Rückblick: Die Geschichte der Brücke - und was man daraus lernt

Rückblick: Die Geschichte der Brücke - und was man daraus lernt

Die Gäste zeigten sich schwer beeindruckt. Jedenfalls, als Ende Oktober Scharen von Experten zu einer internationalen Fachtagung unter die Müngstener Brücke gekommen waren, um die Chancen des bergischen Wahrzeichens als Weltkulturerbe zu erörtern, da waren die Wissenschaftler wie die Honoratioren aus insgesamt fünf europäischen Ländern voll des Lobes für den stählernen Riesen zwischen Solingen und Remscheid.

Ehrlich gesagt glitten meine Gedanken seinerzeit etwas ab - und zwar in die jüngere Vergangenheit der Brücke, deren Eigentümer, die Deutsche Bahn AG, vor gar nicht so langen Jahren noch mit dem Gedanken gespielt hatte, das Baudenkmal durch einen neuen Betonbau zu ersetzen. Nun gehört zur Wahrheit dazu, dass solche Pläne am Ende unter anderem am Widerstand aus der Region scheiterten. Doch einfach vergessen sollte man das gedankliche Irrlichtern des Konzerns von damals darum auf keinen Fall. Denn aus den ebendiesen Überlegungen sprach vor allem eines: eine völlige Missachtung der Menschen nach etwas, mit dem sie sich identifizieren können, nach Heimat.

Foto: Kempner Martin

Die Müngstener Brücke ist nicht nur eine Ansammlung von Stahl, sondern ein Anker, auf den man stolz sein kann. Den man beispielsweise seinen Freunden zeigt, die woanders wohnen und zu Besuch sind. Das hat die Stadt im Oktober getan. Wobei es am Ende ziemlich egal ist, ob die Brücke wirklich irgendwann mal Weltkulturerbe wird. Es ist ihre Geschichte, die sie unersetzlich, die sie zu einem Halt für die Menschen macht. Das ist es, was zählt - und was die Verantwortlichen nicht vergessen sollten.

(RP)