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Solingen: Das Nadelöhr der Stadt

Solingen : Das Nadelöhr der Stadt

Die Konrad-Adenauer-Straße kommt nicht zur Ruhe: Nach der Salafisten-Razzia schreckte ein Wasserrohrbruch Anlieger auf. Eine Fahrspur in Richtung City bleibt gesperrt. Verkehrsprobleme am Schlagbaum kommen hinzu.

Flohmarkt, Tanz und Bühnen-Show sollen am Samstag zum Nordstadtfest möglichst viele Besucher auf die Konrad-Adenauer-Straße und auf die Straßen rund ums Rathaus locken. Doch in Feierlaune ist das Quartier deswegen nicht. Der Wasserrohrbruch am Mittwochnachmittag hatte den Verkehr in die City lahmgelegt und Keller etwa im Eckhaus an der Kurfürstenstraße volllaufen lassen. Noch in der Nacht zum Donnerstag wurde zumindest eine Fahrspur in Richtung Innenstadt wieder freigegeben.

Nach Angaben der Polizei blieben die Folgen für den morgendlichen Berufsverkehr überschaubar. Längere Staus seien der Einsatzleitstelle nicht gemeldet worden. Offenbar hatten sich viele Berufspendler nach Radio- und Pressemeldungen auf die Lage eingestellt und waren Umwege gefahren.

Doch wird die Konrad-Adenauer-Straße in den kommenden Tagen ein Nadelöhr bleiben. Die offenbar durch Korrosion entstandenen Lecks in der Wasserleitung wurden in der Nacht beseitigt, meldet Stadtwerke-Sprecherin Maike Gässler-Dörr. Bis Mitte nächster Woche soll nun zunächst ein provisorischer Straßenbelag aufgebracht werden.

  • Fotos : Wasserrohrbruch Konrad-Adenauer-Straße
  • Solingen : Konrad-Adenauer-Straße bleibt ein Nadelöhr
  • Solingen : Scheidter Straße: Noch drei Wochen Baustelle

Während dieser Zeit ist stadteinwärts nur eine Spur befahrbar. Dann wird die Konrad-Adenauer-Straße für eine Erprobungszeit von etwa drei Wochen wieder komplett freigegeben, um sicherzustellen, dass nicht weiteres Erdreich abrutscht. Während der verkehrsärmeren Sommerferienzeit soll die Fahrbahndecke auf einer Länge von etwa 40 Meter von Grund auf erneuert werden.

Die Anwohner der Konrad-Adenauer-Straße erwarten indes mehr. Engere Fahrspuren, breitere Bürgersteige, begrünte Mittelstreifen — seit vielen Jahren liegen Pläne für den Umbau hin zu einem Boulevard in den Schubladen des Rathauses. Doch konnten sie aus finanziellen Gründen nicht umgesetzt werden. Anlieger wie Hausbesitzer Hans-Walter Schönlebe, Ute Klein (Fotostudio) und Dirk Mähler (Fitnesscenter) drücken weiter aufs Tempo. "Viele Geschäftsleute sind deprimiert", sagt Mähler. "Man hört immer nur vom neuen Einkaufszentrum, doch auf der Konrad-Adenauer-Straße tut sich nichts", so der Geschäftsmann. Den Kilometer langen Stau bis nach Gräfrath am Mittwochnachmittag griff gestern Morgenpost-Leser Hermann-Josef Lehner am "Heißen Draht" auf. Er kritisierte das Krisenmanagement der Ordnungskräfte. "Das war das absolute Chaos", so Lehner, man müsse doch kurzfristig in der Lage sein, wenigstens Ampelschaltungen auf Ausweichstraßen flexibler zu gestalten, damit der Verkehr einigermaßen fließt. "Es ging nicht vor und nicht zurück", monierte Hermann-Josef Lehner.

Er ist ohnehin sauer über die schleppenden Bauarbeiten im Bereich Scheidter Straße/Jahnstraße/Schlagbaumer Straße, die im November 2011 aufgenommen worden waren. Jetzt wurde angekündigt, dass die Bauarbeiten weitere vier Wochen in Anspruch nehmen werden. "Warum kann das dort nicht schneller bewältigt werden?", fragt sich auch Morgenpost-Leser Franz Grosjean.

Er hatte sich darüber beschwert, dass lediglich vier Bauarbeiter vor Ort seien. "Mehr seien nicht nötig", bekam er lapidar zur Antwort, die Grosjean natürlich nicht zufriedenstellte. "Man kann doch Teilstücke bearbeiten und fertigstellen. Dafür müssten den Baufirmen Fristen gesetzt werden. So wird in anderen Städten verfahren", weiß Franz Grosjean und fragt sich: "Warum ist das hier nicht möglich?"

Die Baustelle befinde sich im Zeitplan, sagte dagegen Stadtwerke-Sprecherin Maike Gässler-Dörr. Es handele sich um ein größeres Projekt, bei dem 700 Meter Gasleitung, 300 Meter Wasserleitung und zahlreiche Stromanschlüsse verlegt werden müssten. Bei den Absperrungen müssten sich die Stadtwerke an Vorgaben der Verkehrsbehörden richten.

(RP)