1. NRW
  2. Städte
  3. Solingen

Corona-Pandemie in Solingen: Stadt sieht Rückenwind für Klassenteilung

Schulunterricht in Corona-Pandemie : Stadt Solingen sieht Rückenwind für Konzept der Klassenteilung

Die Stadt Solingen sieht sich nach der Bund-Länder-Konferenz in ihrem Konzept der Klassenteilung für weiterführende Schulen bestätigt. NRW-Vize-Ministerpräsident Stamp zufolge fehlen Lehrer, um die Klassen im Wechsel in den Schulen zu unterrichten.

Vor zwei Wochen hatte die Stadt Solingen zur Bekämpfung der Pandemie angekündigt, dass wechselweise eine Hälfte einer Klasse im Präsenz-, die andere Hälfte daheim im Distanzunterricht lernen soll. Die NRW-Landesregierung erteilte dem eine Absage. Auch im Vorfeld der Runde von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten am Montag ging es unter anderem um die Frage einer Klassenteilung. Das sei ermutigend, sagte ein Solinger Stadtsprecher vor dem Ende der Bund-Länder-Runde. „So schlecht kann unser Vorschlag also nicht gewesen sein.“

Kostenpflichtiger Inhalt Merkel und die Länderchefs vertagten eine Entscheidung über das weitere Vorgehen an den Schulen auf den 25. November. Der Bund hatte zuvor verschärfte Maßnahmen an Schulen vorgeschlagen, wie eine Maskenpflicht für alle Schüler und Lehrer auch im Unterricht und eine Halbierung der Klassen. Damit konnte er sich am Montagabend aber nicht durchsetzen. Der bayerische Regierungschef Markus Söder (CSU) sprach sich im ZDF-„Morgenmagazin“ ausdrücklich für die Möglichkeit eines Wechselunterrichts aus. „Der eine Teil wird via Internet zu Hause beschult, der andere in der Schule.“

Die schwarz-gelbe NRW-Regierung hatte den Solinger Weg untersagt, Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hatte als Grund die Bildungsgerechtigkeit angeführt. Laut dem Solinger Stadtsprecher hatte sich die Kommune über das Veto in einer sogenannten „Remonstration“ beschwert und ihre abweichende Auffassung noch einmal klargestellt. Als Reaktion darauf habe die Bezirksregierung Düsseldorf der Kommune mitgeteilt, dass sie ihr Modell nicht für alle Schulen der Stadt habe anordnen dürfen, sondern nur im Einzelfall. Solingen habe in seinem Modell die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts aufgegriffen und halte das Konzept weiter für geeignet, um breite Schulschließungen zu vermeiden, erklärte der Stadtsprecher.

Nordrhein-Westfalens Vize-Ministerpräsident Joachim Stamp (FDP) lehnt Überlegungen der Bundesregierung zu verschärften Corona-Maßnahmen an Schulen ab. In der Nacht zu Montag war bekanntgeworden, dass Schulen nach Ansicht der Bundesregierung zwar offen bleiben sollen, die Klassen aber in große Räume verlegt oder halbiert werden sollen – dadurch könnte das Infektionsrisiko reduziert werden. Nach Darstellung von Stamp sind solche Vorgaben aber nicht umsetzbar, weil der Personalbedarf dadurch steigen würde. Das Bundeskanzleramt sei nicht Koalitionspartner der Landes-FDP, so der Liberale. „Dieser Passus kann nicht beschlossen werden.“

Stamp zufolge fehlt das Personal, um die Klassen zu halbieren und im Wechsel in den Schulen zu unterrichten und daheim lernen zu lassen. „Wo kommen die doppelten Lehrerinnen und Lehrer für diesen Vorschlag her?“, fragte er am Montagmorgen auf Twitter. Stamp betonte, dass man Lehrkräfte bräuchte für digitalen Unterricht. Man könnte Schülern zwar Hausaufgaben mitgeben für eine Woche daheim. „Ohne Betreuung werden aber die Kinder den Anschluss verpassen, deren Eltern das nicht leisten können oder berufstätig sind“, so Stamp.

(mba/dpa)