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Coronavirus in Solingen: Diese Einschränkungen gelten in der Stadt

Auswirkungen der Corona-Krise : Coronavirus zwingt Solingen zu neuen Einschnitten

Die Zahl der Erkrankten steigt in der Klingenstadt scheinbar unaufhaltsam. Bars, Clubs und Diskotheken müssen ab Dienstag schließen. Weitere Einschränkungen sind möglich.

Leere Geschäfte, geschlossene Rathäuser, Restaurants, in denen die Gäste einen immer größeren Abstand halten müssen – das Coronavirus hat auch Solingen in eine Art Ausnahmezustand versetzt. Und auch die Zahl der Erkrankten kennt scheinbar nur eine Richtung – nach oben. So waren zu Beginn dieser Woche mittlerweile 29 Solinger mit dem Corona-Erreger infiziert, während sich 300 Personen in Quarantäne befinden und weitere 200 auf eine Infektion überprüft werden müssen.

Dementsprechend nahm Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) am Montagabend bei der Beschreibung der Situation kein Blatt vor den Mund. „Die Lage ist ernst“, sagte Kurzbach. Jeder müsse jetzt Verantwortung übernehmen. Nur mit dieser Bereitschaft lassen sich laut Kurzbach  die Optionen aufrecht erhalten, die derzeit noch möglich sind. Andernfalls werde jedoch der Punkt kommen, an dem weitere Verfügungen das Leben noch stärker einschränkten.

„Wir haben die Lage zurzeit im Griff“, versicherte der OB, der parallel aber auch betonte, das Gesundheitssystem in Solingen sei mittlerweile durchaus „beansprucht“. Gleichzeitig unterstrich der Oberbürgermeister, die Krise werde auch wirtschaftliche Spuren hinterlassen. So werde eine Hotline der Wirtschaftsförderung schon seit einigen Tagen verstärkt in Anspruch genommen.

In den Solinger Krankenhäusern arbeiten Ärzte, Schwestern und Pfleger derweil seit Tagen unter Hochdruck. Wie Vertreter des Krankenhauses Bethanien sowie des Städtischen Klinikums versicherten, habe es absoluten Vorrang, die Pandemie zumindest einzudämmen. Aus diesem Grund wurde inzwischen beispielsweise die Kantine im Klinikum geschlossen. Besuche bei Patienten sind bis auf Weiteres stark eingeschränkt.

Wie am Klingenbad gibt es an jeder geschlossenen öffentlichen Einrichtung ein Hinweis-Plakat. Foto: Guido Radtke

Die städtischen Rathäuser und andere Verwaltungsstellen bleiben noch bis mindestens Ende der Woche zu. Die Busse der Stadtwerke Solingen werden wiederum nur noch bis Mittwoch nach dem regulären Fahrplan fahren. Danach soll eine andere Taktung gelten, über die die Verkehrsbetriebe noch informieren werden, teilte die Stadt mit. Spielplätze bleiben zunächst offen.

Schließungen gelten ab Dienstag für sämtliche Bars, Clubs und Diskotheken, wie Ordnungsdezernent Jan Welzel (CDU) am Abend bekannt gab. Darüber hinaus hatte eine Rathaus-Sprecherin schon am Nachmittag angekündigt, die Regelungen für gastronomische Betriebe streng zu kontrollieren. „Es wird Kontrollen durch einen verstärkten Außendienst geben“, sagte die Sprecherin.

Ferner hieß es aus dem Rathaus, auch größere Ansammlungen – etwa von Jugendlichen im Hofgarten – würden aufgrund der damit verbundenen Infektionsgefahr nicht einfach so hingenommen. „Das Ordnungsamt wird dafür Sorge tragen, dass dort keine Treffen größerer Gruppen stattfinden“, betonte die Verwaltung, in der der kommunale Ordnungsdienst um 20 Mitarbeiter aufgestockt wird.

Sparkassen-Kassiererin Jagoda Nacev arbeitet seit Montag mit Gummi-Handschuhen. Foto: Uwe Vetter

Hofgarten Im Food Court des Hofgartens waren tatsächlich schon am Montag viele Plätze frei. Beispielsweise wurden Stühle auf die Tische gestellt, um den Gästen zu signalisieren, dass sich dort niemand zum Essen setzen durfte. „Wir wahren den Abstand zwischen den Tischen – so ist es vorgegeben“, erläuterte Center-Manager Ralf Lindl mit Blick auf die Maßnahme. Im Center herrschte Hochbetrieb zumindest bei Edeka und dem Drogerie-Markt. Schon am frühen Montagmorgen waren Regale beispielsweise mit Toilettenpapier leergefegt. Nur wenige Besucher hatten sich gegen Mittag in den verschiedenen Läden verirrt. „Wir fahren bis auf Weiteres normalen Betrieb“, betonte Ralf Lindl, Einschränkungen von Seiten der Stadt gebe es bislang nicht.

Stadt-Sparkasse Einige Meter weiter, in der Hauptstelle der Stadt-Sparkasse, hatte sich der Arbeitsalltag hingegen bereits verändert. Hinter den Service-Schaltern in der Kassenhalle waren zum Beispiel zusätzliche Abstandsbarrieren aufgestellt worden. Und die Mitarbeiter hatten zudem Gummi-Handschuhe übergezogen, um so den direkten Kontakt mit den Kunden zu meiden. Die Sparkasse nimmt in diesen Tagen eine „leicht erhöhte Nachfrage nach Bargeld“ wahr. Auf diese Situation habe man sich eingestellt. „Die Bargeldversorgung ist sichergestellt“, teilte die Sparkasse mit. Aktuell ist auch nicht geplant, Filialen zu schließen: „Wir halten den Geschäftsbetrieb in gewohnter Weise aufrecht“, versichert das Kreditinstitut, das „per Stand heute“ auch nicht über verkürzte Öffnungszeiten nachdenkt.

Lebenshilfe Die Lebenshilfe hatte hingegen bereits am Montagmorgen in einen Krisenmodus geschaltet. Wie Geschäftsführer Andreas Engeln später berichtete, wurde die Arbeit in der Werkstatt der Lebenshilfe an der Freiheitstraße – im Gegensatz zu Haus Müngsten und der Schwebefähre im Brückenpark – inzwischen in Gänze eingestellt. Parallel wurde dafür gesorgt, dass nicht selbstständige Mitarbeiter auf jeden Fall eine Betreuung haben. „Das war ein Kraftakt“, bekannte Engeln, der in der Werkstatt für 620 Mitarbeiter verantwortlich ist.