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Solingen: Das Publikum entschied auf Freispruch

Solingen : Das Publikum entschied auf Freispruch

Kaum ein anderes Schauspiel hat in solch kurzer Zeit die Bühnen der Welt erobert, wie das Stück des Juristen Ferdinand von Schirach. In seinem Stück "Terror" fällten jetzt auch die Zuschauer in Solingen ein Urteil.

Durch die Fernsehausstrahlung vor wenigen Tagen war eigentlich damit zu rechnen, dass die Aufführung des Gerichtsdramas "Terror" im Theater nur schwach besucht sein würde. Aber genau das Gegenteil war der Fall, der Pina-Bausch-Saal im Solinger Theater war so gut wie ausverkauft. Der Autor führt das Publikum in seinem Stück in eine Gerichtsverhandlung. Der Pilot Lars Koch, gespielt von Christian Meyer, hat ein von Terroristen gekapertes Flugzeug mit etwa 160 Passagieren abgeschossen, um ein Attentat auf ein vollbesetztes Stadion zu verhindern. Ist er jetzt ein Verbrecher oder ein Held?

Für die Nebenklägerin, eindrucksvoll gespielt von Tina Rottensteiner, ist die Sache klar, sie hat ihren Mann verloren, ihre Tochter den Vater. Aber die Schuldfrage müssen allein die Zuschauer im Saal beantworten, nur ihnen obliegt das Urteil. Unter der Leitung des Vorsitzenden, verkörpert von Johannes Brandrup, entwickelt sich im nüchternen Bühnenbild eines Gerichtssaals ein faszinierendes Kammerspiel zwischen der Staatsanwältin (Annett Kruschke) und dem Verteidiger, gespielt von Christoph Schlemmer. "Ich habe gegen die Anweisung meines Vorgesetzten gehandelt, ich konnte nicht anders", teilte der Angeklagte freimütig dem Gericht in seiner Aussage mit. Christian Meyer spielte den Piloten mit überzeugter Haltung. Sein Vorgesetzter (Peter Donath) wird von der Staatsanwältin in die Enge gedrängt, eine Räumung des Stadions hätte eventuell den Abschuss verhindern können, es wurde versäumt. Im Plädoyer der beiden Kontrahenten offenbart sich das ganze Dilemma dieser juristischen Konstruktion. Die Staatsanwältin stellt das Gesetz über alles, im Artikel eins der Verfassung heißt es: "Die Würde des Menschen ist unantastbar". Dagegen appelliert der Verteidiger an den gesunden Menschenverstand des Gerichts. Prinzipien sollten nie die Entscheidungsfähigkeit des Menschen einschränken.

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Das Publikum im Pina-Bausch-Saal nahm seine schwierige Aufgabe durchaus ernst. Zwei Portale standen in der Pause im Foyer, links war für die Meinung unschuldig eingerichtet, und der rechte Durchgang verurteilte den Piloten. Wie im Fernsehen plädierten am Ende auch die Solinger Zuschauer gegen eine Verurteilung, und der Vorsitzende Richter musste den Freispruch verkünden - die alternative Schlussszene des Theaterstücks für den Schuldspruch blieb also ungespielt. Aber das Verhältnis von 223 Stimmen für schuldig zu 325 Stimmen für unschuldig machte deutlich, dass es bei dieser gespielten Gerichtsverhandlung nicht einfach war, ein Urteil zu fällen.

"Terror" stand auch in Solingen für einen spannenden Schauspielabend auf hohem Niveau. Die Darsteller schienen fast ein wenig überrascht über den stürmischen Beifall zu sein, der sogar in einer stehenden Ovation endete.

(wgü)