Curt Mertens: Den Industriestandort langfristig sichern

Curt Mertens : Den Industriestandort langfristig sichern

Der Solinger Unternehmer und Vize-Präsident der IHK ist zum Dialog mit dem Stadtrat und der Verwaltung bereit.

Der Streit um die Ausweisung von neuen Gewerbegebieten wird heftiger. Musste die Wirtschaft mit einem Bürgerantrag handeln, um ihre Positionen klar zu machen?

Mertens Ja — die Wirtschaft muss und wird in Zukunft jede Gelegenheit wahrnehmen, gehört zu werden. Dazu zählt auch ein Bürgerantrag, ebenso wie der Besuch von Ausschuss- oder Ratssitzungen. Wir haben zudem mit dem neuen IHK-Präsidenten Thomas Meyer in diesem Jahr zahlreiche Gespräche mit politischen Parteien geführt und wollen diesen Kontakt zu allen Parteien weiter ausbauen. Überall da, wo wirtschaftlicher Sachverstand gefragt ist, werden wir uns einbringen. Die Mitglieder des Bezirksausschusses Solingen der IHK haben einstimmig beschlossen, sich mehr als bisher für die Belange der Stadt Solingen einzusetzen und darüber hinaus die große Bedeutung der Industrie gerade für unsere Region nach außen zu vermitteln.

Was erwarten Sie jetzt von Rat und Verwaltung?

Mertens Die Interessen der Wirtschaft müssen bereits in der Planungsphase mit einbezogen werden. Wir stehen auch hier zum Dialog bereit.

Fürkeltrath II, Piepersberg-West, Buschfeld, Keusenhof, Schrodtberg — sehen Sie hier trotz des Engagements von Bürgerinitiativen Möglichkeiten, Flächen für die Solinger Wirtschaft oder aber Unternehmen von außerhalb zu entwickeln?

Mertens Es gibt keine Alternativen. Wir müssen gemeinsam entsprechende Flächen bereitstellen.

Und wenn das nicht gelingt?

Mertens Das kann kein Szenario sein.

Immer wieder wird auch die Nutzung von Gewerbebrachen ins Spiel gebracht. Reicht das alleine aus?

Mertens Das alleine reicht nicht aus. Ich verweise in diesem Zusammenhang auf die vorliegenden Zahlen, die von der Stadt zu den bisherigen Sitzungen vorgelegt wurden.

Sind Ökologie und Ökonomie in Solingen miteinander vereinbar?

Mertens Ja — das sind sie, und zwar nicht erst seit heute. Die ökologischen Auflagen in einem Gewerbegebiet sind gewaltig und immer mit hohen Investitionen für die Wirtschaft verbunden. So wäre in einem Gewerbegebiet eine Holzheizung — wie diese bei einem privaten Hausbau eingesetzt wird — nicht genehmigungsfähig. Die ökologischen Standards, die ein Unternehmen zu erfüllen hat, sind um ein Vielfaches höher, als im privaten Wohnungsbau.

Machen Sie sich Sorgen um den Wirtschafts- beziehungsweise Industriestandort Solingen?

Mertens Ich mache mir Gedanken, wie wir die Weichen für mehr Planungssicherheit stellen können, um den Wirtschafts- und Industriestandort Solingen in der Region langfristig zu sichern. Es geht um Vorsorge und um eine neue Art des Dialogs der Interessenträger. Gleichzeitig werbe ich mit Thomas Meyer und meinen Kollegen in der IHK für ein nachhaltiges Wirtschaften in unserer Stadt. Eigentlich gibt es eine durchaus wirtschaftsfreundliche Stimmung in der Bevölkerung. Aber es ist dringend erforderlich, dass wir dauerhaft die Anliegen der Wirtschaft mit in die Entscheidungsprozesse einbinden. Nur wenn es gelingt, Arbeitsplätze zu sichern und neue zu schaffen, werden die Unternehmen in der Lage sein, ihren Beitrag zur Weiterentwicklung des Standortes zu leisten. In diesem Zusammenhang darf ich darüber informieren, dass die IHK zurzeit an einem Masterplan Industrie im Städtedreieck arbeitet.

UWE VETTER FÜHRTE DAS GESPRÄCH MIT CURT MERTENS.

(RP)
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