1. NRW
  2. Städte
  3. Solingen

Coronavirus: Solinger entwickelt Anti-Viren-Tanke

Kreative Idee in der Corona-Krise : Solinger entwickelt Anti-Viren-Tanke

Ein Desinfektionsmittel, das man selbst abfüllen kann: Firmenchef Georg Meyer geht in Corona-Zeiten mit seiner Klimagriff GmbH neue Wege und sucht Mitstreiter.

Etwas Sicherheit tanken: Das wünscht sich momentan so mancher. Leicht gemacht wird es ihm nicht – Schutzausrüstung ist schwer zu haben und wird immer teurer. Auch Desinfektionsmittel werden knapp; Spirituosen-Hersteller schwenken um und stellen jetzt hochprozentigen Alkohol für die Händedesinfektion her. Auch Georg Meyer, Spezialist für Schimmelbeseitigung, hat den Bedarf erkannt und erweitert sein Angebot.

„Desinfektionsmittel führen wir seit über fünf Jahren. Unser Glück ist es, dass das Mittel auch viruzid ist“, sagt der Unternehmer von der Schützenstraße. 4000 Liter hat Meyer auf Lager. „Weitere 6000 sind für diese Woche zugesagt.“ Im März hörte der gelernte Handwerker und Informationselektroniker, dass nicht nur die Desinfektionsmittel, sondern auch die Behälter knapp wurden. „Da hat es im Kopf ,klick‘ gemacht“ – und die Idee der Desinfektions-Tankstelle war geboren.

„Mit den Desinfektionsmitteln produzieren wir auch Millionen von Plastikflaschen und damit Müll“, erläutert Meyer. Stattdessen sollen Behälter, die klein genug sind, dass man sie auch mitführen kann, immer wieder befüllt werden – etwa in Läden, Verwaltungen, Sportstudios und an Flughäfen. Eine Vorführ-Tankstelle hat Georg Meyer in den Räumen seiner Klimagriff GmbH aufgebaut. Die Maschine, die sonst für Lebensmittel genutzt wird, kommt aus Italien. Aber Meyer kann sich gut vorstellen, seine Tankstellen mit Hilfe regionaler Partner auch im Bergischen fertigen zu lassen.

„Die Geschäftsprozesse von gestern werden morgen keine Gültigkeit mehr haben. Wir müssen die Krise als Chance nutzen“, betont der Geschäftsführer. Deshalb hat er auch einen Vernebler im Sortiment, mit dem das Desinfektionsmittel beispielsweise in Fahrzeugen verteilt werden kann. Das Autohaus Nouvertné erprobt das System gerade. „Bisher dauert eine Desinfektion von Krankentransportern drei Stunden, mit dem Vernebler sind es keine fünf Minuten“, erläutert Meyer. Danach werden die Oberflächen noch mit einem Desinfektionstuch abgewischt. Der Vernebler kommt aus den USA. Wenn „America first“ demnächst die Lieferung nach Deutschland ganz verhindern sollte, kann sich Meyer auch für diese Maschine eine regionale Produktion vorstellen – Investoren und Partner vorausgesetzt. „Wir brauchen andere Unternehmer als Unterstützer.“

„Wir haben Ideen am laufenden Band“, erzählt Meyer. So ließe sich aus dem Material der Desinfektionstücher (die Kupferfäden enthalten) und einer Baumwolllage auch ein effektiver Mundschutz nähen. Für den Einzelhandel konstruiert ein Geschäftspartner gerade den Prototyp einer Luftschleuse. Weitere Angebote für Händler, die ihre Kunden und sich vor dem Virus schützen wollen, sind in Arbeit. Passend zur Desinfektions-Tankstelle sei auch eine Hygienestation denkbar, an der man etwa Mundschutzmasken ziehen könne. Die Maschinen will Meyer zum Kauf oder zum Leasen anbieten. Ob etwa das Desinfektionsmittel kostenlos gezapft werden kann oder Geld kostet (und wie viel), soll der Aufsteller entscheiden. Das Mittel sei „absolut unschädlich“ für Menschen, unterstreicht Meyer. „Nach der Reaktion mit den Schädlingen bleiben nur Salz und Wasser übrig.“

Auf den anderen Geschäftsfeldern der Klimagriff GmbH ist es ruhiger geworden, etwa bei der Schimmelsanierung. „Wir hatten 40 Atemschutzmasken und Anzüge für die Mitarbeiter bestellt“, sagt Meyer. Weil sie nicht alle gebraucht wurden, konnten 20 Einheiten ans Palliative Hospiz und das Städtische Klinikum weitergereicht werden. Zehn gingen durch Vermittlung der Mittelstandsvereinigung an eine Kinderarztpraxis. „Ein Kasten kostet sonst 27 Euro. Jetzt wird er für 270 Euro gehandelt“, ärgert sich der Unternehmer über die Preistreiberei.