Die Rathaus-Pläne der Stadt Solingen

Rathaus-Pläne der Stadt Solingen : Ungewisse Zukunft für die Bonner Straße

Eine Entscheidung über die städtischen Standorte fällt erst nach der Wahl 2020. Am Ende könnte auch eine Aufgabe des Verwaltungsbaus in Ohligs stehen. Denn die Stadt braucht weniger Personal.

Schon seit vielen Jahren gehört die städtische Kernverwaltung zu den größten Arbeitgebern in der Klingenstadt. Aber wo genau die Beamten und Angestellten in Zukunft ihre Schreibtische stehen haben und in welcher Form sie später arbeiten werden, bleibt bis auf Weiteres offen. Denn nachdem das Thema einer möglichen Konzentration der Verwaltung im vergangenen Jahr über Monate für etliche Schlagzeilen und politische Diskussionen gesorgt hatte, steht nun fest, dass bis kommendes Jahr keine Entscheidung über die städtischen Standorte fallen wird.

Dies ist das Ergebnis eines Workshops, zu dem sich die Rathausspitze und Vertreter aus der Solinger Politik in der zurückliegenden Woche getroffen haben. Demnach soll ein endgültiger Beschluss erst nach den Kommunalwahlen 2020 gefasst werden – weil unter anderem zuvor die Frage abschließend zu klären sein wird, wie viele Mitarbeiter mittel- bis langfristig überhaupt noch bei der Stadt in Lohn und Brot stehen werden.

So deuten die neuesten Schätzungen darauf hin, dass die Verwaltung zukünftig mit erheblich weniger Personal auskommt, als bislang angenommen worden war. Homeoffice-Arbeitsplätze und Telearbeit könnten nämlich auch in der Solinger Stadtverwaltung den Büro-Alltag nach und nach spürbar verändern. Was allerdings wiederum einige Folgen für den Raumbedarf sowie für die städtische Standortstrategie hätte.

Diese hatte lange Zeit vorgesehen, die Arbeitsplätze vor allem im Rathaus Cronenberger Straße in Mitte sowie im Verwaltungsgebäude Bonner Straße in Ohligs zu bündeln. Weswegen die Überlegungen seitens der Stadt im vergangenen Jahr – nach zuerst ins Gespräch gebrachten Anbauplänen für Mitte – phasenweise dahin gegangen waren, die mittlerweile in die Jahre gekommene Ohligser Dependance einer grundlegenden Sanierung zu unterziehen.

Indes war eine solche Idee innerhalb der Politik nicht nur auf Gegenliebe gestoßen. Im Gegenteil: Beispielsweise wurden die geschätzten Kosten von rund 20 Millionen Euro als zu hoch erachtet, so dass im Herbst 2018 zunächst entschieden wurde, die Grundsanierung des Verwaltungsgebäudes Bonner Straße nach hinten zu stellen. Stattdessen werden nur noch die notwendigsten Reparaturarbeiten an dem Bau durchgeführt.

Daran hat sich bis zum heutigen Tag nichts geändert. „Im Haushalt sind dafür 500.000 Euro vorgesehen“, sagte jetzt noch einmal Stadtkämmerer Ralf Weeke (SPD), der am Mittwoch parallel betonte, am Ende gebe es drei mögliche Zukunftsszenarien. Weeke: „Entweder wird die Bonner Straße saniert. Oder es kommt ein Anbau am Rathaus Mitte. Oder man lässt alles so, wie es ist. Aber das wäre gewiss die teuerste Option.“

Vor einem endgültigen Beschluss in der nächsten Ratsperiode ab Ende 2020 gelte es – wie bei dem Workshop in der zurückliegenden Woche verabredet – nun, weitere Prüfaufträge abzuarbeiten. Wobei an deren Ende, so erklärte der ­Kämmerer weiter, auch eine Aufgabe des Standortes Bonner Straße stehen könnte.

Das mehrgeschossige Beton-Gebäude am Rande der Ohligser Heide war Ende der 90er Jahre von der Stadt Solingen geleast worden. Im Jahr 2014 ging die Immobilie, die aus den 60er Jahren stammt, dann an die Kommune über. „Dies war preisgünstiger als die bis dahin geltende Regelung“, unterstrich Stadtkämmerer Ralf Weeke, der im Übrigen selbst sein Büro ebenfalls an der Bonner Straße hat.