Creditreform-Bericht im Bergischen Land: Leverkusen zieht Gründer an

Creditreform-Analye zu Neugründungen und Insolvenzen : Leverkusen zieht die Gründer an

Creditreform: In Solingen gibt es seit 2015 mehr Gewerbeabmeldungen als Anmeldungen. Insolvenzen gehen zurück.

Leverkusen senkt 2020 den Gewerbesteuer-Hebesatz von 475 auf 250 Punkte: Diese Meldung hat nicht nur am Rhein für Furore gesorgt. Dabei verzeichnet Leverkusen – zum zweiten Mal in Folge – schon heute das größte Plus an neuen Unternehmungen, wie am Freitag Creditreform-Geschäftsführer Ole Kirschner berichtete.

Auf rund 2100 Gewerbeanmeldungen sollen in diesem Jahr nur 1500 Abmeldungen kommen (Hochrechnung auf Basis der ersten fünf Monate). 2018 lag der Saldo bei 519 „Neuexistenzen“. Solingen könnte erneut Schlusslicht sein: Creditreform erwartet 1430 An- und 1490 Abmeldungen. Im vergangenen Jahr lag das Minus mit 57 Firmen ähnlich hoch – wie auch schon 2016 (60) und 2017 (65). In Remscheid erwartet das Auskunfts- und Inkassounternehmen ein Plus von 50 Firmen (2018: 64).

Hier kann Creditreform nicht auf Zahlen der Gewerbemeldestelle zurückgreifen, sondern nutzt die eigene Datenbank für Hochrechnungen. Insgesamt seien in den elf untersuchten Städten mehr als 1000 neue Selbstständige zu erwarten (6900 An- und 5880 Abmeldungen).
Die meisten Gründer (71 Prozent) wollen Dienstleistungen anbieten. „Der Anteil der Dienstleister an den Neugründungen steigt massiv“, sagt Ole Kirschner. Seit 2014 ist der prozentuale Anteil der „Neuen“ höher als der allgemeine Anteil der Dienstleister an der hiesigen Wirtschaft (60 %).

Auf dem zweiten Platz liegen die neuen Händler, gefolgt von den neu eingetragenen Baufirmen und den Industriebetrieben. In allen drei dieser Hauptwirtschaftszweige gab es Rückgänge gegenüber 2018. Wie lange sich die neuen Firmen am Markt halten, wird ebenfalls von Creditreform untersucht. „Die Insolvenzanfälligkeit sinkt erst zehn Jahre nach der Gründung“, erläutert Ole Kirschner.

In den ersten beiden Jahren liegt die Insolvenzanfälligkeit mit 53 Prozent über dem Durchschnitt (Index 1,53), in den Jahren drei und vier ist sie sogar mehr als dreimal so hoch (Index 3,38). Besonders anfällig erweist sich die Unternehmergesellschaft“ (UG). „Von den unter dieser Rechtsform verzeichneten 923 Unternehmen sind in den ersten sechs Monaten 13 in die Insolvenz geschliddert“ (Index 5,23).

Insgesamt ging die Zahl der Insolvenzen 2019 zurück. Erwartet werden bis Jahresende 250 (2018: 290). Nach Orten aufgeschlüsselt, gab es die meisten Firmenzusammenbrüche in diesem Jahr in Haan (11 Insolvenzverfahren). In Burscheid ging dagegen in den ersten fünf Monaten kein Unternehmen pleite. Gut schnitten auch Monheim (Index 0,29) und Leichlingen ab (0,45). Solingen (0,96) und Remscheid (0,88) lagen ebenfalls noch unter dem Durchschnitt der Region, Leverkusen darüber (1,08).

Nach Branchen sortiert, gab es die meisten Pleiten im Handel (33). „Im Vorjahr konnte dieser Wirtschaftssektor noch einen unterdurchschnittlichen Index von 0,82 vorweisen“, vergleicht Ole Kirschner. Über dem Durchschnitt liegen auch das Baugewerbe (15 Betriebe, Index 1,39) und die Industrie (11, 1,15). „Im Vergleich zu 2018 hat die Insolvenzanfälligkeit der Dienstleister dagegen weiter abgenommen“ (45 Unternehmen, Index 0,72).

Unter dem Strich kam es durch die Pleiten zu einem Schaden von fast 100 Millionen Euro (ohne „nicht-öffentliche“ Fälle). Kirschner: „Viele kleine Firmen mit wenigen Mitarbeitern wickeln häufig eher stille Pleiten ab.“ Die Zahl der Beschäftigten, deren Arbeitsplatz in Gefahr ist oder die ihn bereits verloren haben, wird von Creditreform mit fast 900 angegeben. „Die Neugründungen lassen aber auf neue Stellen hoffen.“

Bei vielen Unternehmern sei die Stimmung noch rosig, berichtet der Geschäftsführer. „Früher oder später muss es aber kippen. Die Gesamtentwicklung der Wirtschaft wird nicht auf dem heutigen Niveau bleiben.“

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