Solingen: Container füllen sich mit Müll

Solingen : Container füllen sich mit Müll

Der Autor heißt Ben Morrison, stammt aus England – und wird in Unterburg in absehbarer Zeit nicht mehr gelesen werden. Jedenfalls nicht von jenem hochwassergeschädigten Anwohner, der das völlig durchnässte Buch in den gellen Pop-Farben in einem der Container entsorgt hat, die von der Stadt auf der Wupperinsel, direkt unter der Seilbahn aufgestellt wurden.

Auch zwei Tage nach dem Blitzhochwasser herrscht im kleinsten Solinger Stadtteil eine Art Ausnahmezustand. Die Container füllen sich schnell. „Unsere Einbauküche ist Schrott“, berichtet Brigitte Schmitz, die an diesem wolkigen Tag mit ihrem Mann Heinz schon zum dritten Mal die Müllsammelstelle angesteuert hat. Dabei können die beiden noch von Glück reden, dass sie die Überreste ihrer Kücheneinrichtung überhaupt an die weiß gestrichenen Container fahren können. Als das Wasser des Eschbachs am Montagabend innerhalb weniger Augenblicke die Mitte von Unterburg flutete, schafften es die Schmitz’ gerade noch, den Familien-Kombi in Sicherheit zu bringen. „Gottseidank haben wir eine Versicherung gegen Elementarschäden“, erklärt Heinz Schmitz.

Andere wiederum zählen nicht zu den Glücklichen, die sich im Besitz einer geeigneten Police wissen. „Naja“, seufzt Udo Dembski, „das Leben geht halt weiter“. Nur eben ohne die verdreckten Teppichfetzen aus seinem Keller. Und die Nachbarn des jungen Mannes wurden ebenfalls nicht verschont. Dafür ist man in dem kleinen Ort um eine Erkenntnis reicher. „Der Zusammenhalt“ während der schweren Stunden sei „wirklich toll gewesen“, berichtet Dembski, der darum nun nicht allein seine Sachen, sondern auch jene besagter Nachbarn zu den Containern schafft.

Dagegen steht Ewald Schwarz mit seinem Kummer ziemlich allein auf weiter Flur. Er wohnt in Oberburg, hätte ergo vom Hochwasser gar nicht betroffen sein dürfen – und muss jetzt doch zentnerweise durchnässte Teppichböden entsorgen. Wohl über den Schacht eines Kellerfensters drang der sintflutartige Regen in sein Haus. „Ich schaute gerade Fernsehen“, erinnert sich Schwarz. Das Reality-Programm mit stundenlangem Wasserschippen, das dann folgte, wird der Oberburger nach eigenem Bekunden „so schnell nicht vergessen“.

(RP)
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