Solingen: Die letzte Videothek

Solingen : Die letzte Videothek

An der Beethovenstraße verleiht Konstantinos Georgoulidis DVDs, Blue-Rays und Konsolenspiele - noch.

Die Älteren werden sich noch daran erinnern: Fieberhaft wartete man darauf, einen gerade erschienen Film aus seiner Stammvideothek zu entleihen. Dann die Enttäuschung: Alle 35 Kopien waren bereits vergriffen. Also wurde gewartet - bis jemand die gesuchte Perle zurückbrachte. In den 1980er und 1990er Jahren war das, zur Zeit der Videokassette, die Blütezeit von Videotheken.

Konstantinos Georgoulidis war damals schon dabei. 1982 eröffnete der gebürtige Grieche seine erste Videothek in Düsseldorf. "Die Leute standen teilweise bis zur Tür Schlange. Und sie haben nicht einmal auf einen bestimmten Film gewartet. Sie haben darauf gewartet, dass jemand irgendeinen Film zurückbringt. Egal was", erinnert sich der 61-Jährige.

35 Jahre später in Solingen haben sich die Zeiten geändert. Die Leute rennen Videotheken nicht mehr die Türen ein. Dank schneller Internetleitungen streamen sie jeden gewünschten Inhalt direkt auf den Fernseher - ohne das Haus vorher verlassen zu müssen. Die Vorteile liegen auf der Hand.

Doch Georgoulidis hat Durchhaltevermögen bewiesen. Er betreibt mit seiner Frau Tatiana Cocea an der Beethovenstraße den "MediaStar", die letzte Videothek in Solingen. Wer den Laden betritt, spürt es sofort: Hier ist es noch da, dieses nostalgische Gefühl. Zwar stehen keine Videokassetten mehr in den Regalen, sondern DVDs und Blue-Rays. Die Auswahl ist gigantisch - und man wird geradezu eingeladen, durch das Angebot zu stöbern.

"Dass wir nicht aufgegeben haben, hat sich ausgezahlt", versichert Georgoulidis. "Mit jeder Videothek, die in Solingen zugemacht hat, haben wir Kunden hinzugewonnen und so die abebbende Nachfrage ein wenig ausgeglichen." An einem Mittwoch entleiht der Videothekar etwa 50 bis 60 Titel. Am besten Tag der Woche, der Samstag, sind es etwas mehr als doppelt so viele. "Natürlich würden wir uns über einen Aufschwung freuen, aber damit sind wir derzeit zufrieden."

Damit das Konzept aufgeht, musste Georgoulidis in den vergangenen Jahren immer wieder improvisieren: "Wir haben mittlerweile gar kein Personal mehr und die Öffnungszeiten etwas eingeschränkt." Zwischen 11 und 22 Uhr stehen nur noch seine Frau und er im Laden. Das Geschäft ist insofern ein reiner Familienbetrieb geworden. "Die Ausleihen werden jedes Jahr etwas weniger. Eine Entwicklung, die man wohl nicht komplett aufhalten kann." Begonnen hat die Krise bereits Anfang der 2000er Jahre. "Damals war es die Verbreitung von Raubkopien, die den Videotheken zu Schaffen gemacht hat."

Seitdem hat sich für Konstantinos Georgoulidis viel verändert. Im August 2007 zog er mit seinen beiden kleinen Solinger Videotheken zum jetzigen Standort, um eine große daraus zu machen. Aus dem "VideoStar" wurde der "MediaStar", weil Kunden längst nicht mehr nur Filme entleihen. "Konsolen-Spiele, insbesondere Playstation, haben uns sehr geholfen. Ich schätze, derzeit geht 20 Prozent des Umsatzes auf deren Entleihen."

Und der Solinger setzt zudem immer wieder auf neue Medien. Seit einem Jahr gibt es die sogenannte Ultra HD Blue-Ray. "In dieser Qualität kann man kaum streamen, so dass wir die ins Programm genommen haben. Ich bin überrascht, wie gut sie läuft."

Trotzdem weiß Georgoulidis, dass das Geschäft nicht ewig weitergeht: "Die Leute sind bequem geworden. Das wird sich nicht ändern. Aber ich bin jetzt 61 Jahre alt. Wenn es noch drei, vier Jahre hier weiterläuft, bin ich zufrieden." Sein 40-jähriges Berufsjubiläum könnte Solingens letzter Videothekar also noch schaffen.

(RP)
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