Solingen: Der Eichhörnchen-Retter

Solingen: Der Eichhörnchen-Retter

Theodor von Franken hat eine private Auffangstation für Baby-Eichhörnchen. Gestern bekam der Solinger Geschäftsmann einen neuen Schützling. In Düsseldorf hatte ein Polizist ein zwölf Wochen altes Tier gefunden, das offenbar seine Mutter verloren hatte. Ziel ist stets die Auswilderung.

Das Schicksal seines neuesten "Findelkindes" mit dem dichten schwarz-braunen Fell ist irgendwie typisch. Und nach den 18 Jahren, in denen Theodor von Franken zusammen mit seiner Familie eine Auffangstation für Baby-Eichhörnchen betreibt, müsste der Solinger Geschäftsmann eigentlich selbst schon ein ziemlich dickes Fell bekommen haben.

Doch von Franken ist immer wieder aufs Neue fassungslos, wenn er hört, wie andere Menschen mit den Tieren umgehen. Ein ungefähr zwölf Wochen altes Jungtier, das sich seit gestern in der Obhut des Geschäftsmanns befindet, war zum Beispiel zuvor von einer Frau in Düsseldorf einfach in ein Gebüsch gelegt worden.

"Die Frau hat später angegeben, sie habe sich von dem Eichhörnchen verfolgt gefühlt", sagt Theodor von Franken. Dabei hatte das Tier, ein Weibchen, aber wohl nur Schutz gesucht. Denn ein Motorradpolizist, der gestern Morgen im Düsseldorfer Stadtteil Oberkassel mit seinem Krad gerade auf dem Weg zu Arbeit war, hatte die Szene gegen 9.30 Uhr durch Zufall beobachtet. Und als der Beamte zu dem Gebüsch ging, in das die Frau das Eichhörnchen gelegt hatte, lief das Tierchen plötzlich auf den Polizisten zu und hängte sich schutzsuchend an seine Uniform.

Ganz offensichtlich hatte das Baby-Eichhörnchen zuvor seine Mutter verloren. Und nachdem das Tier seinem Retter nicht mehr von der Seite wich, nahm der Kradpolizist das Eichhörnchen schließlich mit zur Wache. "Dort fanden die Beamten dann schnell eine gute Unterkunft für die kleine Dame", teilte die Polizei in der Landeshauptstadt gestern mit.

Tatsächlich hat der gebürtige Solinger Theodor von Franken, der an der Talstraße in Ohligs seit 34 Jahren ein Geschäft für Ballon-, Licht- und Tontechnik betreibt, eine große Erfahrung beim Aufpäppeln von Eichhörchnchen. Seit 1994 unterhält er in Langenfeld seine private "Baby-Eichhörnchen-Auffangstation".

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Wie viele Tiere er in dieser Zeit wieder auf ein Leben in Freiheit vorbereitete, kann von Franken beim besten Willen nicht mehr abschätzen. Im Augenblick sind erneut etliche Tiere in der Station. Vor ein paar Wochen hatten Bauarbeiter — auch in Düsseldorf — auf einem Abrissgrundstück einen ganzen Wurf von kleinen Eichhörnchen entdeckt und zu Theodor von Franken gebracht.

"Dabei haben die Tiere in der Großstadt eigentlich gar keinen Lebensraum", sagt der Eichhörnchenretter, der bei Notfällen rund um die Uhr erreichbar ist (siehe Kasten). Die Auffangstation arbeitet eng mit einer Tierklinik zusammen, so dass auch verletzte Eichhörnchen eine Chance haben, später einmal wieder ein Leben in ihrer natürlichen Umgebung führen zu können.

Diese liegt eigentlich im Wald, auch wenn viele Tiere als typische Zivilisationsfolger inzwischen auch in Städten vorkommen. Die Auswilderung bleibt stets das Ziel von Theodor von Franken. Das neue "Findelkind" und die anderen Eichhörnchen, die im Augenblick in der Auffangstation sind, sollen Anfang Juni zurück in die Natur. Bislang klappte das fast immer — bis auf eine Ausnahme.

Ein Eichhörnchen hatte sich so sehr an seine menschlichen "Zieheltern" gewöhnt, so dass diese das Tier behielten und ihm sogar einen Namen gaben. "Lilly" hatte es bei den von Frankens richtig gut. Erst im vergangenen Jahr starb die Eichhörnchen-Dame in einem für die Tiere sehr hohem Alter von zwölf Jahren.

(RP/rl/jco)
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