Was Nebenan Passiert Aus Dem Bezirk Wald: Denkmalschutz fürs Villen-Ensemble

Was Nebenan Passiert Aus Dem Bezirk Wald: Denkmalschutz fürs Villen-Ensemble

Die herrschaftlichen Wohnhäuser entlang der südlichen Weyerstraße stehen für die Geschichte einer bedeutenden Unternehmerfamilie: Kortenbach und Rauh, vor 100 Jahren mit 1200 Mitarbeitern einer der größten Betriebe Solingens.

Einst war es die "Chaussee nach Ohligs". Jedenfalls sind entlang der südlichen Weyerstraße in der Zeit von circa 1875 bis 1908 eine Reihe herrschaftlicher Wohnhäuser entstanden. Jetzt hat sich die Bezirksvertretung Wald in ihrer jüngsten Sitzung beim Paritätischen am Weyer dafür ausgesprochen, das Villenensemble mit den drei Häusern Weyerstraße 301, 227 und 223 in die Denkmalliste aufzunehmen. Mit dem Eigentümer der spätklassizistischen, fast barockhaft gestalteten Villa mit dem prägnanten Turm an der Weyerstraße 301 soll die Verwaltung auf Wunsch der Stadtteilpolitiker allerdings noch einmal Gespräche führen, um Zustimmung für den Denkmalschutz zu werben, mit dem Auflagen verbunden sind.

Die Villenarchitektur an der südlichen Weyerstraße sei ein bauliches Zeichen für die Entwicklung der Unternehmerfamilie Kortenbach und Rauh, betonte Jens-Peter Foitzik, Abteilungsleiter Denkmalpflege bei der Stadt Solingen. Die drei Häuser zeigen nach seinen Worten jeweils unterschiedliche Bauepochen: Nummer 301 steht für den preußischen Klassizismus; bei 227 findet sich bereits ein Stilgemisch wie bei Gründerzeitbauten; und 223 zeigt schon Elemente des Jugendstils beziehungsweise des Art Deco.

Die Villen sind baugeschichtlich bedeutend für die Stadt als Beispiel des wohlhabenden Bürgertums der Zeit bis zum Ersten Weltkrieg. Sie zeigen das Selbstverständnis einer der wichtigsten Solinger Fabrikantenfamilien, die für Entwicklung der Schirmindustrie wegweisend waren.

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Der Unternehmer August Kortenbach errichtete um 1860 das erste Wohnhaus an der Weyerstraße (heute Nummer 299), das sein Sohn August 1894 mit einer repräsentativen Stuckfassade und einem Aufbau für Veranda und Balkon erweitert. Auf dem Nachbargrundstück baut sein Sohn Emil Kortenbach um 1875 die Villa Weyerstraße 301. Karl Worring, der Mathilde Kortenbach geheiratet hatte, baute 1889 die Villa Weyerstraße 227 als Wohnhaus für seine Familie sowie 1908 die benachbarte Villa Weyerstraße 223 als Hochzeitsgeschenk für seine Tochter Mathilde. Die auf Schirmfurnituren spezialisierte Firma Kortenbach + Rauh, die 1855 am Weyer gegründet wurde, gehörte 1914 mit 1200 Mitarbeitern zu den größten Betrieben Solingens. Der in Wald entwickelte selbstöffnende Regenschirm mit dem kaiserlichen Patent war wesentlich leichter, als die bisher bekannten sehr schweren, unhandlichen Schirme. Mit der Produktion von Taschenschirmen in den 1930er Jahren erlangte die Firma eine Weltmarktstellung. Der "Kobold" steht schließlich für den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg.

1982 übernahm das Unternehmen den Schirmbereich des zweiten Solinger Schirmherstellers, Bremshey AG, die seit 1928 den "Knirps" produziert. 1999 wurde die Fertigung von Schirmen in Solingen eingestellt. "Kobold" und "Knirps" werden nun in Lizenz im Ausland hergestellt.

Nach einigen Umfirmierungen existiert Kortenbach + Rauh auch heute noch — wenn auch deutlich verkleinert am alten Walder Standort. Die lange Erfahrung bei der Metallverarbeitung nutzt die Firma nunmehr als Zulieferer für die Automobilindustrie.

(RP)
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