Solingen: Die Krux mit den Brücken

Solingen : Die Krux mit den Brücken

In der Siedlung Holunderweg in Ohligs hat sich seit dem Abriss der Eisenbahnbrücke das Leben der Anwohner verändert. Der Hofschaft Horn steht Ähnliches bevor. Andere Bauwerke können dagegen gerettet werden.

Seit Herbst letzten Jahres gibt es die Brücke nicht mehr, die in Ohligs vom Holunderweg über die Eisenbahnlinie hinüber zum Hackhauser Wald führte. Trotz heftigen Protests der Anwohner wurde die Brücke abgerissen, das Geld für eine Sanierung war nicht da. Nun müssen längere Wege in Kauf genommen werden. Eine Viertelstunde koste der Umweg, erzählt Gertrud Glombik beim jüngsten Sommerfest der Siedlergemeinschaft Holunderweg. Für viele sei das nicht tragbar.

So wie für Birgit Pfannkuchen. Sie arbeitet in der St. Lukas Klinik und ist ihren Weg zur Arbeit immer zu Fuß gegangen. Jetzt benötige sie täglich eine halbe Stunde länger. Das sei nach einer anstrengenden 24-Stunden-Schicht zu viel. "Ich fahre jetzt meistens mit dem Auto", gibt sie zu. Auch für die älteren Anwohner, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, sei ein Spaziergang in den Wald kaum mehr möglich. Oder der Gang zum Friedhof.

"Die Nachbarn vom Buchweizenberg sieht man überhaupt nicht mehr", bedauert Gudrun Neumann, Vorsitzende der Siedlergemeinschaft. Ihr fehlt die Brücke ebenfalls. Manchmal, erzählt sie, komme sie aus der Stadt zurück und merke dann, dass sie auf dem falschen Weg sei. "Auch bei so einem Fest war die Verbindung wichtig", sagt Neumann. Sonntags sei immer viel los gewesen im Holunderweg. Jogger, Hundebesitzer, Spaziergänger — sie alle blieben nun weg. Selbst die Anwohner nutzten dieses Gebiet nicht mehr. "Es ist für uns eine tote Ecke geworden", bedauert Horst Neumann.

Die Anwohner befürchten sogar, dass irgendwann ein Unfall passiert, denn so mancher überquere die Bahngleise nun einfach zu Fuß. "Im Winter konnte man die Fußspuren im Schnee sehen", erinnert sich Birgit Pfannkuchen. Auch der alte Tunnel am Pohligshof, der von der Stadt nun als Alternative gedacht sei, werde nicht gern benutzt. "Der ist nicht mal beleuchtet", sagt Gudrun Henrich, die immer mit ihrem Australien Shepherd unterwegs ist. Selbst mit dem Hund wagt sie sich nicht durch den Tunnel. Und da ist sie nicht allein. "Ich würde da abends auch nicht langgehen", gibt Gertrud Glombik zu. "Die Brücke war hier ein Stück Heimat."

Aus Sicht der Stadt ist dagegen jetzt Ruhe eingekehrt am Holunderweg. "Die neuen Fußgängerwege sind wie zugesagt hergerichtet worden", sagt Stadtsprecher Lutz Peters. Beschwerden seitens der Bürger seien bei der Stadt in jüngster Zeit nicht mehr eingegangen.

(RP)