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Solingen: Den Opfern einen Namen geben

Solingen : Den Opfern einen Namen geben

Vor drei Jahren hat der Unterstützerkreis Stolpersteine seine Arbeit aufgenommen. Hans-Günter Koch hält die Würdigung der Opfer und Widerstandskämpfer des Nationalsozialismus für notwendig.

Kommenden Mittwoch werden in Solingen fünf weitere Stolpersteine durch den Künstler Gunter Demnig verlegt. Begonnen wird um 15.30 Uhr auf der Mummstraße. Mit diesen in den Boden eingelassenen Steinen werden die Widerstandskämpfer und Opfer des Nationalsozialismus gewürdigt. Die Organisation vor Ort übernimmt der Unterstützerkreis Stolpersteine. Redakteurin Andrea Röhrig sprach mit Hans-Günter Koch.

Wann hat der Unterstützerkreis mit der Aktion in Solingen begonnen?

Koch Vor drei Jahren. Seitdem haben wir bereits 50 Stolpersteine durch den Künstler verlegen lassen.

Im Vergleich zu anderen Städten: Ist das viel oder eher wenig?

Koch Ich denke, das ist schon viel. Zudem kommen diese Woche ja noch fünf weitere hinzu. Zirka 150 könnten wir aber sicherlich verlegen lassen.

Warum engagieren Sie sich für diese Sache?

Koch Ich erachte es für notwendig, dass wir die Opfer würdigen. Oder wie es die Intention des Künstlers ist: Den Opfern wieder einen Namen zu geben. In den Lagern wurden sie ja nur mit ihren Nummern angesprochen.

Was steht auf den Steinen?

Koch Am Mittwoch wird auch für den kommunistischen Widerstandskämpfer Ernst Bertram ein Stein an der Altenhoferstraße 76 verlegt. Auf dem Stein steht: „Hier wohnte Ernst Bertram, Jahrgang 1909, im Widerstand, verhaftet Mai 1935, Zuchthaus Brandenburg, Tot 29. Oktober 1938”.

Woher haben Sie die Informationen zu den Opfern?

Koch Das ist unter anderem die Aufgabe des Unterstützerkreises. Wir recherchieren. Etwa in den Daten des Stadtarchivs sowie in der Literatur. Es gibt in Solingen Bücher über das jüdische Leben und auch über den Widerstand. Das Stadtarchiv hat zudem einige Biographien ins Internet gestellt.

Sie würdigen mit den Stolpersteinen sowohl politisch Verfolgte als auch jüdische Opfer des Holocaustes...

Koch ...wir hatten auch vor, die Aktion auf Sinti-Opfer auszudehnen. Doch bei Gesprächen mit Vertretern dieser Volksgruppe war schnell klar, dass die das nicht wollten. Sie sehen einen Stein auf der Erde nicht als geeigneten Ort des Gedenkens an. Wir überlegen nun, ob wir – neben unserem Denkmal für Sinti an der Korkenziehertrasse – für diese Opfer nun Tafeln aufstellen.

Gibt es ähnliche Vorbehalte aus den jüdischen Gemeinden?

Koch Wir haben in Nordrhein-Westfalen noch nicht gehört, dass es von dort aus Bedenken gibt.

Planen Sie für dieses Jahr noch weitere Stein-Verlegungen?

Koch Wir würden gerne, allerdings sind wir darauf angewiesen, dass der Künstler, der die Steine immer selber verlegt, Zeit hat. Herr Demnig ist sehr eingespannt. Über 6000 dieser Steine hat er bereits verlegt. Mittlerweile ist er sogar schon im Ausland aktiv. Ob wir in diesem Jahr noch einen weiteren Termin bekommen, ist wohl eher fraglich.

Wer finanziert die Steine?

Koch Wir suchen für jeden einen Paten. Der zahlt einen Kostenbeitrag in Höhe von 95 Euro. Auch wenn wir bereits Paten für Steine in Petto haben, suchen wir immer noch weitere Menschen, die diese Aktion unterstützen wollen.

Gibt es auf die Steine eigentlich Resonanz?

Koch Ja. So gab es unter anderem von einer Einrichtung der Volkshochschule eine Anfrage, ob es eine Führung zu den Steinen gibt. Das habe ich dann im Rahmen des Antifaschistischen Stadtrundgangs gemacht. Eine Rundstrecke zu allen Steinen wäre aber zu aufwändig. Dafür liegen diese zu weit auseinander.

Sind schon mal Steine weggekommen?

Koch Bei den Umbauarbeiten für den Neumarkt. Dort lagen drei Stolpersteine. Bei den Pflasterarbeiten wurden sie sorgfältig ausgebaut und zur Seite gelegt, nun aber sind sie verschwunden. Allerdings hat die zuständige Baufirma zugesagt, die Kosten für den Ersatz zu übernehmen.

(RP)