Müngstener Brücke zwischen Solingen und Remscheid „Der Goldene Niet ist eine Legende"

Solingen · Elsa Böhm, Kioskbesitzerin aus Müngsten, hat alles über die Müngstener Brücke gesammelt. Dass in Deutschlands höchster Eisenbahnbrücke ein Goldstück zu finden ist, hält sie für eine erfundene Geschichte.

Elsa Böhms betreibt den Kiosk im Müngstener Brückenpark.

Elsa Böhms betreibt den Kiosk im Müngstener Brückenpark.

Foto: Anja Tinter

Mit einem Schmunzeln auf den Lippen nimmt Elsa Böhm die Begeisterung über vermeintliche Belege für die Existenz eines goldenen Niets in der Müngstener Brücke zur Kenntnis. Sie glaubt nicht, dass an der Legende irgend etwas Wahres dran ist. Die 75-Jährige betreibt seit 1969 den Kiosk und die Minigolf-Anlage unter Deutschlands höchster Eisenbahnbrücke und ist vielen Besuchern als die "gute Seele von Müngsten" bekannt.

"Die Brücke ist im Laufe der Jahrzehnte zu einer guten Freundin geworden", sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. An manchen Tagen können Gäste am Zaun des Kiosks eine beeindruckende Kollage von Fotos und Unterlagen zur Müngstener Brücke bestaunen. Elsa Böhm verfügt über ein beeindruckendes Privatarchiv mit Bildern, Bauplänen und Textdokumenten. Dazu zählen sechs komplette Zeitschriftenausgaben des Vereins Deutscher Ingenieure, die in den Jahren 1894 bis 1897 veröffentlicht wurden. Aus dem Archiv der Firma MAN, die die Brücke einst konstruierte, besitzt sie viele Unterlagen, darunter auch Dokumente des Erbauers Anton von Rieppel. Renovierungsarbeiten bis in die frühen 1960er Jahre sind ebenfalls in Elsa Böhms Alben vermerkt. Es scheint, als gäbe es überhaupt kein Material über die "Eiserne Lady", wie sie die Brücke nennt, das nicht im Besitz der engagierten Heimatforscherin ist. Bereits 2009 verfasste Böhm ein Essay zum Thema "Goldener Niet". Sie zitiert darin aus der Rede anlässlich der letzten Schlussnietung: "Der letzte Niet müsste eigentlich aus Gold sein für diese Pionier-Ingenieurleistung."

Schutz der Brücke ist ihr wichtig

Wichtig ist für Elsa Böhm nicht, ob das berühmte Verbindungselement wirklich existiert, sondern dass die Brücke und die Landschaft um sie herum geschützt werden. Über Jahrzehnte hinweg erwies sich Böhm als kritische Bürgerin, "wenn es um das Wohl der Heimat geht". So kämpfte sie zum Beispiel erfolgreich gegen eine geplante Mülldeponie im Windfelner Bachtal und für die Erhaltung der dortigen Flora und Fauna. 1983 erhielt sie den Solinger Umweltpreis, acht Jahre später wurde sie sogar auf europäischer Ebene für ihr unermüdliches Engagement für die Natur ausgezeichnet.

Von Anfang an war die 75-Jährige eine erklärte Gegnerin des Müngstener Brückenparks. An dieser Haltung hat sich bis heute nichts geändert. Durch die veränderten ökologischen Gegebenheiten am Wupperufer im Zuge der Baumaßnahmen seien viele Tiere unwiderruflich aus dem Gelände verschwunden. "Ich denke noch gern an die Zeiten, als noch der Bussard über dem Tal kreiste", erinnert sie sich wehmütig. Unabhängig von allen Debatten über die Planungen in Müngsten und den "Goldenen Niet" hat für Elsa Böhm ein Mundartspruch immer noch Bestand, den sie einst in einem Gedicht über die Müngstener Brücke formulierte: "Du bös un bliffs en Meisterstöck."

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort