Falscher Sponsor aus Wuppertal: Der geplatzte Barcelona-Traum

Falscher Sponsor aus Wuppertal : Der geplatzte Barcelona-Traum

Ein "Sponsor" prellt Fußballer und deren Familien um große Summen: Ein Wuppertaler Bauunternehmer versprach Jugendteams des BV Gräfrath und des FSV Vohwinkel ein Camp in Barcelona - und ist mit dem Reisegeld verschwunden.

"Ich habe drei Tage lang nicht geschlafen", sagt einer der betroffenen Väter. "Bis zum letzten Moment habe ich an den Mann geglaubt", sagt ein Anderer. "Aber dann habe ich die Panik in den Augen einiger Eltern gesehen." Das war am 3. Mai. Da wollte "der Mann", ein Wuppertaler Bauunternehmer, in Vohwinkel die Flugtickets nach Spanien und die offizielle Turnier-Einladung des FC Barcelona überreichen. Aber die Eltern - einige hatten ihre Kinder mitgebracht - blieben in der Hako-Event-Arena unter sich: Der vermeintliche Gönner, der Jugendmannschaften des BV Gräfrath und des FSV Vohwinkel günstige Reisen nach Spanien versprochen hatte, war verschwunden - und mit ihm 26.000 Euro.

"Die Enttäuschung bei den Mädels ist riesengroß", sagt Luis Ferreira, einer der U 11-Trainer in Gräfrath. Seit Monaten hatten sich die jungen Spielerinnen darauf gefreut, im kommenden Oktober an einem Barca-Turnier mit internationaler Besetzung teilzunehmen. Auch das Rahmenprogramm hatte der Bauunternehmer in den schönsten Farben ausgemalt. Mitreisen wollten schließlich 192 Aktive und Begleiter. Kosten sollte die Teilnahme dank großzügiger Sponsoren wie Nike wenig: Zahlen sollten nur mitreisende Erwachsene (149 Euro) und Geschwisterkinder (99 Euro).

Tatsächlich fand der Wuppertaler aber genügend Ausreden, dass ihm einzelne Väter und Mütter auch vier- bis fünfstellige Summen überließen. Dabei soll es nicht nur um die Reise gegangen sein: Der Bauunternehmer wollte am Sportplatz in eine Gastwirtschaft investieren. Einen Besuchstermin mit Vertretern der Stadtverwaltung hat es am Flockertsholzer Weg tatsächlich gegeben. Man habe dem "Investor" aber sofort klargemacht, dass aus den Plänen nichts werden könne, heißt es bei der Pressestelle der Stadt Solingen.

Überrascht ist auch Stefan Gelhausen, Chef der Fotoredaktion bei Sport Bild. Denn der Fotograf, der am Lichtturm Bilder der Gräfrather und Vohwinkeler Jugendspieler machte, kam laut dem Bauunternehmer wegen einer Veröffentlichung in dem bekannten Fachblatt. "Damit haben wir nichts zu tun", betont Gelhausen. Der Auftritt war wohl Teil einer Gesamtinszenierung - wie die versprochene WDR-Reportage über den Aufenthalt in Barcelona, Grillfeste und Abschlussfeiern sowie die vermeintliche Nähe zu Spitzenfußballern. "Er hat immer wieder Fotos mit den Stars und VIP-Tickets gezeigt", erinnert sich Trainer Ferreira.

Greifbar waren dagegen die Trikots, Trainingsanzüge und Jacken, die der Wuppertaler den jungen Spielern gespendet hatte. Beglichen waren aber nur einige der Rechnungen. "Die letzten zwei über gut 1300 Euro hat er nicht bezahlt", bestätigt Udo Polle von Sport Borgmann. Er einigte sich inzwischen mit dem BV Gräfrath auf einen günstigeren Preis für den Trikotsatz und die sogenannten Coachjacken.

Die Beflockung wird der Verein wohl ändern lassen: Der Firmenname des vermeintlichen Wohltäters wird verschwinden. In Frankfurt wurde er schon einmal wegen Vermögenslosigkeit aus dem Register gelöscht. Viel besser scheint es nach dem Umzug nach Wuppertal nicht geworden zu sein: Eine Befriedigung der Gläubiger sei ausgeschlossen, lässt sich dem Schuldnerverzeichnis in Hagen entnehmen. Auf Deutsch: Der Gerichtsvollzieher findet nichts Verwertbares.

Das kann Ralf Schlupkothen, Mitglied des Jugendvorstands beim FSV Vohwinkel, aus eigener Anschauung bestätigen. Als der Termin der Ticketübergabe platzte und der Bauunternehmer telefonisch nicht mehr zu erreichen war, fuhr er noch am selben Abend zu dessen Wohnung: "An der Adresse, die uns bekannt war, war die Wohnung leer." "Da ist das Vertrauen aufs Gröbste missbraucht worden", kommentiert Pressewart Uwe Meurer. Dabei habe man in Vohwinkel noch Glück gehabt, weil es "nur" um 3000 Euro gehe und der vermeintliche Gönner im Herbst 2017 noch 4500 Euro gespendet habe.

Trotzdem erstattete Nicole Kalcher, Trainerin der C1-Jungen, Anzeige bei der Polizei - wie andere Betroffene auch. Bei der Polizei ist der Angezeigte laut Pressestelle als Betrüger bekannt. Beim SV Niederursel im Norden von Frankfurt ebenso. "Genau wie bei uns", staunt Jugendleiter Michael Mehrer. 2013 sei der Unternehmer mit 15.000 Euro verschwunden, die eigentlich zur Vereinsrettung gedacht waren. "Er war nicht auffindbar", habe sich möglicherweise nach Marokko abgesetzt. Mehrer hat den Chatverlauf von damals als Beweis gespeichert.

In Gräfrath hat man dagegen beobachtet, wie der Pseudo-Wohltäter seine Spuren in der WhatsApp-Gruppe zu löschen begann. Vorher habe er jeden Tag etwas geschrieben: "Er war ein Alleinunterhalter". Und seine Beiträge klangen plausibel, weil Fußball-Camps im Ausland zur Regel geworden sind. "Wir hatten keinerlei Zweifel daran, dass alles funktioniert", heißt es auch in Vohwinkel. "Bei Bayer Wuppertal sind wir - auch über private Kontakte - in den 90er Jahren mit drei Mannschaften nach Barcelona gefahren", berichtet Uwe Meurer. "Das war sehr, sehr schön. Das kommt immer gut an bei den Jugendlichen."

"Meine Tochter hat ein paar Tage lang zu Hause geheult", sagt ein Gräfrather Vater, der für die Oktober-Woche schon Urlaub genommen hatte. "Er hat uns einen Traum verkauft und uns über den Tisch gezogen." Trainer Luis Ferreira weiß: "Die Enttäuschung der Kinder ist größer und schwerwiegender als alles andere." Deshalb sucht er einen Ersatz, plant ein Trainingscamp. Nicht im Ausland, sondern auf dem heimischen Platz.

(flm)