Ansichtssache: Das kränkelnde Klinikum braucht ein Fitness-Programm

Ansichtssache: Das kränkelnde Klinikum braucht ein Fitness-Programm

Das Krankenhaus soll weiter in kommunaler Trägerschaft bleiben, schreibt aber Verluste. 1,85 Millionen Euro kamen bis Ende August zusammen.

Die Stadt will sich nicht vom Klinikum trennen. Vielmehr soll es in kommunaler Trägerschaft bleiben und nicht an Private veräußert werden. Das ist löblich, das sichert Spielraum und Entscheidungsmöglichkeiten zum Wohl der gut 1800 Beschäftigten. Aber auch die Patienten können weiter darauf vertrauen, im Krankenhaus an der Gotenstraße gut behandelt und versorgt zu werden.

Was nicht heißt, dass man in Kliniken in privater Trägerschaft schlecht behandelt wird. Ein Verkauf würde schnell Geld in die klamme städtische Kasse bringen, doch auf Sicht wäre dieses Vorgehen nicht unbedingt vorteilhaft. Denn schon einmal hat sich die Stadt von einem eigenen Unternehmen getrennt - der Energiesparte der Stadtwerke. Jahre später wurde die ertragreiche Energiesparte von der MVV Energie AG wieder zurückgekauft. Das Unternehmen war wieder zu 100 Prozent städtisch. Das bedeutete aber auch 100 Prozent Verantwortung der Stadt für das Unternehmen.

Diese wird von der Verwaltungsspitze und der Politik auch beim Klinikum wahrgenommen. Schnellere und effizientere Führungs- sowie Entscheidungsstrukturen sind im städtischen Klinikum offenbar notwendig, um finanziell wieder eine Richtung einzuschlagen, die wieder in die Gewinnzone führt.

Zur schnellen Genesung beitragen soll eine Doppelspitze in der Geschäftsführung, die eine noch engere Verzahnung zwischen den kaufmännischen und medizinischen Bereichen einschließlich der Pflege sicherstellt. Das schlägt jedenfalls die Stadt als Träger des Krankenhauses der Politik vor und drückt aufs Tempo. Die Fraktionen und der Betriebsrat des Klinikums wurden bereits über die Strategie informiert. Und noch vor Weihnachten, am 19. Dezember, sollen die Weichen für die Zukunft gestellt und das neue Konzept in den zuständigen Gremien (Aufsichtsrat und Beteiligungsausschuss) vorgestellt und diskutiert werden. Alles mit dem Ziel, den Kernbereich des Klinikums - die medizinische Kompetenz - zu stärken. Denn eben wegen dieser Kompetenz lassen sich die Solinger und auch Auswärtige im Klinikum behandeln.

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Allerdings nicht so viele, wie es wirtschaftlich erforderlich wäre. Mit modernen und wettbewerbsfähigen medizinischen Konzepten will das Klinikum ein Haus der Maximalversorgung bleiben. Dabei ist Wirtschaftlichkeit aber auch für ein kommunales Unternehmen unabdingbar. Die Belegungszahlen müssen von daher verbessert werden. Einzelne Klinik-Abteilungen sind zuletzt hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Bis Ende August haben sich Verluste von 1,85 Millionen Euro aufgetürmt. Es wird sich zeigen, ob bereits ergriffene Maßnahmen das Minus bis zum Jahresende senken.

Sollten indes alle Therapien nicht anschlagen, ist zu überlegen, ob das städtische Krankenhaus wirklich alle Abteilungen vorhalten muss. Oder ob es nicht sinnvoller ist, mit anderen Häusern in der nahen Region gezielte Kooperationen einzugehen.

Das wäre für Solinger Patienten vielleicht nicht die allerbeste Lösung, wenn sie beispielsweise nach Wuppertal oder nach Düsseldorf ins Krankenhaus müssten, um sich operieren zu lassen. Aber für den sicheren kommunalen Bestand des Klinikums sollten alle Möglichkeiten - auch die Spezialisierung auf bestimmte Fachbereiche - mit ins Kalkül gezogen werden.

(RP)
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