Ansichtssache: Die Innenstadt wird ihr Gesicht gewaltig verändern

Ansichtssache : Die Innenstadt wird ihr Gesicht gewaltig verändern

Egal, ob man es mag oder nicht: In einigen Jahren wird man Teile der City kaum noch erkennen. Mit dem Hofgarten hat das alles nichts zu tun.

Kommt die Diskussion auf die Probleme, die Solingen im City-Bereich hat, kann man die Uhr danach stellen. Irgendwann fällt das Wort Hofgarten - wobei sich viele in den sozialen Netzwerken sicher zu sein glauben, dass mit dem Einkaufscenter am Neumarkt das ganze Elend begonnen hat.

Der Hofgarten soll schuld sein an der Verödung, die nun schon seit Jahren an etlichen Stellen zu beobachten ist. Auch das Fiasko der Clemens-Galerien geht nach einer solchen Lesart auf das Konto der 2013 eröffneten Mall. Denn schließlich sind ja in der Tat inzwischen einige Geschäfte in den Hofgarten gezogen, die früher einmal in den Galerien ihren Standort hatten.

Das Problem an dieser Argumentation besteht indes darin, dass sie durch noch so häufiges Wiederholen nicht schlüssig wird. Zur Erinnerung: Der Hofgarten bestand bereits einige Zeit, als ein Investor aus Berlin 2016 fast allen Mietern in den Galerien kündigte, um an gleicher Stelle ein Outlet aufzuziehen. Ein fataler Fehler, wie wir heute wissen. Die Outlet-Träume platzten. Nur mit den Folgen wird sich Solingen noch lange herumschlagen müssen. Seinerzeit wurde nämlich ein wenn auch nicht tolles, so doch funktionierendes Center plattgemacht.

Mit dem Hofgarten hat das alles nichts zu tun. Und überhaupt: Was wäre denn nach dem Ende von Karstadt vor nunmehr fast zehn Jahren die Alternative gewesen ? Die Ruine stehenlassen ? Oder einen Parkplatz bauen ? Das kann doch ernsthaft niemand meinen. Es stimmt, der Hofgarten hat - jenseits der Galerien - Kaufkraft auch noch aus anderen City-Bereichen abgezogen. Aber diese Teile der Innenstadt, etwa die Hauptstraße, waren schon lange aus der Zeit gefallen.

Der Leerstand dort macht jetzt lediglich ultimativ klar, dass Handel in diesen Lagen nicht mehr funktioniert. Deshalb ist es richtig, dass Stadt und Politik auf neue Konzepte wie Wohnen setzen. Das wird nicht von jetzt auf gleich gehen. Aber sicher ist, dass die Innenstadt ihr Gesicht in den kommenden Jahren gewaltig verändern wird.

(RP)
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