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Solingen: Chinesen wollen Carl Mertens übernehmen

Solingen : Chinesen wollen Carl Mertens übernehmen

Insolvenzverwalter Stephan Ries erwartet noch in diesem Monat eine Einigung.

Ein chinesisches Staatsunternehmen steht kurz vor der Übernahme der insolventen Solinger Firma Carl Mertens. "Wir sind in einer spannenden Phase", sagt Insolvenzverwalter Stephan Ries. Er ist zuversichtlich, dass bis Ende dieses Monats ein notarieller Vertrag unterschrieben wird. Durch die Übernahme aus dem Reich der Mitte könnten sich auch für weitere Solinger Unternehmen Vertriebschancen auf dem chinesischen Markt entwickeln. Die Carl Mertens International GmbH, so der bisherige Arbeitstitel des neuen Unternehmens, könnte dazu die Türen öffnen. "In Solingen wird ja sehr viel aus Stahl gemacht", sagt Ries.

Außer Bestecken und Sachen für den gedeckten Tisch würde bei Mertens eventuell auch eine Messerproduktion aufgenommen. "Die Verhandlungen mit den Chinesen sind sehr weit fortgeschritten, wir sind auf einem guten Weg", sagt der Insolvenzverwalter. Er ist froh darüber, den Standort an der Krahenhöhe halten zu können. 17 Mitarbeiter sind dort derzeit beschäftigt, bei Ausweitung des Sortiments könnte die Zahl der Mitarbeiter sogar weiter anwachsen. "Die Produktion ist gut ausgelastet und hat sich seit Beginn des Insolvenzverfahrens stabilisiert. Wir haben uns am Markt gehalten, wir haben gut zu tun", sagt Stephan Ries mit Blick auf Aufträge aus der Klingenstadt und aus China. Gleichzeitig lobt er die Belegschaft: "Die hat trotz eng geschnalltem Gürtel toll zusammengehalten."

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Nach Angaben des Insolvenzverwalters würde das Unternehmen die Immobilie und das Inventar am Krahenhöher Weg kaufen und alle Waren auch in Solingen fertigen lassen. "Made in Solingen soll hier als Qualitätssiegel verwendet werden", erklärt Ries, der von den jüngsten Gesprächen "sehr angetan" ist. Aus Solingen heraus würde so ein neuer Warenstrom nach China entstehen können. Und ganz nebenbei bekommt durch den Kauf der Krahenhöher Immobilie auch das frühere Insolvenzverfahren aus dem Jahr 2006 einen "schönen Tilgungserfolg".

Die 1919 gegründete Carl Mertens Besteckfabrik musste im April dieses Jahres - zum zweiten Mal nach 2006; damals waren hohe sechsstellige Forderungsausfälle aus dem Ausland der Grund - einen Insolvenzantrag stellen. Im Februar und März dieses Jahres war die Auftragslage eingebrochen. Seit dem 1. Juli befindet sich das Unternehmen im ordentlichen Insolvenzverfahren.

(RP)