Solingen: Die Firma BIA ist Vorreiter bei der Integration von Flüchtlingen

Solingen : Die Firma BIA ist Vorreiter bei der Integration von Flüchtlingen

Navid Amiry (22) ist seit zwei Jahren in Deutschland. Der junge Afghane kommt aus Kundus und ist hier in Solingen auf sich allein gestellt. Seine Sprachkenntnisse hat er über einen niedrigschwelligen, mit Spenden finanzierten Basiskurs und viel Eigeninitiative erworben. Die Firma BIA hat diesen Sprachkurs gefördert und Kontakt zu den Teilnehmern aufgebaut, so lernte Navid Amiry das Unternehmen der Kunststoff- und Galvanoindustrie kennen. "Der junge Mann fiel uns schon bei einem Besuch im Sprachkurs auf und so konnten wir ihm nach einigen Kontakten die Möglichkeit für ein Praktikum anbieten", erklärt BIA-Ausbildungsleiterin Anja Jaenecke.

Für Manish Kukukhel (20) aus Kabul, der mit seiner Familie seit mehr als drei Jahren in Solingen lebt, kam der Kontakt zu BIA ebenfalls über ein Praktikum. "Wir haben gute Kontakte zur Seiteneinsteigerklasse am Mildred-Scheel-Berufskolleg. Die engagierten Lehrer kennen unser Unternehmen und haben ein gutes Gespür, welche Schüler mit technischem Interesse zu uns passen könnten. Deshalb ermöglichen wir auch hier Praktika", beschreibt Anja Jaenecke die Zusammenarbeit.

Bei diesem ersten Einblick in die Arbeitswelt bei BIA ist es dann nicht geblieben. Navid und Manish erhielten im August einen Ausbildungsplatz zum Verfahrensmechaniker Kunststoff- und Kautschuktechnik. "Integration in den Arbeitsmarkt kann nur funktionieren, wenn die Menschen die Chance auf Sprache, Ausbildung und Teilhabe bekommen, da sehen wir uns als Unternehmen in der Verantwortung", erklärt BIA-Geschäftsführer Jörg Püttbach.

Bereits seit mehreren Jahren ist BIA aktiv bei der Unterstützung und Integration von Flüchtlingen. So spendet das Unternehmen unter anderem Bildwörterbücher für zugewanderte Schulkinder, finanziert niedrigschwellige Sprachkurse in Solingen und ermöglicht Praktika für Flüchtlinge. "Für uns war es deshalb folgerichtig, jetzt auch zusätzliche Ausbildungsplätze zu schaffen. Den damit verbundenen erheblichen bürokratischen Aufwand haben wir auf uns genommen", so Püttbach. Denn der ist deutlich höher, als bei den anderen Auszubildenden und es ergaben sich immer wieder Schwierigkeiten mit Regelungen und Genehmigungen, weiß Ausbildungsleiterin Jaenecke.

Langfristig, da ist sich Jörg Püttbach sicher, wird sich dieser Einsatz für Flüchtlinge auch für BIA auszahlen. "Als Innovationsführer mit technisch anspruchsvollen Produkten brauchen wir auch in Zukunft gut ausgebildete und motivierte Mitarbeiter." Bereits heute beschäftigt BIA über 1000 Mitarbeiter aus mehr als 42 Nationen.

Um den Start bei BIA zu erleichtern, wurde den beiden jungen Männern vor Beginn der Ausbildung noch ein Intensivsprachkurs von zwei Monaten ermöglicht. "Das hat uns sehr geholfen und den Einstieg erleichtert", erklärt Navid Amiry. Die Arbeit im Unternehmen macht beiden großen Spaß. "In der Firma haben wir keine Probleme, alle sind sehr nett zu uns", erklärt Manish Kukukhel. "Wenn wir etwas nicht verstehen, können wir einfach fragen, alle sind sehr hilfsbereit. Bei den Berichten, die wir schreiben müssen, helfen uns auch die älteren Azubis."

An Motivation mangelt es den beiden nicht. Auf die Frage, wie sie ihre berufliche Zukunft sehen, sind beide voller Elan. "Ich möchte die Ausbildung schaffen und dann eine gute Arbeit haben, die mir ein eigenständiges Leben ermöglicht", erklärt Navid Amiry. Manish Kukukhel hat sogar schon weitere Pläne: "Ich möchte nach der Ausbildung auch den Meister machen - genau wie mein Ausbildungspate hier bei BIA."

(red)