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Solingen: "Die Baustelle hat uns den Rest gegeben"

Solingen : "Die Baustelle hat uns den Rest gegeben"

Ausverkauf wegen Schließung bei Arc Design sowie der Schreibstube Böhler an der Linkgasse. Die Umgestaltung des Alten Marktes mit der Dauerbaustelle über Monate hat den beiden Traditionsgeschäften schwer zu schaffen gemacht.

So ist es seit Monaten: Passanten, die nur schwerlich vorankommen, Einkaufende, die sich an weiß-roten Baustellenbarken entlang schlängeln müssen, Bauarbeiter, die mit dem Rüttler dröhnend den Boden verdichten, Lastwagen und Bagger, die den Weg versperren — und Geschäftsleute, bei denen schmerzlich Kunden ausbleiben. Die Umgestaltung des Alten Marktes soll Ende nächsten Monats endlich abgeschlossen sein. Am 14. September ist Einweihungsfeier des wichtigen City-Platzes zwischen Busbahnhof und Fußgängerzone, auf den sternförmig die Seitengassen Kirchstraße, Ohliger Tor, Küster- und Linkgasse zulaufen.

Die Party an diesem September-Samstag mit buntem Musik- und Kunstprogramm, die die neue Einkaufszeit in der Solinger Innenstadt mit der Eröffnung des Shopping-Centers Hofgarten im Oktober einläutet, kommt für Arc Design und der Schreibstube Böhler an der Linkgasse zu spät. Beide Traditionsgeschäfte schließen bis dahin. Derzeit läuft der Ausverkauf.

"Die Baustelle hat uns den Rest gegeben", heißt es bei Arc Design. Der Teil der Linkgasse in der Fußgängerzone ist indes bereits neu gestaltet, doch einige Meter weiter auf dem Alten Markt liegt noch immer der blanke Schotter. Problem: Wegen all der Versorgungsleitungen kann nur sehr kleinteilig gearbeitet werden.

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Das dauert und unterbricht den Kundenstrom an dieser City-Verbindungsstelle bereits seit Anfang des Jahres. Als Gründe für die Schließung nennt Arc Design jedoch ebenso ein geändertes Kaufverhalten mit dem Internet sowie den schweren Stand in der Solinger City insgesamt, der Kunden in der Vergangenheit zunehmend den Rücken gekehrt hätten. Geschenkartikel, Karten, Gläser, Düfte und Seifen verkauft Arc Design seit 16 Jahren an der Linkgasse, zuvor war das Geschäft Jahrzehnte am Ufergarten.

Axel Böhler ist ein Ur-Solinger Geschäftsmann und sogar noch ein Tückmantel in der fünften Generation. Seit elf Jahren besteht die Schreibstube mit Schul- und Bürobedarf, Büchern, Dekorationsartikeln fürs Haus sowie Geschenken. In zwei Wochen dürften Warenbestand samt Inventar verkauft sein. Axel und Susanne Böhler werden sich damit vom Einzelhandel verabschieden. "Für uns geht es beruflich weiter; wir unternehmen jedoch einen Branchenwechsel." Zuvor bestand die Schreibstube acht Jahre am Klosterwall, davor 151 Jahre im Tückmantel-Haus am Neumarkt.

Der 50-jährige Axel Böhler berichtet von einer Branche unter Druck, der neben dem Internet-Bestellgeschäft auch die Discounter vor den Toren der Zentren das Leben schwermachen. "Wir leben im Bürobedarf sehr viel vom Kleinbetrieb." Doch auch der Füllfederhalter müsse verkauft werden, nicht nur die Patronen dazu. Mit der Schreibstube Böhler schließt ein inhabergeführtes Geschäft. Im August hätten ohnehin Mietvertragsverhandlungen angestanden.

Mit ihrem Kaufverhalten entscheiden die Kunden aus Sicht des 50-Jährigen ob und wie viele Fachgeschäfte in Zukunft überhaupt noch übrig bleiben. Axel Böhler ist froh, dass seine Mitarbeiterin bei einem Kollegen eine neue Stelle gefunden hat. Seit vergangenem Herbst hat er einen Umsatz-Rückgang gespürt, im Februar kam dann die Großbaustelle vor der Ladentür — und der Kundenstrom ist um 50 bis 70 Prozent zurückgegangen.

(RP)