Das Kaufhof-Aus ist das Ende einer Ära in Solingen

Der Kaufhof in Solingen schließt: Das Ende einer Ära, das seit langem abzusehen war

Der Kaufhof in Solingen ist ab Samstagabend Geschichte. Viel haben bis zuletzt nicht glauben wollen, dass es so kommt. Aber wer ehrlich ist, muss zugegeben: Warenhäuser sind in der Klingenstadt einfach aus der Zeit gefallen.

Manch einen, der am heutigen Samstag in die Innenstadt geht, um die Wochenend-Einkäufe zu erledigen, dürfte wohl ein etwas komisches Gefühl befallen. Denn der ultimative Verkaufstag von Galeria Kaufhof in der Klingenstadt bedeutet ohne Zweifel eine Zäsur. Mit dem Warenhauskonzern verlässt das letzte Großkaufhaus Solingen. Und eines lässt sich mit Sicherheit sagen: Es wird kein neues Warenhaus mehr kommen. Ihre Zeit ist unwiederbringlich vorbei.

Zumindest in Städten von der Größe sowie der Lage Solingens. Denn selbstverständlich ist der Beschluss aus der Kaufhof-Zentrale in Köln, das Kapitel Klingenstadt abzuschließen, eine Entscheidung auch gegen den Standort gewesen. Es mag sein, dass der Konzern schon lange zu wenig Geld in die Filiale an der oberen Hauptstraße gesteckt hat. Und zudem dürften die konkreten Bedingungen an der Fußgängerzone mit den vielen Leerständen die Entscheidung zum Abschied – vorsichtig ausgedrückt – nicht eben erschwert haben. Doch all das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Einkaufsstadt Solingen nicht mehr mit Warenhäusern dieser Größe kompatibel ist.

So verhielt es sich bereits 2008 bei der Karstadt-Schließung. Wobei es seitdem nicht besser wurde. Viele Kunden kaufen heute im Internet ein – was mit anderen Faktoren zur Folge hat, dass Dampfer wie Kaufhof, die noch dazu den Charme der 70er Jahre versprühen, auf der Strecke bleiben. Übel ist das vor allem für die Beschäftigten. Zumal parallel deutlich wird, dass sich der neue Fusionskonzern aus Karstadt und Kaufhof zunehmend auf die Metropolen konzentriert, wo man mit modernen Häusern ein kaufkräftiges Publikum zu gewinnen hofft.

Kaufkraft liegt zwar auch in Soligen. Aber die wird heutzutage eben eher ins Netz oder in besagte Metropolen getragen. Das sollten all jene bedenken, die nun für die Immobilie Wunder erwarten. Die wird es nicht geben. Und mit Woolworth ist die Richtung ja schon vorgezeichnet: Wenn neues Leben ins Gebäude zieht, dann wird es nur durch Anbieter aus dem tieferen Preissegment kommen.

Was bleibt vom Kaufhof? Er ist Geschichte. In den 91 Jahren seines Bestehens gab es schlimme wie gute Phasen. Die Entrechtung der alten jüdischen Eigentümer gehört genauso dazu wie die Erinnerung vieler Solinger an das strahlende Kaufhaus ihrer Kindheit und Jugend.

(or)