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Solingen: „Des Ritters neue Kleider“

Solingen : „Des Ritters neue Kleider“

Mit drei Themenführungen rund ums Mittelalter will Schloss Burg für Besucher attraktiver werden. Viele heutige Redewendungen zum Beispiel entstammen dieser Zeit.

So manches, das dem Mittelalter zugeschrieben wird, ist eine Mär. Zum Beispiel die Kartoffelsuppe, die in Ritterlagern verspeist worden sein soll. Sie gab es nicht. Falsch ist auch das Gerücht, dass die Herrschaften beim Essen die abgenagten Knochen hinter sich warfen. „Dann wären die Pagen, die das Essen auftrugen, ja ständig darauf ausgerutscht“, sagt Susanne Salden. Richtig sei hingegen, dass die Knochen unter die Tische geworfen wurden. Dort warteten stets einige Hunde auf die Leckerbissen. Salden ist eine von zehn Museumsführerinnen und -führern, die Besuchern von Schloss Burg jetzt in drei neuen Themenführungen das Leben im Mittelalter näher bringt.

„Es war schon lange ein Wunsch von mir, Zusatzführungen zu der Standardführung anzubieten“, erklärte Dr. Stefan Geppert, Direktor des Bergischen Museums Schloss Burg, gestern vor der Presse. An Themen fehle es nicht, denn das Wissen, das sich die Führer im Laufe ihrer langjährigen Tätigkeit angeeignet hätten, könne gar nicht in nur einer Führung untergebracht werden.

Seit 2,5 Jahren habe man nun Berichtenswertes für Themenführungen über den Burgenbau in Europa (Titel: „Ritterburg und Fürstenschloss“), die Ernährung im Mittelalter („Speis und Trank“) und eine historische Kostümkunde („Des Ritters neue Kleider“) zusammengetragen.

Geppert hofft, damit den Zahn der Zeit zu treffen. „Im Moment gibt es einen Run auf das Mittelalter“, berichtet der Direktor. „Die Leute wollen in diese Zeit eintauchen.“ Das zeige sich daran, wie beliebt Mittelalter-Märkte seien.

„Viele unserer heutigen Redewendungen entstammen dieser Zeit“, weiß Museumsführerin Katrin Riebel. Zum Beispiel der Ausdruck „steinreich sein“. Hintergrund: „Nur wenige Adelige konnten sich den unglaublichen Aufwand an Zeit und Geld leisten, Steine brechen und eine Burg bauen zu lassen.“ Kollegin Astrid Fleischer hat zudem Bemerkenswertes aus der mittelalterlichen Kleiderherstellung zu berichten: „Wer weiß heute noch, dass Stoff zum Teil mit zerstoßenen Läusen gefärbt wurde und ein Seidenfaden bis 3500 Meter lang sein kann?“

„Die Führungen sind nicht nur inhaltlich reich, sondern auch interessant gestaltet“, verspricht Direktor Geppert. Kommen sie bei den Besuchern gut an, könne das Themenspektrum auch erweitert werden.

(RP)