "garantiert Weißen Haien begegnet", sei die Wupper mit ihrer 30 Millionen Jahre währenden Entwicklungsgeschichte – analog dem Amazonas – sehr geheimnisvoll.

Eine große Unbekannte. Wer weiß schon, dass sie an einer Stelle zwischen Papiermühle und Müngsten bis zu zehn Meter tief ist? Da ihm die Wupper und seine Bergische Heimat besonders "am Herzen liegen", möchte er ihr irgendwann auch einen Spielfilm, beispielsweise über die Grafen von Berg, widmen.

(RP)