Baudenkmäler in Solingen Pauken in historischen Räumen

Serie | Solingen · In über einem Dutzend denkmalgeschützter Schulgebäude findet in Solingen noch immer regelmäßig Unterricht statt. Sie immer wieder auf den neuesten Stand zu bringen, ist eine Herausforderung.

 Die Grundschule Rosenkamp wurde erweitert, damit die inzwischen 200 Kinder nicht mehr in Container ausweichen müssen.

Die Grundschule Rosenkamp wurde erweitert, damit die inzwischen 200 Kinder nicht mehr in Container ausweichen müssen.

Foto: Peter Meuter

Baudenkmäler sind zweifellos oft die Aushängeschilder einer Stadt. Sie halten die Erinnerung an vergangene Zeiten wach, atmen den Geist der Geschichte und versprühen vielfach einen besonderen Charme. Wer jedoch in ihnen wohnt oder arbeitet, kennt oft noch eine andere Seite: Wenn es ans Renovieren oder zeitgemäße Umrüsten geht, wird es kompliziert. Schließlich will alles bis ins Detail mit der zuständigen Behörde abgestimmt sein. Das ist bei öffentlichen Gebäuden nicht anders – auch nicht an Schulen, die immer wieder einem Wandel unterworfen sind: Dort muss man schließlich Räume an schwankende Schülerzahlen und Übermittagsbetreuung anpassen oder dem Anspruch auf Barrierefreiheit Rechnung tragen – von der Umsetzung neuerer Brandschutzvorschriften ganz zu schweigen. 21 Schulgebäude stehen auf der Solinger Denkmalliste, 16 davon im Eigentum der Stadt. Und wiederum 13 werden noch immer für den Schulbetrieb genutzt.

Eines dieser Gebäude beheimatet die Grundschule Am Rosenkamp an der Heidstraße. Ihre Geschichte ist durchaus beispielhaft für die Weiterentwicklung vieler alter Schulen. Die Worte „Liebe Licht Leben“ sind auf den Bogen über der grünen Eingangstür zu lesen, darüber prangt die Jahreszahl: „A.D. 1910“. Ein „neubergischer Dreiklang“ kennzeichnet das imposante Bauwerk: Auf dem unteren Abschnitt der Fassade fallen die groben Mauersteine aus Grauwacke auf, darüber die weiß verputzte, stuckverzierte Wand mit ihren hohen Sprossenfenstern, und schließlich die zwei verschieferten Giebel des steil aufragenden Daches, auf dem, wie eine kleine Zugabe des Architekten, ein kleines Türmchen, auch Firstreiter genannt, thront.

Schon in der ausgehenden Kaiserzeit mit ihren bekannt strengen Sitten drückten hier Kinder die Schulbank. Als Volksschule erbaut, wurde an diesen Platz später die Pflichtfortbildungsschule als Berufsschule verlegt. In Kriegszeiten soll das Gebäude als Lazarett gedient haben. 1984 war das Jahr, in dem die meisten als schutzwürdig eingestuften Schulen auf die Denkmalliste gelangten – so auch die Grundschule Am Rosenkamp.

Über 200 Kinder lernen dort heute fürs Leben. Jahrelang brauchte es dafür zusätzliche Pavillons auf dem Gelände, es mangelte an Räumen. Ein Neubau musste her. Der kam schließlich im Jahr 2019, bietet Platz für die Mensa, vier Klassenräume und die OGS-Betreuung und ist vom Altbau aus über einen überdachten Teil des Schulhofes trockenen Fußes erreichbar. Sein Erscheinungsbild nimmt sich im Vergleich zum geradezu kunstvollen Altbau eher nüchtern aus, mit seiner rechteckigen Form und seinem nur minimal geneigten Dach.

Es gehe nicht darum, den Altbau zu imitieren, erklärt Barbara Ley, Abteilungsleiterin beim Städtischen Gebäudemanagement: „Es ist ganz klar erwünscht, dass man den Unterschied erkennt.“ Wichtig sei auch, dass der Erweiterungsbau den Blick auf das Baudenkmal nicht störe. Und schließlich ist auch die Farbwahl des neuen Traktes auf das Haupthaus angepasst, erinnert doch die anthrazitfarbene Ziegelfassade an die Verschieferung von Teilen des Altbaus. Alles sei eng mit der Denkmalschutzbehörde abgestimmt worden, sagt Ley.

Auch an anderer Stelle des Schulgeländes galt es, Denkmalschutzbelange zu berücksichtigen: Beim Austausch des durchgerosteten Zauns um das Außengelände durch ein höheres und daher sichereres Stahlgeländer habe man die darunterliegende Mauer erhalten, erklärt Landschaftsarchitekt Dirk Scheunpflug von den Technischen Betrieben.

Doch auch an vielen anderen denkmalgeschützten Schulen gab und gibt es eine Menge zu tun, um die Lernorte fit für die Zukunft zu machen: An der Gesamtschule Höhscheid an der Zweigstraße etwa wurde 2022 ein Erweiterungsneubau fertiggestellt, die Bestandsgebäude hatte man zuvor bereits umfassend saniert. Denkmalgerechte Sanierungen sind laut Stadt für die nähere Zukunft zum Beispiel am Haus 9 des Technischen Berufskollegs an der Blumenstraße sowie in den Grundschulen Meigen und Kreuzweg – an letzterer mitsamt Erweiterung – geplant.

 Über der Eingangstür steht „Liebe Licht Leben“.

Über der Eingangstür steht „Liebe Licht Leben“.

Foto: Peter Meuter

Und dann gibt es natürlich auch immer wieder die kleinen Dinge, die die Nutzer der altehrwürdigen Bauten beschäftigen. „Für Maßnahmen, die dem Erhalten der denkmalwerten Substanz dienen, etwa die Sanierung bauzeitlicher Fenster, können Denkmalfördermittel beantragt werden“, heißt es von der Stadt. Denn, so malerisch die ­Gebäude auch sind, ihre altersbedingten Macken zeigen sich im Alltag eben doch, wie mehrere Lehrende unisono berichten: „Manchmal zieht es, und durch die Fenster dringt Regen ein.“

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