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Corona-Krise in Solingen: Kein Anstieg von Gewalt gegen Kinder

Corona-Folgen in Solingen : Kein Anstieg von Gewalt gegen Kinder

Im Roten Esel in Wald wurde eine Einrichtung für Gewaltopfer und Quarantäne-Sünder geschaffen. Es gibt aber noch keine Fälle.

Es ist eine der vielen Sorgen, die mit der aktuellen Corona-Krise einhergehen. Schon seit Beginn der staatlich verordneten Kontaktsperre vor drei Wochen warnen Experten davor, dass es im Zuge der sogenannten sozialen Distanzierung auch zu einem Anstieg der Fälle von Kindeswohlgefährdung kommen könnte. Doch zumindest für Solingen lässt sich eine solche Entwicklung derzeit noch nicht feststellen.

Darauf hat jetzt die Stadt Solingen hingewiesen. Wie eine Rathaus-Sprecherin zuletzt mitteilte, sei vonseiten des Allgemeinen Sozialen Dienstes keine Zunahme zu registrieren gewesen. Und auch sonst verhalten sich die Solinger nach dem Eindruck der Stadt – trotz der augenblicklichen Beschränkungen – ausgesprochen diszipliniert. Denn wie die Sprecherin weiter bekannt gab, mussten bislang auch noch keine anderen Opfer familiärer Gewalt aus ihrem häuslichen Umfeld geholt werden.

Tatsächlich ist aber vorgesorgt, sollte im Verlauf der Krise später doch einmal eine Zunahme bei den Fallzahlen zu registrieren sein. So hat die Stadt kurz nach dem Anfang der Kontaktsperre-Maßnahmen im Roten Esel in Wald sowohl ein Notquartier für Menschen, die nicht länger zuhause bleiben können, als auch eine Einrichtung für Quarantäne-Verweigerer geschaffen. Wobei die Sprecherin der Veraltung ausdrücklich betonte, dass diese Vorbereitungen in der Reserveeinrichtung für Flüchtlinge an der Friedrich-Ebert-Straße einstweilen einzig und allein prophylaktischer Natur seien.

„Es gibt im Moment noch keine Notwendigkeit dafür“, sagte die Stadtsprecherin mit Blick auf mögliche Sanktionen. Aktuell sei in Wald jedenfalls keine Person untergebracht, die unter Quarantäne stehe. Denn nach Angaben der Stadtverwaltung reichte es bis dato vielmehr aus, Verstöße gegen eine Quarantäneanordnung mit Bußgeldern zu ahnden.

Ein Umstand, der nach Einschätzung der Verantwortlichen so bleiben könnte – zumal in der Klingenstadt bei den Quarantäne-Fällen in den zurückliegenden Tagen ein eher rückläufiger Trend zu beobachten war. Zwar musste die Stadt am Wochenende erneut steigende Zahlen registrieren. So wuchs die Gruppe der unter Quarantäne stehenden Personen von Samstagabend bis Sonntagabend von 200 auf 277 Solinger an.

Allerdings waren die Zahlen davor bereits spürbar im Sinken begriffen gewesen. Darüber hinaus haben die zuständigen Beamten im Rathaus aber auch einen Ermessensspielraum, wenn es darum geht, solche Maßnahmen zu ergreifen, die stark in die Freiheits- und Persönlichkeitsrechte der Betroffenen eingreifen. Beispielsweise sind keine Quarantäne-Verstöße festgelegt, die eine Unterbringung außerhalb der eigenen vier Wände zwingend vorschreiben würden.

Maßgeblich für eine dergestalte Zwangsmaßnahme ist das Infektionsschutzgesetz. Dort heißt es in Paragraf 30: „Kommt der Betroffene den seine Absonderung betreffenden Anordnungen nicht nach oder ist nach seinem bisherigen Verhalten anzunehmen, dass er solchen Anordnungen nicht ausreichend Folge leisten wird, so ist er zwangsweise durch Unterbringung in einem abgeschlossenen Krankenhaus oder einem abgeschlossenen Teil eines Krankenhauses abzusondern.“