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Solingen: Deutschkurse und Stipendien gegen Ärztemangel

Solingen : Deutschkurse und Stipendien gegen Ärztemangel

Der von Krankenhausfunktionären befürchtete akute Ärztemangel hat die Solinger Kliniken noch nicht erreicht, doch richten sie sich auf ihn ein und beugen vor. Mit Stipendien will das St. Lukas Krankenhaus Nachwuchsmediziner an die Klinik binden. Das Klinikum Solingen setzt unter anderem auch auf ausländische Ärzte und bietet ihnen Deutschkurse an.

"In Zukunft werden sich Patientinnen und Patienten in Deutschland aller Wahrscheinlichkeit nach viel häufiger darauf einstellen müssen, dass sie auch von engagierten ausländischen Ärzten betreut werden", sagt der stellvertretende medizinische Direktor des Klinikums, Peter Schmiegelow. Von 225 Ärzte-Stellen sind dort 222 besetzt. Mit Angeboten auch zur Sprachqualifizierung stelle sich das Klinikum auf den erwarteten Personalmangel ein. Zur "aktiven Personalgewinnung" gehöre aber auch die "Entlastung von Ärzten von den patientenfernen Aufgaben" sowie eine "verlässliche Weiterbildung und attraktive Fortbildung", so Schmiegelow.

Nicht nur wegen seiner Funktion als Akademisches Lehrkrankenhaus der Univerität Köln mit im Schnitt acht Studenten, sondern auch aufgrund seiner "zentralen Lage in der Nähe der Metropolen Düsseldorf und Köln" habe das Solinger Klinikum bessere Chancen als Krankenhäuser im ländlichen Raum, ist der stellvertretende Personaldirektor Martin Waldorf überzeugt. Zudem drängten immer mehr Frauen in den Ärzteberuf. "Flexible Vertrags- und Arbeitsgestaltung spielen eine ganz erhebliche Rolle, ebenso der Aspekt der Kinderbetreuung, hier mit dem Ziel, Ärztinnen nach dem Mutterschutz wieder schnell als Fachkräfte zurück zu bekommen."

An den rund 2000 deutschen Kliniken fehlen derzeit bereits 6000 Ärzte. Darauf hatte der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Alfred Dänzer, in einem weithin beachteten Interview mit unserer Zeitung hingewiesen. Dänzer will dem entgegenwirken und drängt auf eine Erweiterung der Kapazitäten beim Medizinstudium.

"Der Personal-Markt ist angespannter", bestätigt auch Pressesprecher Simon Rusch von der St. Lukas Klinik. "Doch sind wir weiterhin in der Lage, ausgeschriebene Stellen qualifiziert und hochwertig zu besetzen."

Dabei setzt das vom Kplus-Verband betriebene Haus auch auf ein Stipendienprogramm, mit dem qualifizierte Medizinstudenten an das Krankenhaus gebunden werden sollen. 500 Euro monatlich erhalten Studenten nach dem Physikum mit der Auflage, nach der Approbation die Facharztausbilung in St. Lukas zu absolvieren. Auch das Deutschland-Stipendium, bei dem der Bund die Hälfte der Kosten des Stipendiums übernimmt, dient dem Zweck, junge Mediziner möglichst früh für das Solinger Krankenhaus zu gewinnen.

Hier geht es zur Infostrecke: Die zentralen Ergebnisse des DAK-Gesundheitsreports 2012

(RP)