Baudenkmäler in Solingen Neues Leben in historischem Industrie-Standort

Serie | Solingen · Seit fast 140 Jahren gehört das Gelände der ehemaligen Firma Hammerstein zur Solinger Industriekultur. Nach der Übernahme durch den Automobilzulieferer Adient steht nun ein neuer Wechsel an.

Das Verwaltungsgebäude aus dem Jahr 1885 steht unter Denkmalschutz. Hier wird auch künftig der Automobilzulieferer Adient sitzen.

Das Verwaltungsgebäude aus dem Jahr 1885 steht unter Denkmalschutz. Hier wird auch künftig der Automobilzulieferer Adient sitzen.

Foto: Meuter, Peter (pm)

Das denkmalgeschützte Hauptgebäude ist in gutem Zustand. Von außen erinnert es mit seiner Backstein-Fassade an die jahrhundertealte Geschichte des Geländes. Drinnen wirkt es modern, mit automatisierten Glastüren und elektronischem Empfangsschalter. Mehr Arbeit werden die Hallen im hinteren Bereich des Grundstücks machen – besonders die, die fast so alt sind wie das Hauptgebäude aus dem Jahr 1885. Eine Halle muss vermutlich abgerissen werden. Zurzeit ist sie aufgrund einer maroden Decke nicht betretbar.

Das ehemalige Produktionsgelände der Firma C. Rob. Hammerstein wurde im Laufe der Unternehmensgeschichte immer wieder um neue Bauten erweitert. So ergibt sich ein bunter Mix der Baustile. Bald schon soll das alles in einem neuen Glanz erstrahlen, wenn es nach den Investoren Timur Yilmaz und Nicolas Spengler geht. Die beiden Solinger planen, einen Gewerbepark zu errichten. Dafür laufen gerade die Vorbereitungen.

Yilmaz und Spengler haben das Gelände kürzlich vom Vorbesitzer Adient erworben. Der Automobilzulieferer wird mit rund 120 Beschäftigten als Mieter an der Merscheider Straße bleiben, benötigt aber inzwischen weniger Fläche und hat das Areal deswegen verkauft. Künftig wird Adient sich den Standort mit weiteren Solinger Unternehmen teilen. „Über 20 verschiedene Unternehmen haben uns schon angefragt“, erzählt Timur Yilmaz bei einem Ortsbesuch.

Timur Yilmaz (l.), Nicolas Spengler (r.) und die Architektin Magdalena Kuchta wollen auf dem Gelände einen Gewerbepark errichten.

Timur Yilmaz (l.), Nicolas Spengler (r.) und die Architektin Magdalena Kuchta wollen auf dem Gelände einen Gewerbepark errichten.

Foto: Carolin Streckmann

Spengler und er müssen nun überlegen, wie genau sie den Standort künftig gestalten wollen. „Wir wollen auf eine homogene Mieterstrategie achten“, sagt Yilmaz. Unklar sei zurzeit, ob man auf einige wenige größere Unternehmen neben Adient als Mieter setzen wolle oder auf mehrere kleinere oder mittelgroße. Wahrscheinlich sei bereits, dass das Gelände nicht ausschließlich produzierendem Gewerbe vorbehalten bleiben soll. „Es haben sich einige Dienstleister gemeldet, auch größere Handwerksbetriebe“, sagt Yilmaz.

Die Arbeiten an dem historischen Areal sollen auf die neuen Mieter abgestimmt werden. Es sei ein umfangreiches und interessantes Projekt, sagt die Architektin Magdalena Kuchta, die bei einem Rundgang über das Gelände immer wieder Fotos von den alten Gebäuden schießt oder die Deckenhöhe der Hallen misst, um die benötigten Daten für ihre Arbeit zu sammeln. „Vieles wird sich noch ergeben, wenn die künftigen Mieter feststehen“, sagt sie. Dann könne man genauere Details über die Aufteilung der Räumlichkeiten und die Installation der Technik erarbeiten. „Ich weiß auch noch nicht, ob wir eventuell nach außen ausbauen“, sagt die Architektin.

Sie sieht den Standort für eine vielfältige Nutzung als gut geeignet, da er von mehreren Seiten anfahrbar sei. Außerdem sei er relativ ebenerdig über die gesamten 36.000 Quadratmeter. „Das große Interesse der Unternehmen kommt wohl auch daher, dass hier sehr große Flächen zur Verfügung stehen“, sagt Kuchta.

 Die baufällige alte Halle im hinteren Bereich des Geländes soll voraussichtlich abgerissen werden. 
  Fotos (2): Carolin Streckmann

Die baufällige alte Halle im hinteren Bereich des Geländes soll voraussichtlich abgerissen werden. Fotos (2): Carolin Streckmann

Foto: Carolin Streckmann

Die ersten Mietverträge sollen ab November laufen. Parallel dazu planen Yilmaz und Spengler, dass das Sanieren und auch der Vermietungsprozess auf der gesamten Fläche sich über die kommenden zwei Jahre erstrecken wird. „Wenn wir dazu noch neu bauen, kommen zwei weitere Jahre oben drauf“, sagt Yilmaz mit Blick auf die marode Halle im hinteren Grundstücks-Bereich. Eine Sanierung werde sich hier voraussichtlich nicht lohnen. Sie wäre zu umfangreich.

Immerhin: Zum Großteil befinde sich das Gelände mit seinen verschiedenen Hallen in gutem Zustand. Das gelte besonders für das denkmalgeschützte Hauptgebäude. „Die Vorgesellschaft hat das Objekt wirklich sehr gut gepflegt und in Schuss gehalten“, sagt Yilmaz über Adient, die in dem Gebäude an der Front des Areals bleiben werden.

Das erleichtere die anstehenden Arbeiten, da man dadurch weniger auf Richtlinien der Denkmalschutzbehörde achten müsse, sagt Yilmaz. „Nur die obere Etage unterm Dach ist noch nicht ausgebaut.“ Auf dem restlichen Gelände sei der Sanierungsbedarf unterschiedlich groß, auch abhängig vom Baujahr der einzelnen Gebäude.

Yilmaz und Spengler wollen viel Arbeit in den historischen Standort stecken. „Wir sind Solingen als Stadt grundsätzlich verbunden“, sagt Yilmaz über die Motivation für das Projekt. Man wolle, dass das Gelände, das einen bedeutenden Platz in der Industriekultur der Stadt einnimmt, in Solinger Hand bleibe. Zudem handele es sich um historisch schöne, gut erhaltene Gebäude in guter Lage, sagt Yilmaz.

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