Solingen: Das Netzwerk klärt über Alkohol auf

Solingen : Das Netzwerk klärt über Alkohol auf

Was passiert, wenn man Schoko-Rumkugeln isst und danach sofort der Alkoholwert im Atem gemessen wird? Das Ergebnis überrascht.

Am Stand des Solinger Netzwerkes Sucht, der anlässlich der Aktionswoche Alkohol am Samstag im Hofgarten aufgebaut wurde, macht Wolfgang Bleidiesel, Suchtberater des Stadtdienstes Gesundheit, die Probe aufs Exempel. Nachdem er eine Rumkugel genascht hat, bläst er in den Alkoholtester. Der zeigt 0,6 Promille an.

Natürlich hat Wolfgang Bleidiesel zu diesem Zeitpunkt keine 0,6 Promille im Blut, aber das Experiment zeigt, dass nicht wenig Alkohol in diesen Rumkugeln steckt. Das ist auch bei vielen anderen Lebensmitteln wie Sauerkraut, Rotkraut, aber auch dem Weingummi der Fall. "Es müsste eigentlich ganz groß auf der Packung stehen, dass es für Kinder ungeeignet ist", sagt Petra Schwarz von der Caritas Suchtberatung.

Aber nicht nur alkoholisierte Produkte waren am Stand zu entdecken, auch die leckeren alkoholfreien Cocktails "Blauer Kapitän" und "Paradise Hunter" wurden frisch für die Besucher gemixt. "Wir geben auch Rezepte weiter, falls jemand einmal alkoholfrei feiern möchte", sagt Bleidiesel.

Zum ersten Mal hat das Solinger Netzwerk Alkohol, zu dem neben dem Stadtdienst Gesundheit auch Selbsthilfegruppen, wie das Blaue Kreuz und die Guttempler Gemeinschaft gehören, die LVR-Klinik Langenfeld, die Jugendförderung und das städtische Klinikum Solingen, einen gemeinsamen Stand organisiert, der in diesem Jahr unter dem Motto "Alkohol - weniger ist mehr" stand. Und das Interesse der Hofgarten-Besucher ist rege. Wie es aussieht, wenn die bekannte kleine Szene von "Dinner for One" eskaliert, zeigten eindrucksvoll die Schüler der Theatergruppe des Humboldtgymnasiums. Dabei wird die Wirkung des Alkohols deutlich gemacht und - ganz im Sinne echten Straßentheaters - ins Publikum hineingetragen. "Die Schüler haben das Drehbuch selbst geschrieben", betont Dr. Christiane Erbel vom Humboldtgymnasium.

Auch Kunstobjekte wurden von Schülern gestaltet und als Ausstellung in Hofgarten gezeigt, um auf die Folgen von Alkoholkonsum hinzuweisen. "Die Klientenanzahl ist gleichbleibend hoch", erklärt Wolfgang Bleidiesel, der schon 20 Jahren in der Suchtberatung tätig ist. "Es kommen vermehrt jüngere Leute", sagt Petra Schwarz. Außerdem sei die Diagnose breiter geworden.

So kämen zur Alkoholsucht meist noch psychische Erkrankungen oder der Konsum anderer Drogen hinzu. "Die Gesellschaft ist zugänglicher dafür geworden", meint Volker Maas von den Guttemplern.

Um Angehörige von Alkohol- und Spielsuchtkranken kümmert sich Petra Jastremski von der Caritas. Sie weiß: "Die Ursachen für die Sucht sind im Grunde dieselben."

(sue)