Die Rückkehr der Radrennbahn in Solingen-Dorperhof

Steherrennen haben in Solingen Tradition : Auf der Radrennbahn geht’s wieder rund

Seit der Wuppertaler Radclub Musketier auf der Betonpiste in Dorperhof aktiv ist, kommt die alte Bahn wieder in Schwung. Ende September soll es neben den NRW-Landesmeisterschaften für die Jugend wieder Steher-Rennen geben.

Am Startpunkt ist die Steigung der Betonradbahn in Dorperhof noch nicht zu groß. Ich fahre etwas unbeeindruckt los. Und brauche nur wenige Meter, um meinen Fehler einzusehen. Es ist doch ganz schön steil. Schon bei der ersten Kurve komme ich lieber runter von der Bahn und fahre den flachen äußeren Ring entlang. Gut, dass ich mir einen Helm geliehen habe.

Ich bin froh, dass ich für meine erste Fahrt auf einer Radrennbahn ausgerechnet in Dorperhof bin und nicht auf einer der Holzbahnen, wie es sie etwa in Köln oder Büttgen gibt. „Holz ist viel schneller, und meist sind die Bahnen auch steiler“, sagt Markus Zaremba vom Radclub Musketier Wuppertal. Sein Verein ist einer von vier, die die Bahn nutzen. Die Piste in Dorperhof hat eine Neigung von etwa 28 Grad, bei der Holzbahn in Bremen sind es 51. „Da bleibt man in der Kurve nicht stehen“, sagt Zaremba.

Dass die Bahn in Dorperhof meinen Sturz vom Rad unwahrscheinlicher macht, ist nicht der einzige Grund zur Freude. „Ein Juwel ist sie“, sagt der 46-Jährige immer wieder über die Piste. Und das nicht nur, weil er schon als Jugendlicher darauf gefahren ist. Der 1947 erbaute Betonring ist eine Seltenheit für Deutschland. Das liegt nicht nur an seinem Belag, sondern auch daran, dass dort die Tradition der Steherrennen noch hochgehalten wird.

Markus Zaremba vom Rad Club Musketier Wuppertal auf der Radrennbahn Dorper Hof. Foto: Stephan Köhlen

„Viele denken, dass der Sport so heißt, weil der Schrittmacher auf seinem Motorrad steht und nicht sitzt“ sagt Zaremba. Schrittmacher, Motorrad, Steherrennen? Für viele durfte nicht nur der Ursprung des Begriffs, sondern auch die Sportart an sich eher unbekannt sein. Beginnen wir also lieber von vorn.

Steher-Sport ist eine Disziplin, zu der immer zwei gehören: Vor jedem Rad fährt auf der steilen Rennbahn einer auf dem Motorrad. So kann der Radler den Windschatten nutzen und noch schneller über die Kurven flitzen. Profis schaffen einen Schnitt von 80 Kilometer die Stunde – und das teilweise über Strecken von bis zu 100 Kilometern. Womit wir wieder bei dem Ursprung für den Namen der Disziplin wären. Steher sind nämlich nicht die auf dem Motorrad (obwohl sie zugegebenermaßen stehen und nicht sitzen), sondern die auf dem Rad. „Weil sie über ein sehr großes Stehvermögen verfügen müssen“, erklärt Zaremba.

Um Stürze der Steher zu vermeiden, ist am hinteren Ende der Motorräder eine Rolle angebracht. Foto: Viktor Marinov

Dass er selbst jede Menge Geduld und Durchsetzungsfähigkeit besitzt, hat Zaremba als Vorsitzender des Wuppertaler Clubs schon bewiesen. Am ersten Januar 2016 unterschrieb er einen Pflege- und Nutzungsvertrag für die Bahn mit der Stadt Solingen. Damals war die Bahn stark renovierungsbedürftig. Es hatte seit längerer Zeit keine Veranstaltungen mehr gegeben, geschweige denn Steherrennen.

Drei Jahre und acht Monate danach scheint das längst vergessen. Solingen investierte Geld in die Rennbahn, mit vielen Helfern wurde die Anlage wieder auf Vordermann gebracht. Jeden Mittwoch trainieren die Musketiere dort, 2018 fand das erste „Jugend-Omnium“ mit verschiedenen Disziplinen statt. Für den 22. September, ist die NRW-Landesmeisterschaft der Jugend in Dorperhof geplant. „Ich habe einfach den Landesverband angeschrieben, die haben sofort ja gesagt“, so Zaremba. An dem Sonntag soll es nach der langen Pause wieder ein Steherrennen geben, welches die Musketiere organisieren.

Profis Gerrit Bredtmann und Andreas Marschall vom RC Musketier sind geübt auf der Betonpiste. Foto: Viktor Marinov

Den Lob gebührt aber nicht ihm allein, betont Zaremba. Die rund 115 Mitglieder seien sehr aktiv und immer hilfsbereit. Eine Veranstaltung wie die Jugend-Landesmeisterschaft wäre anders nicht zu stemmen. Obwohl der Verein aus Wuppertal kommt, kann er auf einen großen Erfahrungsschatz mit der Rennbahn zurückgreifen. Viele der Mitglieder waren früher beim Solinger RC Schwalbe – der Club, dessen Mitglieder die Bahn einst in Eigenarbeit als Aschepiste erbauten.

Auch wenn es in Dorperhof demnächst wieder Steherrennen gibt, bin ich wohl erstmal nur als Zuschauer dabei. „In zehn Minuten haben Sie das drauf“, versichert mir Zaremba. Nach der dritten Umkreisung der Bahn weiß ich nicht so recht, ob das ernst gemeint war. Immer wieder wird es für mich in den Kurven zu steil, während ein Profi hoch und runter über den Beton flitzt. Gut, dass er einen Helm hat, denke ich mir.

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