1. NRW
  2. Städte
  3. Solingen

Solingen: Den Fiskus um 30 Millionen betrogen?

Solingen : Den Fiskus um 30 Millionen betrogen?

Der Geschäftsführer einer Solinger Steuerberatungsgesellschaft hatte sich auf ein so genanntes Mehrwertsteuer-Karussell gesetzt. Und in der Tat: Die Summen, die im neuen Jahr Gegenstand eines spektakulären Strafverfahrens vor der 6. Großen Strafkammer am Wuppertaler Landgericht sein werden, lassen einen gerade zu schwindelig werden.

Mehr als 30 Millionen Euro, so der Vorwurf gegen insgesamt elf Angeklagte, soll eine ganze Bande von Wirtschaftskriminellen mit europaweit verschobenen Computerteilen am deutschen Fiskus vorbeigeschleust haben.

Dabei hatten sich die mutmaßlichen Steuerbetrüger, die erst im vergangenen Frühjahr aufflogen, zunächst einmal des Umstandes bedient, dass die Einfuhr von eben diesem PC-Zubehör aus anderen EU-Staaten steuerfrei ist.

In Deutschland gründeten die Verdächtigen, so die Anklage, eine Scheinfirma, deren einziger Zweck es dabei war, von anderen, im Ausland ansässigen Unternehmen der Bande die Computerteile zu erwerben. Jedenfalls, kaum war die Ware in der Bundesrepublik angekommen, da wurde sie auch schon an Mittelsmänner im ganzen Bundesgebiet mit minimalen Aufschlag im Vergleich zum zuvor gelöhnten Einkaufspreis weitergereicht. Und jetzt kam das Karussell so richtig ans Laufen. Denn die Bande gab diese Geschäfte bei einer Reihe von Finanzämtern an, exportierte den PC-Bedarf aber gleichzeitig wieder zurück ins Ausland – und machte bei den Beamten, die nicht ahnten, dass es sich lediglich um Scheingeschäfte handelte, später eine Erstattung der insgesamt angefallenen, gleichwohl jedoch noch nicht sofort entrichteten Vorsteuern geltend.

  • Mehr als 20 Wagen gestohlen : Kölner Polizei fasst technisch versierte Autoknacker-Bande
  • Berlin : 1,3 Millionen Hinweise aus dem Ausland für Fiskus
  • Vorwurf der Steuerhinterziehung : Falcao zahlt acht Millionen an Spaniens Fiskus

Seit 2004 sollen der Besitzer der Solinger Steuerberatungsfirma sowie seine Komplizen auf diese Weise das große finanzielle Rad gedreht haben. Offenbar eine Methode, die aus der Not geboren wurde. Im Jahr 2000 hatte der Hauptverdächtige die Steuerberatung in der Klingenstadt als Geschäftsführer übernommen. Allerdings, der Laden lief – wider alle zuvor gehegten Hoffungen – eher schlecht als recht.

Und als dann auch private Geldprobleme den Mann plagten, da soll er zusammen mit den anderen Verdächtigen das grenzenlose Mehrwertsteuer-Karussell in Schwung gebracht haben. Bis ihm sowie seinen "Geschäftspartnern" die Steuerfahndung auf die Schliche kam und die gesamte Bande aus dieser Art von lukrativem Grenzverkehr zog.

(RP)