Leerstand in der Solinger Innenstadt: Die Suche nach dem Masterplan City

Leerstand in der Solinger Innenstadt: Die Suche nach dem Masterplan City

In Sachen Rathaus-Anbau zeichnet sich eine Einigung ab. Doch die Innenstadt muss sich als Ganzes neu erfinden. Die Politik fordert angesichts des Leerstandes an der Hauptstraße unkonventionelle Ansätze.

Es ist ein mit Spannung erwartetes Treffen. Am kommenden Mittwoch wird sich Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) auf für ihn ungewohntes Terrain begeben. Ab 19 Uhr wird das Stadtoberhaupt bei der Ratsfraktion der CDU zu Gast sein - wobei ausschließlich ein Punkt auf der Tagesordnung stehen dürfte.

Der OB hat vor, bei den Christdemokraten für das Projekt Rathaus-Anbau zu werben. Die Stadt will bis zum Jahr 2021 an der Potsdamer Straße ein neues Verwaltungsgebäude für 8,8 Millionen Euro errichten. Und nachdem bei einem Workshop zum selben Thema zuletzt unter anderem bei der CDU noch eine Reihe von Fragen offengeblieben war, liegen die Chancen mittlerweile besser, dass es zu einer Annäherung kommt.

Der Grund: In den zurückliegenden Tagen wurde die Vorlage zum Rathausanbau dahingehend ergänzt, dass nun auch andere Liegenschaften wie etwa die fast in Gänze leerstehenden Clemens-Galerien auf ihre Eignung für Verwaltungsarbeitsplätze untersucht wurden. Zwar betonte der zuständige Stadtdirektor Hartmut Hoferichter gestern auf Anfrage unserer Redaktion, sämtliche weitere Objekte kämen demnach nicht infrage. Gleichzeitig entsprach die Stadt auf diese Weise jedoch dem Wunsch der Union, das Projekt Rathaus-Erweiterung in einen größeren Kontext einzubinden.

"Das ist aus unserer Sicht dringend notwendig", bekräftigte der Vorsitzende des Planungsausschusses, Bernd Krebs (CDU), am Freitag noch einmal die Auffassung seiner Partei. Denn die CDU, aber auch die Linke sowie die Grünen glauben, dass die Solinger City in den kommenden Jahren vor gewaltigen Umwälzungen stehen wird, die ihr heutiges Erscheinungsbild wiederum nachhaltig verändern werden.

Gerade die Hauptstraße könnte dann kaum wiederzuerkennen sein. Dort, wo heute nämlich noch Geschäfte liegen oder Leerstand klafft, wäre nach dem Dafürhalten vieler in Politik und Verwaltung später einmal ein Mix aus Wohnen, Dienstleistungen sowie Freizeit denkbar. Im Rahmen des Konzeptes "City 2030" hat die Stadt schon vor einigen Monaten damit begonnen, die ersten Schritte in diese Richtung zu gehen - was aus Sicht der Verantwortlichen indes erst ein Anfang sein kann.

Denn es gilt, die unterschiedlichen Akteure in ein gemeinsames Boot zu holen. Darum wird es voraussichtlich im April einen weiteren Workshop unter anderem mit den Hauseigentümern geben. Und parallel arbeiten Experten für Handel beziehungsweise Stadtentwicklung an einem möglichst weitgefassten Masterplan für City und Hauptstraße.

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Die ersten Erfahrungen, etwa mit den Immobilieneignern, seien durchaus vielversprechend gewesen, betonte jetzt noch einmal Stadtdirektor Hoferichter. Das heißt allerdings nicht automatisch, dass damit schon etwas entschieden wäre - sehen Fachleute doch bei der Umsetzung noch einige Probleme.

So versteht Immobilienmakler Olaf Jansen den Leerstand an der Hauptstraße, der inklusive des Bachtorcenters momentan 24 Ladenlokale umfasst, nicht allein als "ein Solinger Phänomen". Vielmehr, so Jansen, handele es sich um eine strukturelle Schieflage, die die Klingenstadt mit vergleichbaren Kommunen teile. Der stationäre Einzelhandel habe immer stärker mit der Online-Konkurrenz zu kämpfen, ohne dass die großteils noch aus den 50er und 60er Jahren stammenden Geschäfte der Hauptstraße noch zeitgemäß wären. Parallel ist laut Olaf Jansen aber auch die Umwandlung in Wohnungen nicht so einfach möglich, da speziell im unteren Teil der Fußgängerzone Gegebenheiten wie eine fehlende Südausrichtung etlicher Häuser attraktiver Wohnbebauung im Wege stehen.

Umso dringender erscheint der Politik ein großer Wurf. "Wir müssen neu denken. Zum Beispiel darüber, die Hauptstraße parkähnlicher zu machen", sagte CDU-Mann Krebs, der zudem - abseits aller Rathauspläne - anmahnte, die Clemens-Galerien wieder verstärkt in den Blick zu nehmen.

Dort gibt es nach Informationen unserer Redaktion seit neuestem einen Interessenten aus dem Bereich Drogerie, der DM ersetzen könnte. Was aus Sicht von Bernd Krebs jedoch nicht reicht. "Für die Galerien müssen auch gastronomische Angebote her", forderte der Chef des Planungsausschusses. Denn nur so schaffe man eine Lebensqualität, die Menschen anziehe.

Krebs rechnet damit, dass die nächsten Schritte für den Rathaus-Anbau im Rahmen eines Grundsatzbeschlusses vor der Sommerpause in Angriff genommen werden. Dann könnten die Planungen konkretisiert werden. Zeitgleich wäre der Prozess an der Hauptstraße und der gesamten City voranzutreiben. "Wir benötigen auf jeden Fall unkonventionelle Lösungen", stellte Krebs klar.

(or)