Das Stadtteildenken ist in Solingen weiter ausgeprägt

Ansichtssache : Das Stadtteildenken ist in Solingen weiter ausgeprägt

Ohligs boomt. Das weckt Begehrlichkeiten in den anderen Stadtteilen. Die „Wald-Arbeiter“ fordern Verbesserungen für den ältesten Solinger Stadtteil.

Das Stadtteildenken ist in der Klingenstadt auch 90 Jahre nach dem Zusammenschluss der einst selbstständigen Städte Ohligs, Wald, Gräfrath und Höhscheid zur Großstadt Solingen – Burg kam erst 1975 dazu – weiter sehr ausgeprägt. Neidische Blicke hat es von daher schon immer gegeben. Vor allem dann, wenn in dem einen Stadtteil heftig investiert wird, in den anderen aber nichts passiert.

In Ohligs wird derzeit viel investiert. Es entsteht neuer Wohnraum auf dem ehemaligen Gelände der Textilfabrik Olbo in unmittelbarer Nähe zum Markt, das Gelände des alten Stadtions wird bebaut, und auch an der Ellerstraße entstehen neue Wohnungen. Die Hildener Straße wird saniert, die Fußgängerzone Düsseldorfer Straße wird ebenfalls auf Vordermann gebracht.

Das alles weckt Begehrlichkeiten in anderen Stadtteilen der Großstadt Solingen. Doch der Boom in Ohligs hat nichts mit Bevorzugung zu tun, vielmehr liegt es am Standort: Ohligs, nahe gelegen zur Rheinschiene, mit Hauptbahnhof und gar nicht so weit weg bis zur Autobahn hat Standortvorteile, die andere Stadtteile eben nicht haben. Gleichwohl ist es legitim, wenn jetzt der Stadtteil Wald, immerhin der älteste Solinger Stadtteil, lautstark Verbesserungen einfordert. Die „Wald-Arbeiter“ wollen ähnlich wie die „Ohligser Jongens“ ehrenamtlich Verbesserungen auf den Weg bringen.

Vor allem deswegen, weil städtische Einsparzwänge insbesondere Wald zu spüren bekam. Und hätte es nicht den unermüdlichen ehrenamtlichen Einsatz vieler Walder gegeben, wären beispielsweise die Jahnkampfbahn sowie das Freibad samt Freiluft-Eisanlage nicht mehr da. Ein Bürgerbüro ist in Wald schon lange nicht mehr zu finden.

Mehr Tempo, aber auch öffentliche Investitionen werden von den „Wald-Arbeitern“ gefordert, zunächst ein Stadtteilmanager, der die Fäden zusammenhält und Projekte gezielt angeht. Das auf den Weg gebrachte integrierte Stadtteil-Entwicklungskonzept muss flott umgesetzt werden.

Auch Wald hat Flächen für neuen Wohnraum. Der Zuzug würde wiederum den Einzelhandel stärken. Und nicht nur den Neu-Waldern wird einiges geboten: In Sachen Sport, Kultur und Bildung ist der Stadtteil besser als andere aufgestellt. Wald will sich für die Zukunft aufstellen – ohne Stadtteildenken geht das offenbar nicht.

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