Der Biber feiert in Solingen-Unterburg ein Comeback

Bissspuren in Unterburg gesichtet : Comeback des Bibers an der Wupper

Mitglieder des Burger Angelvereins haben deutliche Spuren des Nagers am Ufer in Unterburg entdeckt. Biologen sind begeistert.

Es ist eine tolle Nachricht für alle Naturfreunde: Im Raum Unterburg haben Mitglieder des Angelvereins Solingen-Burg am Wochenende deutliche Bissspuren von Bibern an Bäumen entdeckt. Das hat gestern Daniel Schäfer, der Gewässerwart des Vereins, bestätigt. „Wir waren am Ufer unterwegs und haben dann die gefällten Bäume gesehen“, erinnert sich der Angler an seine Entdeckung. Ein hinzugezogener Jäger habe die Schäden an den Bäumen auch klar einem Biber zugeschrieben, sagt Daniel Schäfer.

„Für uns ist das eine sehr gute Nachricht“, sagt der Gewässerwart des Angelvereins. Denn das zeige, dass die Wupper rund um Unterburg in einem guten Zustand sei. Die Wupper haben die Biber offensichtlich schon seit einigen Jahren als Lebensraum für sich entdeckt. Bislang war allerdings nur bekannt, dass sich Biber weiter in Richtung des Wupper-Quellgebietes oberhalb von Wuppertal angesiedelt hatten. Dort sei das Wasser grundsätzlich sauberer und die Uferläufe naturbelassener. Je weiter sich der Fluss über Wuppertal, Solingen und Remscheider Stadtgebiet Richtung Rhein schlängele, desto mehr Kläranlagen fänden sich an seinem Ufer, weiß Daniel Schäfer.

Bissspuren des Bibers in Unterburg. Foto: Daniel Schäfer

Frank Sonnenburg von der Biologischen Station Mittlere Wupper erfuhr gestern von den Biberspuren bei Unterburg: „Das halte ich für sehr gut möglich. Das Gelände dort ist bestens geeignet“, so Sonnenburg. Die Biber seien in Nordrhein-Westfalen auf dem Vormarsch. Die letzten natürlichen Vorkommen der Tiere wurden im Bergischen Land vor 100 Jahren ausgerottet. Vor einigen Jahren seien dann mehrere Pärchen am Niederrhein und in der Eifel ausgesetzt worden. Diese breiteten sich seither aus.

An den Bäumen knabbern die Tiere übrigens nur jetzt in den Wintermonaten. Dann stünden die Äste und die Rinde auf ihrem Speisezettel. „Im Sommer ernähren sich die Biber dagegen eher von Gräsern und Kräutern“, weiß Sonnenburg. Wer nun auf Biberburgen entlang der Solinger Wupper hofft, wird enttäuscht werden. „Der Biber baut seine Burgen nur in kleinen Gewässern, um diese aufzutauen, damit er dort schwimmen kann“, weiß Frank Sonnenburg. Weil die Wupper ausreichend Wasser führe, sei das nicht notwendig.

Sollten die Biber irgendwann mal Bäumen an der Wupper gefährlich werden, die eigentlich erhalten bleiben sollen, müsste man diese mit Draht schützen, so Sonnenburg.

Die neuen Solinger Biber müssen keine Jäger fürchten: „Die Tiere sind streng geschützt und dürfen nicht gejagt werden“, erklärt Dr. Heinrich Apfelstedt, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Solingen. Vor etwa zwei Jahren hatte der bekannte Naturfilmer Sigurd Tesche die Sichtung eines Bibers am Lauf der Wupper gemeldet. Dem Kameramann Ralf Steinberg war es bei Nacht gelungen, das Tier zu fotografieren. „Ralf hat eine Infrarot-Wildcam aufgestellt. Irgendwann in der Nacht kam dann der Biber und lief vor der Linse her“, berichtete Tesche damals dem Tageblatt. Wo Steinberg den bergischen Biber aufspürte, wollen die Naturfilmer vorsichtshalber erst einmal nicht preisgeben.

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