Solingen: Das Ende einer Ära bei der Arbeiterwohlfahrt

Solingen: Das Ende einer Ära bei der Arbeiterwohlfahrt

Mit einem Festakt im Walder Stadtsaal verabschiedete die Arbeiterwohlfahrt langjährige Vorstandsmitglieder und den Geschäftsführer.

Auf der Bühne spielten die Bobcats um Heinz Siering Swingtitel der 1940er und 1950er Jahre. Beschwingt war auch die Stimmung im voll besetzten Walder Stadtsaal. Erst als der offizielle Teil der Ehrung sich seinem Ende näherte, kullerten bei manchen Awo-Mitarbeitern die Tränen. "Wir scheiden aus dem Amt, aber nicht aus dem Leben", sagte Heinz Schreiber und wünschte sich einen fröhlichen Ausstand.

Der Wunsch wurde ihm gewährt. Nach 40 Jahren trat der 70-Jährige als Vorsitzender der Arbeiterwohlfahrt ab. Neben ihm verabschiedete der Wohlfahrtsverband am Samstag auch Geschäftsführer Bernd Böhm nach 35-jähriger Tätigkeit (die Morgenpost berichtete) sowie die stellvertretenden Vorsitzenden Martina Parusel und Berndt Pedain, Revisorin Aenne Franz und die Vorstandsmitglieder Thomas Wyplata und Ute Niederprüm.

Alle bekamen das "offene Herz", das Symbol der Awo als Metallkunstwerk von der Jugendhilfe-Werkstatt. "Ihr seid das Gesicht der Awo", würdigte Landtagsabgeordnete Iris Preuß-Buchholz (SPD) Heinz Schreiber und Bernd Böhm.

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"Dass es so lange werden würde, hätte ich nicht gedacht", sagte Schreiber. Der gelernte Kaufmann kam als "Seiteneinsteiger" zur Solinger Awo, deren Vorsitz er 1973 übernahm.

Wie sehr die Funktion sein Leben prägte, machte er mit einem Beispiel deutlich: "Ich habe geheiratet, als ich bei der Awo war, ich bin Vater geworden, als ich bei der Awo war, meine Familie kennt eigentlich nichts anderes." Nun sei die Zeit gekommen, einen Generationswechsel an der Spitze des Verbandes mit seinen rund 150 Mitarbeitern und über 500 Mitgliedern zu vollziehen.

Gerade der Solinger Kreisverband sei ein Muster an Beständigkeit, lobte Britta Altenkamp, Vorsitzende der Awo Niederrhein. Seit seinem Wiederaufbau ab 1947 hatte der Wohlfahrtsverband nur drei Vorsitzende gehabt. Die Neuanfänge nach dem Zweiten Weltkrieg mitgeprägt hatte die scheidende Revisorin Aenne Franz, inzwischen seit 65 Jahren Mitglied des Verbandes. Paul Saatkamp, Ehrenvorsitzender der Awo-Niederrhein, hielt die launige und sehr persönliche Laudatio auf Bernd Böhm, der sich auch über eine kreative Videobotschaft seiner Mitarbeiter freute. Lob für die Arbeit der Führungsriege der Arbeiterwohlfahrt fanden auch Dr. Christoph Humburg (Caritas) und Oberbürgermeister Norbert Feith (CDU): "Ihre Nachfolger treten in große Fußstapfen", sagte Feith und gab dem neuen Vorstand mit: "Wer nur in den Fußstapfen anderer geht, wird niemals seinen eigenen Weg finden."

(ied)
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