Solingen: Die Region will EU-Töpfe anzapfen

Solingen : Die Region will EU-Töpfe anzapfen

Als strukturschwache Region ist das bergische Städtedreieck auf Förderung angewiesen. Eine Milliarde Euro hält die Europäische Union ab 2014 für NRW bereit. Erstmals bewerben sich die drei bergischen Städte gemeinsam.

Beim Blick auf die nackten Zahlen ist längst nicht mehr das Ruhrgebiet, sondern das Bergische Land das "Palermo" in NRW. Die Arbeitslosigkeit ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen, die Menschen, vor allem die jungen, wandern ab. So stieg die Zahl der Arbeitslosen im Bergischen Städtedreieck von knapp 20 000 im Jahr 1992 auf 32 500 in 2012, dies entspricht einem Anstieg von 68 Prozent. Im gleichen Zeitraum hatte NRW einen Zuwachs an Arbeitslosigkeit von 31 Prozent und das Ruhrgebiet von 28 Prozent zu verzeichnen. Ende 2011 leben im Städtedreieck rund 618 800 Menschen, die Prognose des Statistischen Landesamts für das Jahr 2020 geht von einem weiteren Rückgang auf 601 500 aus.

Andererseits hat das Bergische Land weiterhin eine starke Industrie mit 36 000 Unternehmen unter dem Dach der IHK. 36 Prozent gehören zum verarbeitenden Gewerbe. Der NRW-Durchschnitt beträgt 30 Prozent.

Beim jüngsten Neujahrsempfang der IHK in der Wuppertaler Stadthalle ermutigte NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin die bergischen Städte und Unternehmen, mit Hilfe von EU-Fördermitteln den dringend nötigen Strukturwandel zu beschleunigen. Für die neue Förderphase ab 2014 ("Ziel 2") gibt es einiges zu verteilen. Auf eine Milliarde Euro bezifferte der Minister den EU-Fördertopf für NRW.

Die Bewerbung um das Geld läuft bereits. Im Sommer reichten die drei bergischen Städte mit sieben weiteren Institutionen ein gemeinsames Positionspapier beim Wirtschaftsministerium ein. "Das ist einzigartig in NRW", sagt Bodo Middeldorf, Chef der Bergischen Entwicklungsagentur (BEA). Die von den drei Städten betriebene Agentur ist Spezialist beim Einwerben von Fördermitteln und federführend bei der Bewerbung.

Beim IHK-Empfang hatte der Wirtschaftsminister klargestellt, dass es auch bei der EU-Förderung keine regionale Quoten, sondern einen freien Wettbewerb der Ideen geben soll. Gleichzeitig lobte Duin die bergische Bewerbung wegen ihres kooperativen Ansatzes. Für Projekte solcher Ausprägung solle es eigene und somit günstigere Förderbedingungen geben.

Das 35 Seiten starke Positionspapier der bergischen Städte nennt folgende Schwerpunkte einer möglichen EU-Förderung:

Firmen der Region sollen ihre Ressourcen besser nutzen und so ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern. Das betrifft etwa Produktionsprozesse oder auch die Gebäudesanierung. Die bereits erfolgte Gründung der Bergischen Gesellschaft für Ressorcheneffizienz mit dem Schwerpunkt der Unternehmensberatung weist in diese Richtung. In diesen Zusammenhang gehört auch die vermehrte Nutzung und der Ausbau Erneuerbarer Energien.

Dem Fachkräftemangel soll auf breiter Ebene begegnet werden. Er betrifft vor allem die kleinen und mittleren Unternehmen. "Unternehmen müssen mithin dazu bewegt werden, ältere Arbeitnehmer bei ihren Personalplanungen systematisch in den Fokus zu nehmen", heißt es in dem Papier.

Gerade in einer alternden Gesellschaft werden Gesundheitsdienstleistungen immer häufiger nachgefragt. Diese Entwicklung will die Region durch den Aufbau neuer Angebote nutzen. Ebenso soll Gesundheitsvorsorge innerhalb der Unternehmen eine größere Rolle spielen.

Ein Schwerpunkt soll "die Anpassung bestehender Gewerbegebiete an künftige Anforderungen" sein, da das Bergische Land nicht über großflächige neue Gewerbeflächen verfügt.

Angebote für den Fremdenverkehr sollen ausgebaut werden. Ansatzpunkte sind die bergische Industriekultur sowie die Verbesserung der Infrastruktur an Schwerpunktstandorten, wie der Brückenpark Müngsten und Schloss Burg, überregionale Wege für Wanderer und Radfahrer, ein gemeinsames Marketing und touristische Netzwerke.

(RP/rl)
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