Solingen: Der Turm kann fallen

Solingen : Der Turm kann fallen

Wenn am 18. Dezember das Turmhotel gesprengt wird, schauen voraussichtlich 5000 Schaulustige zu. Die meisten Solinger freuen sich auf das Spektakel. Sorgen, dass es Probleme geben könnte, haben wohl vor allem Anwohner.

Am 18. Dezember wird das Turmhotel zuerst in sich zusammensacken und dann mit lautem Donnern in die Baugrube kippen. Im Umkreis von 150 Metern müssen dann alle Häuser leer sein, auch die Krankengymnastik-Praxis von Bärbel Gotzoll.

Sie sieht mit ihrer Kollegin Steffi Haeselbarth der Sprengung aber gelassen entgegen. "Wir haben Vertrauen in die Experten." Schon jetzt würde es manchmal wackeln bei ihnen in der vierten Etage des Signal-Hauses. "Wenn bei dem Abriss eine Wand einstürzt, gibt das manchmal eine Druckwelle bis zu uns. Das spüren wir hier oben", sagt Bärbel Gotzoll eher amüsiert als ängstlich.

Und auch Steffi Haeselbarth sieht dem Sonntag im Dezember entspannt entgegen: "Wir fühlen uns gut informiert. Fast schade, dass wir die Sprengung von hier oben nicht anschauen dürfen", findet die 34-jährige Physiotherapeutin. Denn aus dem Fenster ihres Behandlungsraums hat sie den Blick eines Logenplatzes auf die Baugrube, in die der Turm stürzen soll.

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Im Hintergrund sind Arbeiter gerade damit beschäftigt, in den oberen Etagen des einstigen Turmhotels die Fenster auszubauen. Unten, am Zaun, steht Oskar Knabe mit seinem Enkel Maurice. "Ich habe als Lkw-Fahrer Unmengen Beton hierher gefahren für den Bau des Hotels. Es ist fast schade, den Abriss zu sehen", sagt der 75-Jährige.

Er wolle sich aber die Sprengung nicht entgehen lassen — und Angst habe er nicht. "Was soll denn passieren? Ich bin mir sicher, dass die Experten wissen, was sie tun." Der zweijährige Maurice schaut aus seinem Kinderwagen gebannt auf die Bagger, auch ein junges Paar steht am Zaun. Kathrin Wölfer und Tim Ziegenbein sind schon als Kinder häufig im alten Karstadtgebäude gewesen. Sie genießen jetzt die ungewohnte Aussicht auf die andere Seite der Innenstadt, auf Mangenberg. "Ist schon witzig, so weit gucken zu können", sagt Tim Ziegenbein.

Der Student will sich die Sprengung auf jeden Fall anschauen, Kathrin Wölfer aber muss arbeiten. "Ich bin als Verkäuferin in Wuppertal tätig. Da wird an dem Tag verkaufsoffener Sonntag sein, also verpasse ich das Spektakel", sagt sie traurig. Was für sie den Reiz der Sprengung ausmacht? "Na, dass was kaputtgeht", sagt sie lachend — ist sich aber sicher, dass alles nach Plan verlaufen wird.

Nur wenige Meter entfernt, an der Kasernenstraße, wohnt Figel Deniz. Sie wird am 18. Dezember evakuiert werden und hat weniger Vertrauen in die Zerstörungskünste der Sprengmeister. "Wenn ich merke, wie schon jetzt manchmal die Wände wackeln wegen der normalen Abrissarbeiten, will ich nicht wissen, wie es im Haus nach der Sprengung aussieht", sagt die 34-Jährige besorgt. Sie stelle sich innerlich schon darauf ein, einige Wochen bei ihrer Mutter einziehen zu müssen.

(RP/rl)