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Christoph Knecht stellt im Solinger Kunstmuseum aus.

72. Bergische Kunstausstellung : Gemalt aus Möglichkeiten

Der Künstler Christoph Knecht zeigt im Solinger Kunstmuseum „Europa“. Im Jacobihaus in Düsseldorf ist seine Ausstellung „Plant of Opportunities“ zu sehen.

Schaut man sich auf der Website des Künstlers Christoph Knecht einmal dessen Vita an, fällt auf, dass die Ausstellungstätigkeit des Düsseldorfers im Jahr 2007 beginnt – mit seiner Teilnahme an der 61. Bergischen Kunstausstellung. „Diese Ausstellung war wirklich etwas Besonderes für mich, zum ersten Mal konnte ich meine Arbeiten in einem Museum zeigen“, erinnert sich Knecht. Die Bergische 2007 war allerdings nicht nur der Auftakt einer Folge weiterer Ausstellungen im In- und Ausland. Auch renommierte Stipendien erhielt Knecht in den Jahren danach, darunter das der Jürgen-Ponto-Stiftung – verbunden mit einer Ausstellung 2015 im Museum für Moderne Kunst in Frankfurt am Main. 2012 wurde das Georg-Meistermann-Stipendium des Bonner Cusanuswerks Knecht zugesprochen, der zudem seit 2017 als Dozent für Malerei im Orientierungsbereich der Kunstakademie Düsseldorf tätig ist. Bis 2012 hatte Knecht hier in der Klasse von Prof. Peter Doig studiert, dessen Meisterschüler er auch ist. „Für mich ist diese Tätigkeit auch Ausdruck der Dankbarkeit. Eine Art, der Akademie etwas zurückzugeben“, erklärt Knecht sein Engagement.

Aktuell sind Werke von Christoph Knecht in zwei Ausstellungen zu sehen: im Künstlerverein Malkasten in Düsseldorf zeigt der Künstler im Jacobihaus seine Werkserie „Plant of Opportunities“ (bis 18. November). Und in der 72. Bergischen Kunstausstellung ist ein Ausschnitt aus dem sich je nach Ausstellungsort verändernden, immer noch weiter wachsenden Werk „Europa“ zu sehen. „Europa“ besteht derzeit aus rund 3000 handbemalten und gebrannten Fliesen. Die mit der Majolika-Technik glasierten Fliesen sind an die Kunst der Azulejos (arabisch: kachelwerk) aus Portugal angelehnt und im typischen Kobaltblau gehalten.

In Solingen zeigt Knecht „Europa“ in Form eines großformatigen Wandbildes aus 680 Fliesen, in dem der Künstler das Bild eines Schiffes mit einem arabischen Schriftzug kombiniert. „Den Rahmen der Arbeit bilden Kacheln mit Logos sozialer Netzwerke und Nachrichtenagenturen, welche maßgeblich an der Entwicklung der Revolutionen im nordafrikanischen und arabischen Raum beteiligt waren“, verweist Knecht damit auch auf den „Arabischen Frühling“ in den Jahren 2010 bis 2012.

Das Schiff, ein Klassiker der Marinemalerei, welche im 17. Jahrhundert in den Niederlanden zu ihrer ersten Blüte gelangte, ist ein Sinnbild sowohl für Transport, Handel und Austausch als auch für Eroberung. Knecht thematisiert mit dem Motiv die koloniale Geschichte Europas. Die Übersetzung der arabischen Schrift lautet: „Weltweit günstig telefonieren“. Der Schriftzug zitiert das zeitgenössische Instrument des Austauschs und der Übermittlung von Daten, gleichzeitig aber auch die Werbung für Simkarten, „welche immer häufiger das Straßenbild unserer Großstädte mitgestaltet“. Die Beschäftigung mit dem Material der glasierten Kachel als Bildträger ist typisch für Christoph Knecht doppeltes Interesse an traditionellen Techniken und deren Verwendung im heutigen Alltag.

„Pflanzenkörper, gemalt aus Möglichkeiten“ beschreibt Knecht selber seine Serie aus Gemälden, Zeichnungen und Drucken, die er auf Einladung des Kunstvereins Malkasten in Düsseldorf zeigt. Die früheste Arbeit hat Knecht 2010 während eines Studienaufenthaltes in China gemalt, die jüngste stammt aus diesem Jahr.

Die Bilder zeigen eine faszinierende, künstlich-organische, zwischen Pflanze und Körper changierende Welt von Wirbelsäulenstämmen – mit Augenblättern, Zahnblüten und Knochentrieben. Inspirationsquellen waren für den Künstler historische Pflanzenzeichnungen. In einer Art surrealer Alchemie lässt Knecht auf der Leinwand hybride Pflanzenwesen entstehen, die wunderbar in das historische Ambiente des Jacobihauses aus dem 18. Jahrhundert passen.