Der neue BOB rollt durch Solingen

Solingen : Der neue BOB rollt durch Solingen

Der Batterie-Obus ist ab sofort auf den Straßen der Stadt unterwegs. Wenn die längeren Testfahrten des Prototyps erfolgreich verlaufen, sollen in Kürze drei weitere Fahrzeuge folgen.

Solingens neuester Verkehrsteilnehmer heißt "BOB". Seit Mitte Januar wird der Batterie-Oberleitungsbus auf den Straßenverkehr vorbereitet - am heutigen Vormittag fährt er zu Testzwecken erstmals längere Strecken durch die Stadt. Geben die Technische Aufsichtsbehörde der Bezirksregierung und der TÜV nach den Testfahrten Grünes Licht, könnten die Stadtwerke (SWS) den BOB noch in diesem Monat anmelden. "Wir sind auf einem guten Weg", sagt SWS-Projektleiter Holger Ben Zid.

Ziel der Verkehrsbetriebe der Stadtwerke ist es, die Busflotte komplett auf elektrische Mobilität umzustellen. Bislang sind die Obusse mit Diesel-Aggregaten ausgestattet. Sie kommen an Stellen zum Einsatz, an denen es keine Oberleitungen gibt. Die Batterie der neuen Modelle speichert nun den Strom aus den Oberleitungen und ist deshalb nicht mehr auf das Verbrennen von Kraftstoffen angewiesen. Die Strahlkraft des Zukunftsprojektes reicht über die Stadtgrenzen hinaus: Der Bund fördert es mit rund 15 Millionen Euro.

Die SWS, der Hersteller Solaris sowie die Düsseldorfer Firma Kiepe Elektrik arbeiten seit einem Monat daran, das Fahrzeug für den Straßenverkehr tauglich zu machen. Diese Anstrengungen münden in den heutigen Testfahrten. Auf den Linien 681 und 682 wird geprüft, ob das Fahrzeug den Geschwindigkeiten des Stadtverkehrs auf Dauer standhält. Auf der Linie 683 muss der BOB beweisen, dass er den topographischen Anforderungen gewachsen ist. "Bekommen wir von der Technischen Aufsichtsbehörde und dem TÜV Grünes Licht, geht es mit den anderen Fahrzeugen weiter", erklärt Ben Zid. In Polen warten drei weitere fast fertige Batterie-Obusse auf die Ergebnisse der Testfahrten. Nötige Änderungen werden direkt im Werk umgesetzt. Läuft alles nach Plan, stehen Ende März auch diese Gefährte fahrbereit.

Die vier Batterie-Oberleitungsbusse kommen voraussichtlich ab Herbst auf der Linie 695 (Meigen - Abteiweg) zum Einsatz. Bisher wird die Strecke von dieselbetriebenen Autobussen befahren. Die BOB nutzen zukünftig die Oberleitung, um ihre Batterie für den Streckenteil ohne Oberleitung aufzuladen. Die Reichweite der Batterie beträgt rund 20 Kilometer. Kommt es auf der Fahrt zu einer Störung, zeigen Berechnungen, wann dem Bus im wahrsten Sinne des Wortes der Saft ausgeht. "Dann schicken wir ein Ersatzfahrzeug", verspricht Ben Zid.

Damit es nicht so weit kommt, wird noch in diesem Jahr am Abteiweg eine Ladesäule errichtet, an der die Batterie zwischen zwei Fahrten bei Bedarf ans Stromnetz angeschlossen werden kann. Zudem kündigt Ben Zid Schulungen für BOB-Fahrer an, damit diese sparsam fahren und die Batterie einen kompletten Tag hält, ehe sie über Nacht aufgeladen wird. Ansonsten stelle das neue Fahrzeug die Fahrer nicht vor große Herausforderungen.

Bestehen die Batterie-Obusse in der Praxis und erweisen sich auch wirtschaftlich als sinnvoll, gibt es beim Hersteller eine Option auf 16 weitere BOB. "De facto brauchen wir neue Fahrzeuge für die Obus-Linien", sagt Ben Zid. Der 46-Jährige ist zudem davon überzeugt, dass es technisch machbar ist, den gesamten Solinger Busverkehr auf Elektromobilität umzustellen.

Klar ist: Für diesen Schritt müsste das Liniennetz in Solingen komplett überarbeitet werden. Denn BOB können eine Strecke nur dann befahren, wenn sie ihre Batterie regelmäßig an den Oberleitungen aufladen können. Doch momentan gibt es Autobus-Linien, die von Oberleitungen isoliert sind. "Man müsste Obus- und Autobus-Linien zu BOB-Linien verquicken. Wir wären dazu bereit", sagt Holger Ben Zid.

(RP)